Vielfalt – Eine Aufgabe für uns?!

von Anne
(c) Anne Wächter

(c) Anne Wächter

Inklusion, Rassismus, Antidiskriminierung, Gender Mainstreaming, … sind das wirklich alles Themen, mit denen wir uns in unserer Pfadiarbeit beschäftigen müssen? Wollen wir nicht einfach frei sein, wandern, schöne Lager und Fahrten erleben, anstatt uns mit Theorien rumzuschlagen? Müssen wir uns um diese Themen kümmern? Und wenn ja, wer genau soll das machen? Fragen über Fragen. Hier ist mein Versuch einer Antwort.

Ja, es ist viel Arbeit und Selbstreflexion nötig, um sensibel für die Bedürfnisse vieler Menschen zu sein. Ja, es ist aufwändig, eine Gruppenstunde für eine Gruppe mit vielen unterschiedlichen Menschen zu planen. Ja, Pfadfinderei ist im Grunde darauf ausgelegt, von „gesunden“ Menschen gestaltet und genutzt zu werden, die problemlos wandern, hüpfen, rennen können.

Aber: Ich will Schwierigkeiten nicht ausweichen.

Das haben alle Pfadis mit blau-gelbem Halstuch versprochen. Ich verstehe unsere Regeln als Grundlage für unser individuelles Handeln innerhalb und auch außerhalb der Pfadfinderei. Sie sind aber auch Grundlage für unser gemeinsames Handeln und somit den Umgang miteinander. Wir sollten uns nicht von großen Begriffen abschrecken lassen, sondern Herausforderungen annehmen und konstruktiv mit ihnen umgehen. Die genannten Themen wegen Überforderung zu ignorieren, finde ich keine gute Lösung. Es sind nun mal aktuelle und wichtige Themen, die auch unsere Pfadiarbeit betreffen.
Nein, Gruppenleitungen sind nicht immer ausgebildete Pädagoginnen und Pädagogen. Nein, Gruppenleitungen müssen nicht alles können. Nein, Gruppenleitungen sollen nicht die Welt retten und gesamtgesellschaftlichen Missstände auffangen. Es wird ja auch nicht erwartet, dass wir Wunder vollbringen.

Aber: Ich will kritisch sein und Verantwortung übernehmen.

Das heißt für mich auch: Ich will mich kritisch mit der Gesellschaft auseinandersetzen, in der ich lebe. Die Pfadfinderei kann ein Bereich sein, in dem ich diese Verantwortung durch mein Handeln übernehmen kann. Ich wünsche mir, dass Diskriminierung jeglicher Art in der Pfadfinderei keinen Platz findet. Ich wünsche mir, dass Diskriminierungen angesprochen werden und kritisch mit ihnen umgegangen wird. Ich will keine sexistischen, homofeindlichen, rassistischen Witze hören. Besonders nicht, wenn ich als Pfadfinderin unterwegs bin. Ich wünsche mir, dass wir alle Verantwortung dafür übernehmen, dass in unserer Arbeit möglichst wenig diskriminiert wird. Und wenn doch Mist passiert, sollten wir uns mit unserem eigenen und dem Handeln anderer auseinandersetzen.
Ja, geschlechtergerechte Sprache finden manche Menschen umständlich. Ja, es ist doch nicht böse gemeint, sondern nur ein Witz. Ja, die Anderen machen’s doch auch nicht besser.

Aber: Ich will den anderen achten.

Klingt auf den ersten Blick einfach. „Was du nicht willst, das man dir tut, das füge auch keiner anderen zu.“ Würden sich alle immer dementsprechend verhalten, wäre dieser Artikel vielleicht nicht mehr notwendig. So läuft es in unserer Gesellschaft aber leider nicht. Wir sind alle nur Kinder der Konventionen, mit denen wir aufwachsen: Vieles haben wir im Laufe unseres Lebens unbewusst gelernt. Die Frage ist, wie wir damit umgehen und ob wir bereit sind, herrschende Zustände zu ändern. Und ist die Pfadfinderei als Freiraum, ein bisschen Abseits vom gesellschaftlichen Alltag, hierzu nicht bestens geeignet?
Ja! Wir sollten uns um Schwerpunkte wie Inklusion, Rassismus, Antidiskriminierung, Gender Mainstreaming und viele mehr kümmern.
Jede und jeder einzelne von uns sollte Verantwortung dafür übernehmen, selbst nicht oder möglichst wenig zu diskriminieren. Auch sollten wir uns bewusst machen, an welchen Stellen wir Einstellungen und Denkmuster übernommen haben, die andere Menschen ausgrenzen und diese dann möglichst nicht wiederholen. Es geht nicht (unbedingt) darum, politisch korrekt zu sein. Es geht darum, andere Menschen zu achten und sie nicht zu verletzen.

Wer soll sich also kümmern?

Jede und jeder! Und wer noch? Auch auf Stammes-, Bezirks-, Landes- und Bundesebene sollte sich sensibel verhalten werden. Dazu gehört für mich beispielsweise eine geschlechtergerechte Schrift- und Lautsprache, in der sich zumindest in männlicher und weiblicher Form geäußert wird (Pfadfinderinnen und Pfadfinder), lieber noch mit Gender_Gap oder Gender*Sternchen (Pfadfinder_innen; Pfadfinder*innen), um Personen, die sich nicht als Mann oder Frau identifizieren, auch explizit einzuschließen.
In die Kursprogramme haben es Inhalte rund um Vielfalt und Antidiskriminierung teilweise schon geschafft. Das ist sehr wichtig, bilden die Kurse doch die Grundlage für die Arbeit von Gruppenleitungen. Weiterhin ist ein AK Vielfalt in Planung, der sich – wie der Name schon sagt – mit verschiedenen Themen rund um Pfadfinderei und Vielfalt beschäftigen wird. Die besagten Themen sind innerhalb von Kursen und Seminaren bei uns also schon konkret vorhanden. Die Teilnahme hieran ist eine gute Möglichkeit für jede und jeden von uns, sich mit Themen rund um Vielfalt auseinanderzusetzen und so im Kleinen anzufangen, etwas zu verändern.
Ich könnte diesen Artikel noch ewig weiterschreiben, weil mir das Thema unglaublich am Herzen liegt. Zum einen liegt das daran, dass ich mich viel mit Themen wie Antidiskriminierung, Gender, Sexismus, Rassismus und Homofeindlichkeit beschäftige. Zum anderen daran, dass ich selbst bei den Pfadis viel zu oft mit uncoolen Witzen, Sprüchen, Fragen klarkommen musste. Ich wünsche mir für uns alle, dass so was aufhört und plädiere deshalb noch einmal ganz klar: Themen rund um Vielfalt sind für uns wichtig, damit sich möglichst viele Menschen möglichst wohl fühlen können. Die Verantwortung dafür tragen wir alle.

Eine Gegenmeinung findest du hier!

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