Das Klartraum-Experiment

Mit Klarträumen wird Unmögliches möglich, aber nur im Traum. Ein bewusstes Experiment.

Von Jan-Georg.
Schlafexperiment_Karin Jung

(c) Karin Jung

„Wir erschaffen und nehmen unsere Welt gleichzeitig war und unser Verstand macht das so gut, dass wir nicht einmal merken das es passiert. Das erlaubt uns in den Prozess einzusteigen.“ So erklärt uns Leonardo DiCaprio in dem sehr empfehlenswerten Film „Inception“ das Prinzip des Klartraums. Die Vorstellung, das Drehbuch für die eigenen Träume zu schreiben, klingt unglaublich. Im Traum erleben wir, im Gegensatz zum Tagtraum, das Geschehen als absolut real. „Träume fühlen sich immer real an, während wir sie träumen. Erst wenn wir aufwachen, fällt uns auf, dass irgendetwas seltsam war.“ Diese logischen Schwachstellen sind es, die den Klartraum so faszinierend machen, denn es ist gerade dieses Abweichen von der Realität, die es Klarträumenden möglich machen, nicht nur die eigenen Wünsche zu auszuleben, sondern auch physikalische und moralische Grenzen außer Kraft zu setzten. Wie Spiderman Gebäude erklimmen, fliegen wie ein Vogel oder einfach mal dem Chef ordentlich in die Weichteile treten: Unsere Träume sind ein freier Ort, vielleicht sogar der freieste überhaupt. Es gibt keine Regeln, kein richtig oder falsch und keine Kontrollen.

Die Wissenschaft hinter Klarträumen

Berichte über Klarträume lassen sich bis ins antike Griechenland finden. Dass Klarträume möglich sind, wurde unter anderem vom amerikanischen Psychologen Stephen LaBerge Mitte der 80er Jahre durch eine Reihe spannender Experimente nachgewiesen. Im Internet lassen sich unzählige Berichte und seriöse Sendebeiträge über das Thema finden. Einer handelte von einer Frau, die regelmäßig von einem Albtraum geplagt wurde, in dem sie mit dem Gesicht zur Wand in der Ecke eines dunklen Raumes stand. Sie konnte spüren, dass etwas hinter ihr in der Dunkelheit stand, aber sie konnte sich nicht umdrehen. Von einem Therapeuten wurde sie in das luzide Träumen eingeführt und konnte durch diesen Klartraum in ihren Albtraum eingreifen und sich umdrehen.

„Bin ich wach, oder träume ich schon?“

Bei mir lösten die Erfahrungsberichte zum einen Begeisterung, zum anderen aber auch Skepsis aus. Wenn es möglich ist, sich in seinem Kopf eine perfekte Welt zu schaffen, in der nichts unmöglich ist, verliert das reale Leben dann nicht seinen Reiz? Werden Klarträume am Ende zu einer Droge, mit der man sich berauscht, um der Realität zu entfliehen? Letztendlich überwog aber meine Neugierde und ich wollte sofort anfangen. Wie aber gelange ich die Kontrolle über meine Traumwelt? Zunächst einmal wird der größte Vorteil des Klartraums, zum größten Hindernis, diese zu erkennen. Wenn ein Klartraum nämlich so realistisch wirkt, wie die Wirklichkeit, woher wissen wir, wann wir träumen und wann nicht? Dafür müssen wir ein kritisches Bewusstsein der Realität entwickeln und jetzt kommen wir auch endlich zum praktischen Teil.
Der erste Schritt sind regelmäßige „Reality-Checks“. Die Realität als solche zu erkennen fällt uns leicht, deshalb können wir einen Traum nur dadurch enttarnen, dass er dieser widerspricht. Dafür gibt eine Reihe von Methoden, die zur Überprüfung durchgeführt werden können. Im Film Inception ist dies zum Beispiel das Drehen eines Spielzeugkreisels. Wichtig ist dabei, keine Erwartungen an den Ausgang des Reality-Checks zu haben. Das Gehirn kann diese Erwartung in den Traum projizieren und dort wirklich werden lassen. Ich habe versucht, mit zugehaltener Nase Luft zu holen. Das hat vor allem den Vorteil, dass es unauffälliger ist, als jedes Mal einen Kreisel aus der Tasche zu holen. Solche Checks müssen nämlich regelmäßig passieren. Die ständige Frage ‚Bin ich wach oder träume ich? ‘ muss dabei so selbstverständlich werden, dass die Schlafenden sie sich auch im Traum stellen. Ziel ist es im Traum zu Bewusstsein zu kommen, ohne aufzuwachen. Ich habe also angefangen, mir alle halbe Stunde die Nase zuzuhalten und kurz Luft zu holen.

