Ein Wochenende der Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Ein Wochenende der Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Von Nele

Am 30. Mai 2015 war es soweit. Mit gepacktem Rucksack machte ich mich auf dem Weg zum Bahnhof und war reichlich gespannt, was die nächsten Tage bringen sollten. In Bremen traf ich mich mit zwei Freunden vom KfS 2014, bei dem wir auch die Gelegenheit bekommen hatten, uns zum Lager anzumelden. Natürlich haben wir keinen Moment gezögert.

Eine einmalige Chance

Das Yourope Camp war ein internationales Pfadfinderlager zum Thema Europa und Partizipation. Es entstand, nachdem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble 2013 den Europapreis für Politische Kultur erhielt und sich entschied, da Preisgeld an den BdP zu geben. So gab es für jeden interessierten Pfadfinder über 16 Jahren aus dem BdP die Möglichkeit, an dem Lager teilzunehmen, sofern man sich nur früh genug anmeldete. Das gesamte Lager war den Strukturen des Europaparlaments nachempfunden und sollte neben neuen Freundschaften auch einen Einblick in zentrale europapolitische Themen ermöglichen. Als wir drei auf dem Lagerplatz ankamen, sahen wir die verschiedensten Farben von Kluften und Halstüchern und freuten uns darauf, die Pfadfinder aus den unterschiedlichsten Ecken Europas in den nächsten Tagen kennenzulernen und auch deren Kultur etwas näher zu kommen. Sofort nach unserer Ankunft gab es Abendessen, bei dem man sich über erste existenzielle Dinge austauschte und sich vielleicht sogar über den ein oder anderen Urlaub unterhalten konnte, in dem man die Heimatstadt des Gegenüber besucht hatte. Nachdem wir unsere Jurte aufgebaut hatten, andere Pfadfinder aus dem LV Niedersachsen gesehen und uns über den Zufall gewundert hatten, uns gerade hier in Bad Honnef wiederzusehen, begann das Abendprogramm. Dort stellten sich die Pfadfinder jeder anwesende Nation vor und wir erkannten erste Unterschiede in den Pfadfindertraditionen. Unser Brauch in Morgenrunden zu singen, war den meisten internationalen Gästen zum Beispiel fremd.

2015 Yourope Camp _ Frithjof Martin (2)

Foto: Frithjof Martin

Bekannte Gesichter, neue Freunde und viel zu Lachen

Insgesamt waren wir rund um die 160 Pfadfinder auf dem Freibadgelände in Bad Honnef. Eine gemütliche Größe, bei der man schnell miteinander in Kontakt kam. Nach der Abendrunde um 23.00 Uhr wurde im Café zum Ausklang des Tages noch lange gesungen, geredet und Apfelwein getrunken. Wir freuten uns auf die bunten, spannenden nächsten Tage!

Müde begann sich das gesamte Lager am nächsten Morgen zu regen. Man spürte schon die ersten Sonnenstrahlen beim hinaustreten aus der Jurte. Der Tag begann mit einem leckeren Frühstück und der obligatorischen gefrorenen Nutella. Sofort ging es mit den ersten Workshops weiter. Von „How many worlds do we need?“ über einen Besuch im Museum der Geschichte in Bonn bis zu Diskussionen über aktuelle Themen wie „Refugees Welcome?“ war alles dabei. Während der Workshop Phase war es unheimlich spannend zu sehen, wie andere mit den globalen Problemen umgehen und wie man voneinander lernen kann. So zum Beispiel im Workshop „Refugees Welcome?“ in dem ein Türke über die Flüchtlinge in der Türkei erzählte und ich mir dachte, dass sich Deutschland wirklich ein Beispiel an der Türkei nehmen sollte.

Flüchtlingspolitik aus neuer Perspektive

2015 Yourope Camp _ Frithjof Martin (1)

Foto: Frithjof Martin

Nach ausgiebiger Mittagspause war es Zeit für ein großes Geländespiel zur Finanzkrise. Es gab Banken und Staaten, die sich durch Handel mit ihren Ressourcen ergänzen mussten. Ein gut durchdachtes und interessantes, aber vielleicht etwas langwieriges Geländespiel. Dann folgte der umso besser gelungene internationale Abend. Alle Teilnehmer hatten typische Spezialitäten aus ihrem Herkunftsland mitgebracht, die an diesem Abend verspeist werden sollten. So bekam ich die Möglichkeit Whisky Jam aus Irland, Süßigkeiten aus Polen und Apfelmus aus Österreich zu probieren. Sehr lecker! In der Jurte wurden wieder Lieder und Spiele der verschiedensten Art zum Besten gegeben und viel gelacht.

