Die Ursprünge nicht aus den Augen verlieren

von Rasmus
(c) Kreuzknoten_Stefan Salich

(c) Kreuzknoten_Stefan Salich

Was heißt es für mich Pfadfinder zu sein? Für mich persönlich hat es immer bedeutet, sich frei zu fühlen. Frei zu fühlen von Zwängen, frei zu fühlen von Konventionen, frei zu fühlen von den alltäglichen Pflichten. Auf Fahrt hat es auch immer Entbehrung und teilweise Schmerzen bedeutet, aber das spielte keine Rolle.
Es bedeutet jedoch auch, sich stets an die Regeln zu halten, die wir alle für unsere Gemeinschaft aufgestellt und mit unserem Pfadfinderversprechen als verbindlich anerkannt haben. Einen Widerspruch in der Einhaltung dieser Regeln und der empfundenen Freiheit, habe ich darin allerdings nie gesehen.

Meine Einstellung zur Pfadfinderei hat sich in beinahe 20 Jahren nicht grundlegend geändert. Gerade aufgrund der deutschen Geschichte, den Verflechtungen mit dem Wandervogel und der Bündischen Jugend und den daraus resultierenden Veränderungen für die Pfadfinderbewegung, halte ich sie für eine der wichtigsten Jugendorganisationen unserer Zeit. Nicht zuletzt wegen der langen Tradition und der langen Konstanz der geleisteten Arbeit.

Müssen wir alles mitmachen?

Was bedeutet es nun, dass wir uns als BdP immer wieder und immer eindringlicher mit Themen wie „geschlechtergerechten Schreibweisen“ beschäftigen?
Es bedeutet vor allem, dass wir einen Teil unserer Unabhängigkeit aufgeben. Wir machen uns damit zu Gehilfen von teils ideologisch motivierten Gruppierungen. Häufig geht aus solchen Debatten nur Uneinigkeit hervor, ohne, dass etwas Positives erreicht werden konnte. Es bedeutet außerdem, dass wir versuchen Probleme zu lösen, die von den zumeist Jugendlichen in unserem Bund gar nicht als solche wahrgenommen werden.

„Ich will den anderen achten.“

Mit dieser einfachen Regel ist an sich alles gesagt. Sie nimmt das Ergebnis all der Diskussionen, die in den letzten Jahren zu diversesten Themen geführt worden sind, vorweg. Jeder Pfadfinder hat sie als Teil unseres Wertekanons anerkannt. Es braucht dazu keine „geschlechtergerechten Schreibweisen“ und keine Inklusionsdebatten. Es braucht nur die Einsicht, dass wir zwar alle unterschiedlich, aber gleich viel wert sind. Unsere Vorgänger haben sich auch damals schon etwas dabei gedacht, als sie die Regeln aufgestellt haben und zumindest in meinem Stamm wurde all das auch schon immer so gelebt.
Um es kurz zu formulieren: Ich glaube, wir mühen uns häufig mit Problemen ab, die erst durch uns zu welchen gemacht werden.

Verlorene Traditionen

Es gibt jedoch auch noch eine andere Tendenz und diese halte ich schlussendlich für wesentlich gefährlicher als die sinnfreie Beschäftigung mit weitestgehend irrelevanten Themen.
Wir verlieren einen Teil unserer Traditionen und Geschichte aus den Augen. Ich habe es immer wieder erlebt, dass die Qualität unserer Singerunden gelitten hat und dass die Vermittlung von grundlegenden Pfadfindertechniken anderen Themen weichen musste.
Jetzt gibt es sicherlich Wichtigeres im Leben, als eine Kohte perfekt aufzustellen oder Pfadfinderlieder aus voller Kehle singen zu können. Doch am Ende ist es ein Teil unserer Identität. Es ist ein Teil von dem, was Pfadfinderei zur Pfadfinderei macht und uns somit von anderen Jugendorganisationen unterscheidet.
Es ist die Vielfalt, die uns alle als Pfadfinder zu dem gemacht hat, was wir heute sind. Die Beschäftigung mit der Natur, die Beschäftigung mit uns selbst und unserer Gesellschaft und am Ende natürlich auch mit politischen Themen. Eine verantwortungsbewusste Jugendorganisation, die sich zu den Menschenrechten bekennt, dürfte auch gar nicht unpolitisch sein.
Allerdings kommt es auf das richtige Maß an. Es geht darum, dass wir uns erst dann vordergründig mit neuen Themen beschäftigen sollten, wenn wir uns sicher sind, dass wir die alten nicht hintenüberfallen lassen.

Lässt sich Altes und Neues vereinbaren?

Am Ende muss das jeder einzelne Stamm für sich selbst entscheiden. Es gibt sehr unterschiedliche Ausrichtungen und manch ein Stamm mag leistungsfähig genug sein sich mit vielen Themen gleichzeitig zu beschäftigen. Gerade Alt-Rover-Runden suchen häufig nach einem Grund für ihr Zusammenkommen und sind dankbar für solche Anreize.
Von unseren Leitungsebenen in Land und Bund erwarte ich jedoch, dass andere Themen in den Vordergrund treten, dass Traditionspflege wieder präsenter wird, auch wenn das sehr reaktionär klingen mag. Wenn das gewährleistet ist, dann, und nur dann, sollten andere Themen umfänglich behandelt werden.
Ich will dabei jedoch auch betonen, wie viele wichtige Themen es gibt. Das gilt insbesondere in einer Zeit der weltpolitischen Umbrüche wie heute …
Abschließend muss man sagen, Pfadfinderei ist vielfältig und Pfadfinderei bedeutet weit mehr als das oben Geschriebene. Doch die Ursprünge aus den Augen zu verlieren bedeutet nichts anderes, als dass wir uns selbst über kurz oder lang aus den Augen verlieren. Wenn wir uns nicht auf das besinnen, was Pfadfinderei besonders macht, dann gehen wir irgendwann unter in der Masse der heutigen Freizeitangebote. Und zumindest ich würde das für einen großen Verlust halten.

Eine Gegenmeinung findest du hier!

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  1. Vielfalt – Eine Aufgabe für uns?! | laru online

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