Warum man ruhig noch Fleisch essen kann…

Ein Plädoyer für den Fleischkonsum

Von Thorsten

(c) Jens Fäscher

Ein Riss geht durch unsere sehr bewusste Welt des BdP: Er trennt die Fraktion der Vegetarier und Veganer von der Fraktion der Fleischesser. Die entsprechende Geisteshaltung wird mehr oder minder offensiv vorgetragen. Im Wesentlichen gibt es eine friedliche Koexistenz, leider aber nur im Wesentlichen. Aus irgendeinem Grund fehlt in unserem ansonsten – nach eigener Selbsteinschätzung – sehr toleranten Verband diesbezüglich manchmal das Verständnis des jeweiligen Gegenübers.

 Wir essen Fleisch, weil wir es können

Fleisch ist in der westlichen Ernährung fester Bestandteil; das kommt nicht von ungefähr, dies hat sich in Jahrtausenden herausgemendelt. Die Natur selbst hat dem Menschen die Fähigkeit gegeben, andere Lebensformen zu essen. Sie sollte sich also in diesem Punkt nicht beschweren. Doch, leider ist die Betrachtung nicht ganz so einfach. Der Schöpfer hat den meisten von uns auch die gefaltete Großhirnrinde geschenkt und damit erweiterte Geistesleistungen. So wurde das Kräftemessen mit dem Tier in der Jagd obsolet und unsere Gattung konnte sich zum Schicksalsgeber über andere Lebewesen aufschwingen. Weiterhin ist der Mensch zu empathischen Gefühlsregungen fähig und hat zusätzlich ein Gerechtigkeitsempfinden. Dies zwingt uns glücklicherweise dazu, Verantwortung zu übernehmen, nicht nur für andere Menschen, auch für uns ausgelieferte Wesen.

 Wenn das Fleisch immer billiger wird, muss das Gewissen her

Unbestrittenermaßen ist auch die Herstellung unserer Nahrung einem Entwicklungsprozess unterworfen. Während der Fleischgenuss in vorangegangenen Generationen wohlhabenden Bevölkerungsschichten vorbehalten war, kann dank der industriellen Entwicklung mittlerweile jeder seine keramikbewährten Zähne in die – nicht nur sonntäglichen – Rouladen hauen. „Damit gehen gelinde gesagt prekäre Lebens- und Sterbenssituationen für die betroffenen Tiere einher, die durch den erhöhten Ressourcenverbrauch in Konkurrenz zur vegetarischen Ernährung stehen. Was früher schlicht über die wenig vorhandene Pecunia geregelt wurde, muss nun einer Frage des Gewissens weichen. Dazu gehören eine bewusste Auseinandersetzung mit seiner Ernährung und dann eine eigene Entscheidungsfindung. Wer es sich leisten kann und will, sowohl monetär als auch durch sein Gewissen, der soll Fleisch essen. Man kann auch noch die ketzerische Frage stellen, ob und wie ein Tier wohl leben will, wenn es nur einen Umstand kennt…

 „Für mich einmal Entscheidungsfreiheit und eine kleine Portion Höflichkeit, bitte!“

Jeder soll die ernsthafte Wahl seiner Ernährung haben. Wir sind wahnsinnig stolz darauf, dass in unserem Verein jeder sein kann, wie er will (jedenfalls solange er zur Morgenrunde kommt). Mittlerweile ist es Standard, dass auch vegetarisch gekocht wird, manchmal gibt es sogar eine vegane Alternative. Das ist zu begrüßen, wenn die jeweilige Küche das leisten kann. Die Nutzerinnen und Nutzer der pflanzlichen Kost neigen leider hin und wieder dazu, eine Art missionarischen Eifer in der Küche zu entwickeln. Das ist aus Sicht einer Minderheitenreligion sicherlich statthaft, aber für alle Nichtglaubensteilnehmer auch anstrengend. Genauso fordernd ist das Ertragen der reflexartig und häufig wenig reflektiert vorgetragenen Vorzüge der tierischen Ernährung. Wo bleibt hier die Entscheidungsfreiheit und Toleranz? Kann nicht einfach jeder mit seinem Körper und Gewissen machen, was er will?

Dazu kommt der Aspekt der Höflichkeit. In meinen Ohren hallt der zu Unrecht viel gehasste Spruch „Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt“ aus meiner Jugend noch nach. Da macht sich einer Mühe und kocht etwas, dann sollte es auch drin sein, dass sich nicht beschwert wird. Die Verantwortung eines jeden Kochs sollte es dann auch sein, den verschiedenen Essgewohnheiten seiner Kunden gerecht zu werden. Der eigene Körper erleidet erwiesenermaßen keinen Schaden, wenn man sich pflanzlich ernährt, genauso ist es aber auch mit den Fleischessern. Warum darf eigentlich nach vegetarischer Pampe krakeelt werden, aber die Forderung nach einem Mettigel „aus Bodenhaltung“ wird mit verdrehten Augen quittiert?

