Nebenjob Pfadfinder?

eurosVor- und Nachteile von Aufwandsentschädigungen für ehrenamtliche Engagierte für unsere Verbandskultur.

Von Thorsten


Die Marie hüpft nicht allein in die Börse, wir alle wissen es. Spätestens, wenn der Konsumwunsch die wohlmeinende Alimentierung durch Eltern und Verwandte übersteigt, dämmert es uns: wir müssen uns anders Geld beschaffen. Nach Abschluss der Schulbildung drängen zusätzlich existenzielle Fragen der Lebenshaltung auf uns ein. Jetzt geht es los. In den meisten Fällen ist dann ehrliche Arbeit angesagt. An diesem Punkt kommen sich der BdP und die Notwendigkeit Geld zu verdienen in die Quere, greifen doch beide auf diesselbe kostbare Ressource zu: unsere Zeit. Diese ist begrenzt, aber glücklicherweise können wir durch eine eigene Prioritätensetzung die Verteilung weitestgehend selbst bestimmen.

„Was haben diese Ausführungen mit mir zu tun?“ fragt sich der geneigte Leser hier natürlich zu Recht. Seit einiger Zeit wird in vielen Jugendverbänden die Idee diskutiert bzw. durchgeführt, die Engagierten in geringem Umfang für ihre aufgewendete Zeit zu entschädigen. Bevor jetzt die Empörung in einem gärt, hat es diese Idee verdient, zumindest eingehend beleuchtet zu werden. Wo sollte das besser möglich sein als bei uns, wo wir uns für sehr aufgeklärt und offen halten?

Verwässert eine Aufwandsentschädigung den Anspruch…

Tja, bei uns ist alles anders. Wir sind Pfadfinder aus Überzeugung, unser Engagement ist mehr als die aufgewendete Zeit, es ist eine Lebenseinstellung. Diese Ansicht zeigt sich in unseren Regeln, die wir nach der Gruppenstunde oder Fahrt nicht an der Garderobe im Heim abgeben, sondern die auch im Alltag Anwendung finden. Wir sind ein elitäres Grüppchen durch unsere Methoden und Ziele, die nicht alle mögen und teilen. An diesen Gedanken muss man sich erst mal gewöhnen. Wir machen unsere Arbeit, weil wir wollen, nicht zum Geldverdienen. Bringt man den Aspekt der Entschädigung mit hinein, verwässert dieser Anspruch. Überhaupt: Wenn Geld im Spiel ist, geht es erst richtig los. Arbeit muss messbar werden, denn dem Kapital muss auch ein Gegenwert gegenüber stehen. Dafür sind Qualitätsstandards nötig, die Einhaltung muss überwacht werden, wir schaffen eventuell einen großen Verwaltungsapparat. Ganz zu schweigen von möglichem Missbrauch der Leistungen.

oder ermöglicht sie mehr Leuten sich zu engagieren?

Springen wir mal auf die andere Seite. Es ist zum Glück gängige Praxis bei uns, die eigenen Auslagen erstattet zu bekommen. Allen voran sind in einem Flächenland die Fahrtkosten nicht zu unterschätzen. Warum soll man nun, mit welchem System auch immer, nicht unseren Verantwortung tragenden Mitgliedern hier unter die Arme greifen und den zeitlichen Aufwand honorieren? Unter Umständen ist es dann besser möglich, geeignete Leute für diverse Posten auf Landes- und Stammesebene zu rekrutieren. Die Vorstandssuche 2013 ist ein gelungenes Beispiel. Die Zielgruppe befindet sich genau in der oben beschriebenen Spannung zwischen Broterwerb und ehrenamtlichen Engagement. Was gibt es zu gewinnen? Im günstigsten Fall haben wir Zugriff auf einen größeren Pool an Engagierten, die Aufgaben lassen sich auch mehrere Schultern verteilen. Zurzeit ist zu beobachten, dass sich auffallend häufig die gleichen Personen in verantwortlicher Position finden. Dies hat aber nichts mit Arbeitsgeilheit zu tun, sondern liegt an zahlreichen vorhergegangenen Absagen. Dem möglichen Missbrauch kann man entgegenhalten, dass sich diejenigen, die für eine solche Entschädigung infrage kommen, ganz sicher unserer Sachen verschrieben haben und dort bei der Abrechnung Genauigkeit walten lassen. Schließlich ist das bei der derzeitigen Quartalsabrechnung auf Landesebene auch der Fall.

Erfahrungen sammeln in einem Pilotprojekt.

Unabhängig von unserer persönlichen Einstellung sollten wir die Möglichkeiten einer Aufwandsentschädigung im Sinne unserer Arbeit durchaus prüfen, aber ergebnisoffen, wie es so schön heißt. Auch müssen wir uns in dieser Diskussion von Gefühlsregungen wie Neid, Missgunst und dem häufig reflexartig vorgetragene „Nicht bei uns“ verabschieden und auf eine sachliche Ebene kommen. Klare Regeln dürfen dann das Ergebnis des kontroversen Austauschs sein. Ein Pilotprojekt kann hier wertvolle Erfahrungen generieren. Wichtig ist aber nicht aus den Augen zu verlieren, dass es sich immer nur um eine Entschädigung handeln kann, die die möglichen Verdienste in der freien Wirtschaft nicht gänzlich kompensieren wird.

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