Begleiter zu uns selbst

Ein Interview zum Thema Traumdeutung

Von Anne.
(C) Anne Wächter

(C) Anne Wächter

Anne und Antonija haben sich vor sechs Jahren in Berlin durch das Studium der Sozialen Arbeit kennen gelernt. In stundenlangen Gesprächen quatschten sie über alles Mögliche, auch über Antonijas Interesse an Träumen, dem Universum und welchen Einfluss all das auf unser Leben hat. Nachdem das Thema dieser laru-Ausgabe feststand, bat Anne Antonija um ein Interview.

Anne: Hallo Antonija, erzähl uns bitte kurz etwas über dich.

Antonija: Ich bin 32 und von Beruf Sozialpädagogin. Ich liebe es, zu tanzen und zu kochen. Ohne Musik könnte ich nicht existieren. Noch lieber umgebe ich mich mit lieben Menschen, mit denen ich das alles teilen kann. Geboren bin ich Kroatien, lebe nun schon seit 22 Jahren in Deutschland, zurzeit in Berlin. Mein Leben hat einen Leitsatz: Nur das Unversuchte bliebt unmöglich.

Träume haben keine Grenzen

Anne: Wie bist Du dazu gekommen, dich mit dem Thema Traumdeutung zu beschäftigen?

Antonija: Schon in meiner Jugend hatte ich unglaublich intensive und bewusste Träume. Diese waren am nächsten Morgen so präsent, dass ich gar keine andere Wahl hatte, als mich damit zu beschäftigen. Es war ein starker innerer Wunsch, meine Träume, und somit auch mich und mein Unterbewusstsein zu erforschen. Dabei lernte ich mich kennen und tue es immer noch. Träume sind unsere Begleiter zu uns selbst. Träume haben keine materielle Sphäre und keine Grenzen. Mit und durch das Träumen können wir unser Innerstes erforschen. Auch Tagträume, also das Fantasieren, gehört dazu und ist ganz wichtig. Denn damit schulen wir unsere Vorstellungskraft, die uns im Leben leiten kann.

Anne: Meinst Du, dass jeder Traum eine individuelle Bedeutung hat?

Antonija: Ja. Ich bin mir ziemlich sicher. Jedoch gibt es Unterschiede in der Intensität der Träume. Mache fühlen sich tief, groß und leidenschaftlich an und manche oberflächlich und uneindeutig. Das hängt vom persönlichen Befinden und der Lebensphase ab. Je nach Art des Traumes kann es eine tiefe Bedeutung haben oder auch nur ein kleiner Hinweis auf etwas sein oder man verarbeitet etwas, was man gerade erlebt hat. Wie man was erkennt, hängt, von einem selber ab und davon, ob man sich darauf einlässt oder nicht.

Anne: Bitte zähl‘ uns ein paar Dinge auf, die häufig geträumt werden, und sag‘ uns, wie diese gedeutet werden können.

Antonija: Das ist leider nicht möglich. Es gibt kein allgemeines „Rezept“, da jeder Mensch unterschiedlich ist und verschiedene Erfahrungen macht. Wie sich diese dann in Träumen äußern, ist sehr individuell und für jeden vollkommen anders erlebbar. Genau darum geht es beim Träumen: um einen selbst und um die Erlebnisse, Geschehnisse und Momente, die einen persönlich umgeben.

Anne: Wo bekommst Du deine Informationen zum Thema her? Gibt es auch professionelle Traumdeutung? Kann jeder Mensch Träume deuten?

Professionelle Traumdeutung gibt es nicht

Wir sind ja ziemlich gut vernetzt, also ist das Internet eine gute Möglichkeit sich verschiedenes Wissen anzueignen. Aber als ich damit angefangen habe, habe ich das meiste aus Büchern und persönlichen Gesprächen mit Menschen, die sich auch damit beschäftigten, gelernt. Eine „professionelle“ Traumdeutung gibt es meiner Meinung nach nicht. Was mit der Traumdeutung zusammenhängt, also eigentlich zum Deuten dazugehört, ist die Astrologie. Die Konstellationen des Kosmos, Planeten, Sterne, kosmisches Gestein haben großen Einfluss auf unser Wohlbefinden und unsere Träume, denn alles was lebendig ist, und das ist eigentlich alles auf dieser Erde und im Universum, ist miteinander verbunden. Und ja, jeder Mensch kann Träume deuten. Aber wie gesagt, dazu gehört, dass der Mensch sich dem öffnet.

