„Ja, Mama, ich lebe jetzt vegan.“

„Das kann doch nicht dein Ernst sein!?“ Auf dem Weg zu einer Ernährung im Einklang mit der Natur

Von Sina

(c) LV NDS_KfG SFT Immenhausen 2009

Auf diese Auseinandersetzung mit meiner Mutter habe ich mich lange vorbereitet. „Das kann doch nicht dein Ernst sein! Wir brauchen tierische Produkte, um zu überleben!“ – „Aber Mama, denk doch an deine Gesundheit! Zahlreiche Studien haben erwiesen, dass Milch und Fleisch Krankheiten wie Krebs, Knochenschwund und Arterienverstopfungen auslösen. Außerdem führen sie zu Herzinfarkten!“ – „Das kann gar nicht sein!“ -„ Doch, weil tierische Produkte besonders cholesterinhaltig und reich an gesättigten Fettsäuren sind! Unser Körper kann die Mengen, die wir heutzutage zu uns führen, nicht vollständig und gesund verwerten.“

Wie kann man nur irgendetwas essen,
das Augen hat!

(John Harvey Kellogg, Erfinder der Erdnussbutter und der Cornflakes, 1852 – 1943)

Nach den anfänglichen Ängsten vor Mangelerscheinungen legte sich der erste Schreck. Meine Mutter setzte sich mit dem Gedanken auseinander, dass sich unsere Ernährung ab jetzt grundlegend verändern würde. Die ersten Tage, Wochen und Monate waren für uns beide nicht einfach. Wir lernten, uns völlig neu zu ernähren. Dies bedeutete keinen Verzicht. Ich kann es nicht anders beschreiben: Es war die Entdeckung einer riesigen Bandbreite an Lebensmitteln, deren Existenz mir vorher nicht bewusst war.

Knapp ein Jahr leben meine Mutter, mein Freund Olli und ich vegan. Seitdem geht es jedem von uns besser. Wir fühlten, wie sich unsere Körper der pflanzlichen Ernährung angepasst haben, schon nach einem Monat sind unsere geistige und körperliche Leistungsfähigkeit gestiegen. Unsere Blutbilder haben sich nachweislich verbessert, wir haben hervorragende Eisen- und Cholesterinwerte. Ich kann sagen, dass wir heute öfter gut gelaunt sind, von unseren Mitmenschen als sehr energetisch wahrgenommen werden und sich unser Wohlbefinden enorm ins positive verändert hat.

Ich bin Leben, das leben will,
inmitten von Leben, das leben will.

(Albert Schweitzer, deutscher Arzt, Theologe, Musiker und Philosoph, 1875 – 1965)

(c) Oliver Tewes

(c) Oliver Tewes

 

Veganerinnen und Veganer müssen nicht mehr und nicht weniger auf eine gesunde, ausgewogene Ernährungsweise achten wie Omnivorinnen und Omnivore („Allesfresser“). Auf dem täglichen Speiseplan sollten Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen und Bohnen stehen, welche hervorragende Eiweißlieferanten sind. Die Eisenzufuhr wird durch Vollkornprodukte, Ölsamen, wie Kürbiskerne, Sesamkerne und Sonnenblumenkerne und Nüsse, Hülsenfrüchte, Trockenfrüchte sowie grünem Blattgemüse wie Spinat abgedeckt. Obst und Gemüse sind die wichtigsten Vitamin- und Mineralstofflieferanten. Ohne sie würde es bei allen Ernährungsweisen langfristig zu Mangelerscheinungen kommen.

Da war mein Interesse geweckt, da war meine Begeisterung für diesen neuen Lebensstil und da waren all die traurigen Geschichten über das Leiden der Tiere, die mir zeigten, dass es für mich nur diesen Weg gibt, wenn wir Menschen wieder im Einklang mit unserer Natur leben können. Klar, in unserer Nahrung ist Fleisch vorgesehen – in der Steinzeit – aber nur wenn die Männer erfolgreich jagten. Frauen haben Beeren, Pilze, Honig, Nüsse und Esskastanien gesammelt. Zudem haben Neandertaler ihre Ressourcen verwertet und nicht verschwendet. Heute geht Vati in den Supermarkt und sucht sich aus dem riesigen Angebot sein Fleisch aus.

 Wenn Schlachthäuser Glaswände hätten,
würden alle Menschen vegetarisch leben.

(Paul McCartney, britischer Ex-Beatle, *1942)

Man stelle sich vor – nein man versuche sich vorzustellen, dass in einem Mastbetrieb vier Hühner in einem Käfig auf einer Fläche von einem DIN-A4-Blatt leben. Leben?Und wenn mich diese Tatsache schon berührt, bekommt man von dem dort herrschenden Halbdunkel und den ohne Betäubung abgehackten Schnäbeln nur eine wortwörtliche Gänsehaut. Küken werden nach ihrem Geschlecht sortiert: Männliche Küken sind ein ungewünschtes Nebenprodukt, unprofitabel für die Legehennenzucht. Bei vollem Bewusstsein werden sie vergast oder geschreddert. Allein in Deutschland sterben auf diese Weise 45 Millionen Küken pro Jahr. Dabei liegt die natürliche Lebenserwartung von Hühnern bei 15 bis 20 Jahren liegt. Bei den jetzigen Zuständen überlebt ein Huhn keine 12 Monate. Was läuft da schief? Und wie lässt sich das vertreten? Weil Hühner in unserer Gesellschaft als Ware, und nicht als Lebewesen angesehen werden? Weil Hühner nicht fühlen können, und mittlerweile jedes zweite Lebensmittel aus Eiern besteht? Dabei belegen Wahrnehmungstests, dass Hühner genauso fühlen wie Katzen und Hunde.