(c) Martina Taylor

(c) Martina Taylor

Mit der Klartraum-App gegen Traumdemenz

Der nächste Schritt war die Traumerinnerung zu steigern. Wir träumen mehrmals pro Nacht, aber an die wenigsten erinnern wir uns später. Um meine Erinnerung zu fördern, habe ich begonnen ein Traumtagebuch zu führen. Dafür legte ich neben mein Bett ein Notizbuch und einen Stift, im Vorhaben gleich nach dem Aufwachen das Geträumte niederzuschreiben. Dass es funktionieren kann wusste ich, da ich während meiner Schulzeit bereits ein Traumtagebuch geführt hatte. Damals konnte ich mich schon nach kurzer Zeit an drei oder mehr Träume pro Nacht erinnern und auch immer längere Abschnitte aus den Träumen behalten. Dadurch brauchte ich aber morgens auch immer mehr Zeit, um alles aufzuschreiben. Es ist wirklich witzig, hin und wieder in meinem Traumtagebuch zu lesen. Dieses Mal hatte ich aber größere Schwierigkeiten. Es vergingen zwei Wochen, ohne dass ich mich auch nur an einen Traum erinnern konnte. Das war schon ein bisschen beängstigend. Nicht nur weil Träume etwas Schönes sind, sondern vor allem weil sie einen gesunden Schlaf kennzeichnen. Meine erste Vermutung war, dass ich früher mehr geschlafen habe. Also ging ich früher ins Bett, traumerinnerungstechnisch hat das aber keine Veränderung gebracht. Dann habe ich mir eine Klartraum-App runtergeladen. Dafür sollte ich das Handy beim Schlafen neben mich auf die Matratze legen. Die Idee war, dass wir uns beim Träumen intensiver im Bett bewegen. Der Kippsensor im Handy sollte diese Bewegung registrieren, um dann ganz leise und in häufiger Wiederholung „you are dreaming, you are draming, …“ abzuspielen. Es ist wahrscheinlich überflüssig zu erwähnen, dass das nicht funktionierte. In einem Klartraum-Forum habe ich dann gelesen, dass eine Frau Probleme hatte, sich an ihre Träume zu erinnern, weil das Schlafzimmer durch die Straßenbeleuchtung nicht dunkel wurde. Weil das Studentenwerk neben seinem Mensa-Parkplatz die ganze Nacht auch mein Zimmer ausleuchtet, habe ich die durchlässigen Bambus-Jalousien durch lichtdichte Gardinen ersetzt. Und es wurde wirklich besser. Ich konnte mich an immer mehr Träume erinnern, und auch wenn ich nicht immer alle aufschrieb, hatte ich wieder Hoffnung auf einen Klartraum.

Nach der Vorbereitung wird es ernst

Der dritte und letzte Schritt war es nun, einen Reality-Check in einen Traum zu machen. Kurz vor dem Einschlafen habe ich mir noch einmal die Träume der letzten Nacht in Erinnerung gerufen und vorgenommen, diesmal einen Klartraum zu haben. Dann vor einer Woche habe ich es endlich geschafft. Ich habe geträumt als Teil eine Rehherde in der Savanne zu sein. Plötzlich wurden wir von mehreren Hyänen-Leoparden-Wesen verfolgt und sind weggerannt. Mittendrin habe ich mich dann gefragt, warum ich so schnell rennen kann wie ein Reh. Als ich stehen geblieben bin und mich zu den Verfolgern umdrehte, wusste ich, dass das nur ein Traum ist, und bin im selben Augenblick wach geworden. Einige Tage später hatte ich einen Traum, in dem ich über das Haus meiner Großeltern geflogen bin. Es war ein wunderschöner Tag und ich drehte meine Kreise hoch oben über dem Kuhstall. Dann viel mir auf, dass ich meine Arme gar nicht auf und abschlug, wie Vögel es taten. Ich schaute auf den Boden und merkte wieder, dass das ein Traum sein muss. Ich bin dann einfach weiter geflogen. Leider bin ich nicht auf die Idee gekommen, meinen Traum zu steuern. Vermutlich war es noch kein richtiger Klartraum, aber ich war schon ziemlich beeindruckt, als ich wieder wach wurde.

Durchhaltevermögen, das sich auszahlt.

Klarträume sind also wirklich möglich und sie machen unglaublich Spaß. Während des Experiments habe ich auch eine Menge über mein eigenes Schlafverhalten gelernt. Jedoch verlangt es einiges an Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen. Zwischendurch kam ich mir immer wieder ganz schön dämlich vor. Wahrscheinlich habe ich mich durch den Wunsch vorranzukommen selber Druck erzeugt, was bestimmt eher kontraproduktiv war. Auch scheint es nicht so wie beim Fahrradfahren zu sein, wo das einmal erlernte nicht mehr vergessen wird. Die nächsten Wochen werden für mich ein wenig stressig, weil die Klausuren näher rücken. Danach möchte ich aber es aber weiter probieren. Ich glaube, dass in meinen Träumen noch eine ganze Menge möglich ist.

Für weitere Informationen zum Thema Klarträume empfehle ich folgende Links:

  • wikibooks.org (Suchfeldeingabe: Klartraum)
  • youtube.com (Was ist ein Klartraum? – Eine Anleitung für Anfänger)
  • http://www.klartraum.de

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