Einen Traum gelebt

Mit Hand und Fuß auf dem ScoutingTrain durch 7 Zeitzonen zum Glück.

von Maike
(c) Alexander Henhammer

(c) Alexander Henhammer

Ich führe keine Liste mit Lebensträumen. Aber wenn ich eine hätte, wäre die Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn darauf zu finden gewesen. Und wenn ich heute einen Globus zur Hand nehme und mit dem Finger die Strecke von Berlin nach Peking entlangfahre, dann ist es für mich eine unheimlich coole Vorstellung, dass ich genau diesen Weg bereist habe.
Das war im letzten Jahr, im Rahmen des ScoutingTrain-Projektes. Wegen der vielen Berichte hier nur einige wenige Zahlen: 272 Teilnehmende aus 17 Nationen fuhren zusammen 7033 Zugkilometer an 17 Reisetagen und erlebten so eine unvergessliche Reise! Ein einmaliges internationales Projekt des BdP, das nicht nur die Fahrt beinhaltete. Die Teilnehmenden des Projekts haben sich schon vorher in ihren jeweiligen Teilprojekten, den sogenannten Waggons, getroffen und an eigenen Themen und Aktionen gearbeitet, die dann während der Reise weitergeführt und präsentiert wurden.

Glückliche Träume

Das Thema unseres Waggons war Glück, Happiness. In einer Gruppe von litauischen und deutschen Pfadfindern haben wir uns zunächst damit auseinandergesetzt, was Glück in diesen beiden Ländern bedeutet. Danach haben wir Passanten in Deutschland, Litauen und auf unserer Reise in Russland befragt, was sie glücklich macht. Obwohl dies zum Teil nur Stichworte waren, konnten wir schon einige Sachen bemerken. So gab es „kleine“ und „große“ Dinge zum Glücklichsein, zum Beispiel ein leckeres Gericht oder die Lieblingsmusikerin, aber eben auch Gesundheit oder Liebe. Das Schönste war aber, mit unterschiedlichen Menschen über das Thema Glück ins Gespräch gekommen zu sein, da es stark mit vielen wichtigen Fragen, die man sich im Leben stellt, in Verbindung steht – und dabei festzustellen, dass es oft eine große Übereinstimmung in den Vorstellungen gibt. Oft haben wir in Russland das Wort „MИР“ (gesprochen Mir) gelesen und gehört. Ich werde es für den Rest meines Lebens nicht mehr vergessen, denn es beschreibt einen essentiellen Lebenstraum von mir: Frieden.
Immer wieder haben wir unser Waggonthema zum Anlass genommen, um Freude zu verbreiten. Dabei haben wir gemerkt, dass das schon mit kleinen Dingen, wie Seifenblasen, Süßigkeiten oder einem einfachen Lächeln sehr gut geht – in allen Ländern.
Auch andere Waggons haben sich mit ähnlichen Fragen beschäftigt, zum Beispiel, was für Möglichkeiten ein Pfadfinderprojekt wie der ScoutingTrain bietet, um sich Wünsche und Träume zu erfüllen.

(c) Laura Harder

(c) Laura Harder

Träume und Herausforderungen

Was hat der ScoutingTrain für mich noch mit Träumen zu tun? Dieses Pfadfinderprojekt war kein typisches Projekt und auch keins, das an allen Stellen reibungslos funktioniert hat. Wir standen mit den Mitwirkenden vor Herausforderungen, denen wir uns zuvor noch nicht gestellt hatten.

Zum Beispiel war es eine logistische Herausforderung, alle Teilnehmer nach dem Zwischenstopp in einer Stadt wieder zur richtigen Zeit am richtigen Treffpunkt für die Weiterfahrt zusammen zu bekommen. Als tückisch erwies sich die Zeitverschiebung: Die Transsibirische Eisenbahn durchfährt sieben Zeitzonen und weil es sonst zu Verwirrungen kommen könnte, wird der Fahrplan für die Züge ausschließlich in Moskauer Zeitrechnung herausgegeben. So rechneten wir fröhlich hin und her – immer mit dem Wissen, dass eine falsche Angabe bedeuten könnte, dass jemand den Zug verpasst!
Zusätzlich galt es, häufig Sprachbarrieren zu überwinden. Während wir im Projekt selbst Dolmetscher hatten, war der Kontakt zu russischen Nicht-Pfadfindern oft mit Improvisation verbunden. Trotzdem haben wir viele interessierte Menschen getroffen. So haben wir Reisende uns in Nowosibirsk, der drittgrößten Stadt Russlands, in der es leider noch keine Pfadfinder gibt, über private Kontakte oder das Internet selbstständig Schlafplätze gesucht. Mit ein paar anderen aus unserer Gruppe habe ich in einer sogenannten Datscha, einem russischen Sommerhaus, übernachtet. Wie herzlich uns unsere Gastgeberin und deren Nachbarn aufgenommen haben und mit leckeren russischen Spezialitäten wie eingelegtem Gemüse versorgt haben, war der Wahnsinn. Viele waren uns gegenüber sehr offen – und das zum Teil gänzlich ohne Englischkenntnisse, sodass wir auf eine Kommunikation mit Händen und Füßen angewiesen waren.

Es ist viel geblieben

Durch das Projekt haben viele junge Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus ganz Europa stabile Freundschaften zueinander aufgebaut und bilden nun ein großes Netzwerk. Ich für meinen Teil habe sehr intensiven Kontakt zu meinen Teammitgliedern, einigen litauischen Pfadfinderinnen, gehalten. Gerade weil wir uns im Planungsprozess des Projekts immer wieder mit Unterschieden und Missverständnissen auseinandersetzen mussten. Um dann festzustellen, dass wir doch nicht so weit mit unseren Vorstellungen auseinanderliegen, wie wir zunächst dachten.
Diese Herausforderungen waren es, die unseren Erfahrungshorizont erweitert haben und uns haben wachsen lassen. Und ich denke, dass genau diese Erfahrungen uns dabei helfen können, unseren nächsten Traum zu leben und zu wissen:

Auch das scheinbar Unmögliche kann möglich sein!

(c) Laura Hader

(c) Laura Had

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