Tierschutz ist kein Anlass zur Freude,
sondern eine Aufforderung, sich zu schämen,
dass wir ihn überhaupt brauchen.

(Erich Gräßer, deutscher Theologe und Politiker, *1927)

(c) Animal Equality

(c) Animal Equality

Grasgrüne Landschaften, zufrieden grasende Kühe, blökende Kälber, die an den Zitzen ihrer Mutter saugen, um sich die Kraft für den Tag zu holen… Vielleicht in der Milka-Werbung. Die traurige Wahrheit besteht darin, dass junge Kälber von ihren Muttern getrennt und ihr Leben lang mit genmanipuliertem Futter vollgestopft werden, damit die Kühe 10-mal mehr Milch bringen, als die Natur es vorgesehen hat. Eine gute Milchkuh liefert 10 bis 14 Jahre mindestens 10.000 Liter Milch im Jahr! Um diese Mengen Milch zu produzieren, ist die Kuh dauerhaft schwanger. Und junge Bullen werden nach 3 Monaten geschlachtet. Wir brauchen das Fleisch und ihr Laab – ein Enzymgemisch ihres Magens, das uns zur Gerinnung bei der Käseherstellung dient. Bei diesem Überangebot sind pflanzliche Alternativen im Verhältnis zu teuer. Verrückt – selbst der Käse ist nicht vegetarisch! Und ungesund ist er auch: Aufgrund des Milchkonsums übersäuert der Organismus und neutralisiert die Säure mit Calcium aus den Knochen. Diese schwinden, das Resultat ist Osteoporose.

Ganze Weltalter voll Liebe werden notwendig sein,
um den Tieren ihre Dienste und Verdienste an uns zu vergelten.

(Christian Morgenstern, deutscher Schriftsteller, 1871 – 1914)

Wie sieht es mit unserer Umwelt aus? Schlecht:

  • Die Nutztierindustrie verursacht fast 20 % mehr Emissionen als der weltweite Verkehr. Die klimawirksamen Stickoxide stammen zu 65% aus der Massentierhaltung. Diese haben ein 300-mal höheres Treibhauspotential als Kohlenstoffdioxid.
  • Der Regenwald am Amazonas wurde bereits zu 70 % für Weideflächen der Tiere gerodet oder niedergebrannt.
  • 70 % der Trinkwasser Ressourcen fließen in die Landwirtschaft. Eine omnivore Ernährungsweise verbraucht täglich 15.000 Liter, eine vegetarische 4.500 Liter und eine vegane nur 1.100 Liter.
  • Für 1 kg Fleisch werden 16 kg Getreide benötigt. Wenn die Bauern in Äthiopien dieses Getreide selber essen würden, könnte ein ganzes Dorf ernährt werden.
  • 925 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen. Das sind mehr Einwohner als in den USA, Kanada und Europa zusammen leben.
  • Alle 5 Sekunden stirbt ein Kind auf der Welt an einer Krankheit, die in Zusammenhang mit Hunger steht.

Ist dies alles ethisch vertretbar? Nein, unsere Moralvorstellung schließt das Recht des Stärkeren aus, die Schwachen auszubeuten, quälen und zu ermorden. Doch der Mensch vertritt genau diese Position und plötzlich ist es moralisch? Man erkenne den Zusammenhang: Tiere zu verzehren bedeutet den weltweiten Hunger zu unterstützen.

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.

Das hat bereits Mahatma Gandhi gesagt, und nach dieser Devise möchte ich mich richten. Ja, ich besitze Leder-Wanderschuhe, ein Lammfell, einen Daunenschlafsack. Gibt es dazu vernünftige Alternativen? Nein, die Materialforschung ist noch nicht soweit, vegane Wanderschuhe wurden noch nicht erfunden. Die einzige Alternative hat die Outdoor-Marke „Mountain-Equipment“ ins Leben gerufen, den „Down-Codex“. Dieser garantiert eine artgerechte Haltung, bei der die Gänse und Enten nicht zwangsgemästet und ihre Daunen von nicht bei Bewusstsein gerupft werden.

(c) Animal-Equality

(c) Animal-Equality

Nein, ich werfe meine Handtaschen aus Leder nicht weg und ersetze sie durch Kunstleder. Warum? Weil es nicht nachhaltig ist. Die Dinge, die ich vor meiner Entscheidung vegan zu leben schon besaß, brauche ich auf. Die Ressourcen, die bereits vorhanden sind, sprich Lederschuhe, Jacken, Taschen, Felle, Wolle usw. sollten verbraucht werden, bevor neue hergestellt werden müssen. Wenn diese unverzichtbar sind, kaufe ich sie mir in einem Second- Hand Shop. Somit gewährleiste ich, dass nicht weitere Tiere für Kleidung, Möbel und Accessoires den grausamen Tod sterben müssen.

Eine Pfadfinderregel lautet „Ich will die Natur kennenlernen und helfen sie zu erhalten.“Mein Fazit: Massentierhaltung und billige Güter aus Tieren machen krank und zerstören die Umwelt. Jeder einzelne von uns muss darauf achten, wann, wo und wie viele tierische Produkte gekauft und verzehrt werden müssen.

Quelle: Peta

 

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