Verband der Pfadfinderinnen und Pfadfinder?!

Oder, warum wir Bund heißen

Von Jascha.
(c) Dorothee Schmidt

(c) Dorothee Schmidt

„Bund“ in der ursprünglichen Definition bedeutet, dass eine Gruppe sich aufgrund von Sympathie und Freundschaft bildet, denn „[d]as wesentliche Merkmal bündischer Gruppen war ihre Zusammensetzung aufgrund einer Sympathieauslese, also einer engen persönlichen Verbundenheit aller Mitglieder.“ (zitiert nach Böttcher, A.: Das junge Volk 5/1932, S.32)

Wir wollen uns ein sicherer Hafen sein

Ein solch enger Zusammenhalt ist bei uns im BdP nicht möglich, dafür sind wir einfach zu groß. Und auch eine „Sympathieauslese“, wie Böttcher sie beschreibt, findet bei uns heute nicht statt. Trotzdem wollen wir uns als Bund immer ein sicherer Hafen sein. Zumindest war ich bisher dieser Ansicht. Durch unsere selbst gewählte Bezeichnung „Bund“ nehmen wir einen Teil des Erbes für uns in Anspruch, das die frühen Bünde in der Zeit zwischen den Weltkriegen geschaffen haben.

Bund ist Bund, und Bund ist schön. Oder nicht?

Und wenn wir uns auch von der strengen, ja elitären Auslese der ersten Bünde verabschiedet haben, freue ich mich trotzdem über jeden Gast, der die Lilie auf seinem Hemd trägt. Auf einem Stammeslager, einem Kurs, einer Bezirksaktion oder auch auf einer Filmnacht für Rover. Für mich spielt es dabei keine Rolle, ob er in die Zielgruppe gehört, ob er aus meinem Bezirk kommt oder nicht. Er oder sie ist hier, um uns ein wenig Zeit mit uns zu verbringen. So biete ich einen Kaffee und einen Platz in unserem Essenskreis an. Jede Fahrtengruppe oder Sippe ist für einen Besuch willkommen. Auch ich selbst habe gerne mit einer kleinen Fahrtengruppe oder meiner Sippe, verschiedene Großlager und Kurse besucht. Denn Bund ist Bund, und Bund ist schön.

Bürokratie, Beschwerden und Bunkerei

Leider musste ich in letzter Zeit immer wieder feststellen, dass diese Tradition immer mehr in Vergessenheit gerät. Auf Großlagern wird man gebeten, als Fahrtengruppe abends den Lagerplatz zu verlassen, auf Kursen wird gezetert, wenn man mit drei Leuten anstatt zu zweit kommt. Essen wird gebunkert und zwei einzeln fahrenden Rovern nicht angeboten. Auf dem Bundeslager muss sich jeder Gast anmelden und darf nicht eine einzelne Nacht frei bei seinem Stamm unterkommen. Auf Aktionen darf man ausdrücklich nicht über Nacht bleiben, obwohl das gerade in einem Flächenland wie Niedersachsen manchmal nicht zu vermeiden ist. Das stimmt mich persönlich traurig und auch ein bisschen ärgerlich.

Ich möchte nicht in einem Verein sein, in dem ich solche Erfahrungen öfter machen muss. In dem ich mich jedes Mal fragen muss, ob ich willkommen bin oder ob mich lange genug vorher angekündigt habe. Wenn in einer Jugendgruppe kein Platz mehr für solche Spontanität ist, verdient diese es nicht mehr, sich „Bund“ zu nennen. Stattdessen sollte sie dem Beispiel den evangelisch geprägten Pfadfindern folgen und sich Verband nennen. Verband der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VdP) klingt für mich irgendwie ungewohnt. Aber wir werden uns wohl daran gewöhnen müssen, wenn es so weitergeht.

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