(c) Anne Wächter

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Anne: Wozu werden Träume gedeutet? Was ist der Sinn dahinter?

Antonija: Der Sinn befindet sich in einem selbst. Träume kommen aus den Tiefen unserer Seele und unserem Unterbewusstsein. Dabei geht es um tiefe, leidenschaftliche Gefühle und Lebenswege. Wer Lust hat sich wirklich auf sich selbst einzulassen und sich selbst kennenzulernen, der sollte versuchen sich mit seinen Träumen zu beschäftigen. Sie können einem eine Hilfe sein im Leben und können dazu führen, dass wir besser mit unseren Ängsten und Unsicherheiten umgehen lernen. Sie können beflügeln und ganz oft hat die Deutung einen „AHA!“-Effekt. Mir hat die Beschäftigung damit Gelassenheit im Leben geschenkt und ich tue viele Dinge, die mir gut tun. Durch meine Träume habe ich zu mir gefunden und weiß, was mir gut tut, was ich kann und was ich will.

Anne: Gibt es bei der Traumdeutung „richtig“ und „falsch“?

Antonija: Jein. Was für den einen richtig ist, kann für den anderen falsch sein. Ein Beispiel: Zwei Menschen träumen einen blauen See. Jeder diese Menschen befindet sich aber in einer anderen Lebenslage, beschäftigt sich mit ganz anderen Dingen. Somit ist die Bedeutung des blauen Sees nicht gleich für beide gleich. Es kommt auf die Interpretation für das eigene Leben an.

Anne: Was hältst Du Leuten entgegen, die Traumdeutung als Schwachsinn abtun?

Antonija: Gar nichts. Die wissen nicht, was sie verpassen!

Träume sind keine App auf dem Smartphone

Anne: Was ist das größte Vorurteil oder der größte Irrtum in Bezug auf Traumdeutung?

Antonija: Dadurch, dass wir in einer Welt leben, in der es kaum noch Zeit und Raum für ein persönliches Selbst, für seelisches Wohlbefinden und geistige Ausgeglichenheit gibt, ist der größte Irrtum, dass wir uns selbst nicht brauchen. Wir funktionieren und unterdrücken sehr viel da vieles materialistisch angelegt ist. Träume sind keine App im Telefon, die wir an- und ausschalten können. Träume gehören zu uns. Wir benutzen Religion als einzige anerkannte Verbindung zum Universum. Dabei gibt es da noch viel mehr. Jeder Mensch ist mit dem Universum verbunden. Träume stärken diese Verbindung und können dazu beitragen, dass man zu sich findet, sich selbst wirklich kennenlernt. Das trägt dazu bei, offen zu sein, mehr Energie zu haben und positiv zu denken. Das hat sich in meinem Leben wundervoll bewährt. Ich bin gelassen, offen, spontan und habe keine Angst mich von dem abzuwenden, was mir nicht gut tut.
Traumdeutung wird oft als blödsinniger Esoterik-Kram bezeichnet. Denkt mal drüber nach, ist es ein blödsinniger Eso-Kram, oder ist es ein Teil von uns? Ich bin mir ganz sicher, dass jeder in seinem tiefen Inneren die Leidenschaft verspürt sich selbst nah zu sein, sich zu kennen und sich mit sich selbst wohlzufühlen, um das Leben genießen zu können und um es mit wertvollen Momenten auszufüllen. Hört mal hin, eure Träume sind nur für euch da! Kostet sie aus. Es ist doch so, dass ich etwas einfacher verstehen kann, wenn ich es deuten kann. Träume und ihre Deutung tragen dazu bei.

(c) Anne Wächter

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