Ich bitte also für die Zukunft darum, jeden zu seinem Recht kommen zu lassen. Jeden Tag Fleisch ist keine Forderung, die ich begrüße, aber ab und zu sollte man schon mit einem Schnitzel rechnen dürfen. Vor allem, wenn den Vertretern aus der Müsliliga ihr Seelenheil auf der jeweiligen Aktion zugebilligt wird.

Und wenn man da dann zusammen am Tisch sitzt, könnten die Diskussionen über das Essen auch verstummen. Mit vollem Mund spricht man sowieso nicht.

 

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4 Kommentare

  1. Thorsten

     /  22. August 2014

    Guten Abend,
    muss ich jetzt meinen eigenen Artikel kommentieren? Ich hatte erwartet, dass ein Aufschrei durch den LV geht und dieser Beitrag zerrissen wird. Gut, dann machen wir weiter wie bisher!

    Antwort
  2. Jan-Georg

     /  2. September 2014

    JedEr hat das Recht zu essen wonach einem gerade ist. Warum aber unterstellt man Vegetariern missionarischen Eifer? Wenn es zwei Mahlzeiten nacheinander kein Fleisch gibt, gehen das Geschrei (und ich meine Geschrei) sofort los „Ich brauche mein Fleisch!“
    Nein, dein Körper „braucht“ kein Fleisch. Ok, Fleischgenuss nicht für den Körper, sondern für die Seele, fürs Wohlbefinden, dass geht.
    Warum aber können einige nicht mal 12 Stunden darauf verzichten?! Ich habe noch von keiner Pfadfinderaktion gehört, auf der es nicht täglich die Möglichkeit zum Fleischverzehr gab. Zum Abendbrot gibt es doch wieder Wurst.

    Antwort
  3. Jan-Gerd

     /  2. September 2014

    Ich esse gerne Fleisch. Es schmeckt mir einfach gut! Früher war ich wohl sowas wie der missionarische Nichtvegetarier. Inzwischen habe ich gemerkt, dass das sinnlos ist, weil ein Vegetarier sich genauso wenig vorschreiben lassen möchte was er isst, wie ein Nichtvegetarier und das ist auch gut so!

    Das gestaltet sich auf Fahrt aber schwierig, denn wie Jan-Georg schon eingeleitet hat „JedEr hat das Recht zu essen wonach einem gerade ist.“ Wenn man das so umsetzt, dann hat die Küche viel zu tun, denn es bekommt jeder jeden Tag seine Leibspeise.
    Bei der letzten Fahrt waren keine Vegetarier dabei, aber trotzdem gab es zwischendurch Leute, denen das ein oder andere nicht schmeckte. Hätten diese nicht das gleiche Recht wie Vegetarier bestimmte Nahrungsmittel abzulehnen, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen und dann ein für sie akzeptables Ausweichmenü zu bekommen?
    Ich unterscheide bei den Vegetariern zwischen denen, die es aus Mitleid sind und denen, die die Umwelt schützen wollen oder den Hunger der welt stillen.
    Wir domestizieren nicht nur Tiere, sondern auch Pflanzen. Wir sollten also genauso Mitleid mit den z.T. auf engstem Raum angebauten und danach getöteten Pflanzen haben.
    Der Hunger der Welt wäre viel einfacher zu stillen, wenn man das Mindesthaltbarkeitsdatum abschaffen würde… außerdem ist es nicht möglich auf allen Flächen wo erfolgreich Tiere gehalten werden für Menschen genießbare Nahrung herzustellen. Es ist also allenfalls nötig den Fleischkonsum zu drosseln.(Was bei manchen auch der Gesundheit gut tun würde…)

    Auf Fahrt sollte sich das Menü an den Essgewohnheiten der Mehrheit orientieren. Um auch den Leuten, die Abneigungen gegen manche Nahrungsmittel haben gerecht zu werden, muss man sich dann individuell Lösungen überlegen.

    Antwort
  4. Tom

     /  3. September 2014

    Thorsten, ich finde du übertreibst. Dein Problem ist ein übertriebenes Luxusproben. Du solltest dich freuen wenn eine Meinnungsverschiedenheit auftritt.

    Antwort

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