Auch der zweite Tag begann mit müdem Frühstück und einer produktiven Workshop Phase. Dieses Mal war ich Teil des Workshops „I’m European! – Is there such a thing as a european culture?“, der sich mit den Kulturen der Workshopteilnehmer auseinandersetzte. Wir erkannten viele Gemeinsamkeiten und Unterschiede in unseren Kulturen und unserem Pfadfinderdasein, was sehr spannend war. So erfuhr ich, dass Finnen von klein auf lernen ganz anders zu kommunizieren als wir. Es gilt dort als unangebracht, in einem Gespräch Zwischenfragen zu stellen, während ein Erwachsener etwas erzählt. Man hört einander schweigend zu und nickt zustimmend. Auch dass die ausländischen Pfadfinder nicht gewohnt waren in Schwarzzelten zu übernachten, fand ich sehr erstaunlich. Da sind wir deutschen Pfadfinder wohl wirklich noch um einiges traditioneller. Letztendlich waren wir uns aber einig, dass es eine Art „europäische Kultur“ geben muss. Irgendwie sind wir doch alle gleich und uns verbindet nicht nur die EU als Bündnis europäischer Staaten oder der Euro, sondern vor allem unsere Kultur, die sich in vielen Punkten überschneidet.

Am Nachmittag ging es zum CityGame nach Bonn. Wir besuchten verschiedene Stationen in der ehemaligen Bundeshauptstadt und hatten nicht nur Aufgabe europapolitische Fragen zu beantworten, sondern auch uns dabei einen schönen entspannten Tag zu machen. So setzten wir uns am späten Nachmittag noch an den Rhein, aßen ein Eis in der Sonne und entdeckten sogar ein Open-Air Konzert. Ich denke, wir haben unsere Aufgaben erfüllt.

2015 Yourope Camp _ Frithjof Martin (3)

Foto: Frithjof Martin

Abends wurden wir dann noch mit einem Auftritt von „Polkageist“ beehrt. Direkt neben dem Freibad, das sich während des Lagers übrigens auch super zum Baden anbot, fand ein ländliches Festival statt, auf dem schon das ganze Wochenende Live-Musik gespielt wurde. Mal gute, mal weniger gute. Der Grund des Festivals war das Feiern des alljährlichen „Rhein-in-Flammen“. Ein großes Feuerwerk entlang des gesamten Rheins. Es herrschte eine super, ausgelassene Stimmung. Alle tanzten zusammen und feierten die Genialität der Band! Mit beeindruckendem Feuerwerk war also auch der letzte Abend gewürdigt.

Morgenrunde und Abschlussrunde wurde dieses Mal in einer Version abgehalten, da einige schnell ihre Flieger erreichen mussten. Schnell wurde der Platz aufgeräumt, die Reflexion abgegeben und dann ging es auch schon an das Verabschieden.

„Man ließ mich wissen, dass ich überall willkommen bin…“

Unglaublich schnell gingen die drei Tage zu Ende und wie immer nach einer Pfadfinderaktion bin ich erstaunt, wie viel man in so wenigen Tagen erleben kann. Wir waren alle etwas wehmütig, denn eigentlich hätten wir noch mehr Zeit gebraucht, um uns kennenzulernen. Dennoch habe ich das Gefühl, dass unser Lager eine Art Netzwerk gebildet hat, dass sich nicht so schnell auflösen wird. Man ließ mich wissen, dass ich überall willkommen bin und das Gefühl, in ganz Europa Kontakte zu haben, ist wunderbar! Gerade weil diese Veranstaltung eine bisher einmalige Aktion war, ist es etwas Besonderes dabei gewesen zu sein und so viele neue Erfahrungen mit nach Hause zu nehmen: Neue Erkenntnisse, ein wenig mehr Verständnis für die Europa-Politik und vor allem neue Freundschaften.

Advertisements
Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: