Boom! Bäm! Pooowww!

Kommunizieren ohne Gewalt.

von Lisa
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(c) Doro Schmidt

„Gewaltfreie Kommunikation“ klingt ungefähr so sexy wie „Bruttosozialprodukt“. Giraffensprache – Wolfssprache – Beobachtung – Gefühl – Bedürfnis – Bitte … Puh, klingt nach einem pädagogisch-psychologischen Konzept der achtziger Jahre und irgendwie eingestaubt. Langweilig.

Es stimmt schon, normalerweise will ich mit meinen sprachlichen Äußerungen niemandem wehtun. Aber geht das nicht auch mit ein wenig gesundem Menschenverstand und Feinfühligkeit? So ganz natürlich und ohne, dass ich am Ende Dinge sage wie:

„Schatz, du hast letzte Woche 3x dein Geschirr nicht gespült. Das frustriert mich, weil ich, wenn ich nach Haus komme, eine Ordnung vorfinden möchte, die mir ein Entspannen ermöglicht. Sage mir, ob du bereit bist, dein Geschirr direkt nach dem Essen zu spülen oder gemeinsam mit mir nach einem Weg zu suchen, wie unser beider Bedürfnis nach Ordnung erfüllt werden kann.“

Die im Zusammenhang mit Gewaltfreier Kommunikation (GfK) genannten Gesprächsbeispiele klingen häufig so gestelzt und künstlich, dass man schnell die Lust verliert, sich überhaupt näher mit dem Konzept und seinen Ideen zu beschäftigen. Dabei sind die Gedanken dahinter spannend und einen zweiten Blick auf jeden Fall wert!

Marshall B. Rosenberg, der Erfinder der GfK, musste als junger Mensch eigene Gewalterfahrungen machen. Darum versuchte er einen Weg zu finden, wie Menschen auch dann miteinander menschlich umgehen können, wenn sie sehr aufgeregt sind oder sich angegriffen fühlen. Natürlicherweise neigen Menschen in herausfordernden, stressigen Situationen dazu, nur zwei Alternativen zu kennen:

Flucht! – oder Angriff!

Diese natürliche Reaktion ist tief in uns verankert und war mal sehr wichtig. Im Angesicht eines Säbelzahntigers galt es, schnell zu entscheiden: Kämpfen oder Rennen? Flucht oder Angriff!? Da wir in unserer heutigen Umgebung nur noch selten derart schnell, lebenswichtige Entscheidungen treffen müssen, ist diese hektische Reaktion nicht immer die beste und hinterlässt manches Mal ungewollt einen Scherbenhaufen.

(C) Doro Schmidt

(C) Doro Schmidt

Die GfK fordert – platt gesagt – dazu auf, vor der Entscheidung bis zehn zu zählen. Die eigene Reaktion damit zu verlangsamen und genau zu beobachten, statt zu reduzieren und vorschnell zu beurteilen. Es geht Rosenberg dabei nicht um pädagogenmäßige Satzmonstren wie den oben beschriebenen, sondern um eine ehrliche, klare und respektvolle Umgangsweise mit unserem Gegenüber. Dies soll uns so in Fleisch und Blut übergehen, dass wir nicht jedes Mal bewusst die einzelnen Schritte durchlaufen müssen. Oder wie die Pädagogen unter uns sagen würden, geht es ihm um eine einfühlsame Haltung, ein Bewusstsein für die eigenen Gefühle und Bedürfnisse, um so einfühlsamer auf das jeweilige Gegenüber eingehen zu können.

Was sehe und fühle ich?

Am Anfang jeder kritischen Reaktion sollte immer die genaue Beobachtung stehen und als Beschreibung des Wahrgenommenen sollte diese ganz ohne Bewertung auskommen. Was nehme ich wirklich wahr? Was sehe ich? Was höre ich?
Anschließend soll der Blick von der Situation weg und nach innen gelenkt werden. Was löst das Wahrgenommene in mir ganz persönlich aus? Was fühle ich jetzt? Bin ich traurig oder wütend, enttäuscht oder überfordert?
Um eine Lösung für die schwierige Situation zu finden, soll dann als Nächstes versucht werden, herauszufinden, welche Bedürfnisse sich hinter diesen Gefühlen verbergen. Bin ich wütend, dass ich verloren habe, weil ich gehofft hatte, für einen Sieg in der Gruppe wertgeschätzt zu werden? Oder habe ich Angst, dass man nun von mir erwartet noch härter zu trainieren, obwohl mir ein Training zweimal die Woche eigentlich schon zu viel ist? Es macht einen Unterschied, ob mein mieses Gefühl auf dem Bedürfnis nach Anerkennung und Wertschätzung oder nach Ruhe und Entspannung beruht, denn daraus folgen sehr unterschiedliche Ansätze, die mir helfen könnten, die Situation zu lösen.

(c) Doro Schmidt

(c) Doro Schmidt

Wenn ich meine Bedürfnisse erkannt habe, kann ich an mein Gegenüber eine konkrete Bitte formulieren, die zu erfüllen manchmal banal einfach sein kann. Oder ich kann bewusst entscheiden, meine Bedürfnisse in dieser Situation nicht in den Vordergrund zu stellen. So könnte unser beider Zusammenleben viel angenehmer gestaltet werden, ganz ohne Frust, Streit und Zickerei.

Die von Rosenberg vorgeschlagenen Schritte helfen also zu lernen, in Stresssituationen gelassen zu reagieren und sinnvolle, angemessene Lösungen zu finden. Auch dann, wenn unsere innere Stimme brüllt und tobt und unser üblicherweise hervorragend funktionierender gesunder Menschenverstand kurzfristig ausgeschaltet ist.

 

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