Auf Wanderschaft

Ein analoger Blogeintrag.

von Jascha
(c) Jascha Paul

(c) Jascha Paul

16.9.15 Singerhof bei Plattling, Bayern

Gut Pfad miteinander,

wie einige von euch mitbekommen haben, habe ich mich Mitte März 2015 auf traditionelle Wanderschaft begeben. Ich reise für mindestens drei Jahre und einen Tag, um mein Handwerk, aber auch mich selber kennen zu lernen. Ich reise in Rolandsschacht – einer Gesellenvereinigung, einem sogenannten Schacht. Im Rolandsschacht reisen Bauhauptgewerbe (alles, was zum Hausbau gebraucht wird: Zimmerer, Maurer, Steinmetze, Betonbauer, Dachdecker), Tischler und Bildhauer. Wir tragen als Erkennungszeichen eine blaue Ehrbarkeit. Sprich einen blauen Schlips, der in den obersten Hemdknopf eingebunden wird.
Schnell kam die Frage der laru-Redaktion, ob ich nicht auch auf Wanderschaft ein bisschen was schreiben möchte. Ich möchte und ich hoffe, dass Ihr es gerne lest.

Keine Angst, das wird jetzt keine Werkschrift über Wanderschaft. Jedenfalls nicht direkt. Vielmehr möchte ich ein bisschen über Erfahrungen sprechen. Und über die feinen Unterschiede.
Ein Beispiel: Wann habt ihr das letzte Mal einen Brief oder eine Postkarte auf Fahrt geschrieben? Ich selber weiß nur noch, dass es lange her ist. Warum auch etwas schreiben? Man ist ja auch in drei Wochen wieder zu Hause. Aber gerade Oma und Opa freuen sich sehr über solche Karten. Auch wenn nur: „Bin grad da und da und da geht es mir gut“ darauf steht. Ich musste das auch wieder lernen. Aber wenn man sich daran gewöhnt hat, wird es wieder, natürlich, immerhin ist auch dieser Brief handschriftlich in die LGS gekommen.
Aber zu den Erwartungen und dem Erstreben. Als ich los bin, war Wanderschaft erstmal wie eine Fahrt. Man ist viel unterwegs. Jeden Abend woanders. Relativ bekannt, nur, dass eben nicht nur die gelaufenen 10-20km dazwischen liegen, sondern teilweise 500km oder mehr. Trampen macht es möglich. Und abends? Das hängt stark vom Wetter ab. Erst jetzt habe ich gemerkt, was für einen Luxus wir uns auf Fahrt leisten. Wir sind weitestgehend autark – Zelt, Isomatte, Essen. Auf Wanderschaft hat man eigentlich nichts davon dabei. Man muss sich vor Ort darum kümmern. Leute finden, bei denen man pennen kann. Alternativ eine trockene Ecke, wo man schlafen kann. Ein weiterer Einschnitt war für mich das Waschen. Auf Fahrt ist Waschtag oft etwas Besonderes. Man bleibt für zwei Nächte an einem Ort, macht meistens etwas Besonderes zu Essen. Es ist ein außergewöhnlicher Tag im Fahrtenalltag. Bei uns nicht. Wenn man alle ein bis zwei Wochen Waschtag hat, schwindet dieses exklusive Gefühl, das ein Waschtag für mich immer hatte. Die Wäsche muss ja auch sauber werden und nicht nur nicht mehr stinken. Und spätestens nach dem zweiten Monat ist einem dann komplett klar, dass dies keine Fahrt ist. Man muss eben nicht nur die Entbehrung auf Zeit überstehen, bis man wieder bei Mutti ist. Wenn einem etwas ernsthaft fehlt, muss man es sich organisieren, sofern möglich. Oder sich mit der Situation arrangieren.

Weitergeschrieben 21.9.15 Hollerstetten bei Velburg, Bayern

Eine Gemeinsamkeit, und das war für mich sehr angenehm, ist die Verbundenheit zu den Leuten in Kluft (wir nennen unsere Klamotten auch Kluft). Jeder andere Geselle ist ein Freund und wenn man sich auf der Straße trifft immer ein Grund zur Freude. So wie man sich immer freut, einer anderen Fahrtengruppe zu begegnen.
Mit dem Gepäck hatte ich eigentlich wenig Probleme, wenn man schonmal eine Affenrolle gemacht hat, dann weiß man, wie man seine Sachen und alles andere platzsparend zusammenbekommt und hat sich schnell an das charlottenburger Packen gewöhnt. So das ist jetzt erstmal genug. Später mehr. Bis dahin, allzeit gut Pfad und seid wach.

Jascha, fremder Rolandsbruder

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