„Erwachsen“ im BdP. Wie fühlt sich das an?

Mit zunehmener Reife und Verantwortung merkt man es: man wird immer erwachsener. Ob aber mit dem 25. Geburtstag tatsächlich das Prädikat „erwachsen“ erlangt ist, zeigt dieser Erfahrungsbericht
einer 25-Jährigen.

Von Ulrike
Ulrike_Meufüs im Einsatz

Das erste Mal „erwachsen“

In meiner Zeit bei den Pfadfindern gab es mehrere Momente, in denen ich mich auf einen Schlag ein Stück „erwachsener“ fühlte. Doch mein 25. Geburtstag hat nicht wirklich dazu gehört. Das erste Mal „erwachsener“ fühlte ich mich auf einem Sommerlager in Dänemark. Ich war sieben Jahre alt und bekam mein gelbes Halstuch verliehen. Der nächste wichtige Einschnitt folgte vier Jahre später mit der Aufnahme in die Pfadfinderstufe. Mit diesem Übergang hatte ich das Gefühl, als würde mir viel mehr zugetraut. Ich gehörte schon irgendwie zu den Großen, war somit fast erwachsen. Richtig erwachsen empfand ich mich dann, als ich mit 14 Jahren meine eigene Meute übernahm. Doch dieses Mal fühlte ich mich nicht nur erwachsener, ich wurde es auch. Plötzlich übernahm ich nicht nur Verantwortung für mich, sondern auch für andere. Das war manchmal unheimlich, machte mich aber meistens stolz. Warum sollte also mein 25. Geburtstag einen weiteren wichtigen Einschnitt in meinem Pfadfinderleben darstellen? Mit einem Schlag sollte ich erwachsen sein…?

Wenn das wahre Alter unwichtig ist

Die Pfadfinder waren für mich immer ein Ort, an dem niemand an wirkliches Alter hatte, also auch eigentlich niemand „erwachsener” war. Natürlich gibt es immer ein paar, die mehr Erfahrung haben, als man selber. Dies ist aber nicht immer am Alter festzumachen. In meinen Jahren als junge Gruppenleiterin hat man mich nur selten spüren lassen, dass ich jünger war als die anderen, sondern mich im Gegenteil eher unterstützt in dem, was ich machte. Denn was bedeutet „erwachsen sein“ eigentlich? Für mich gehört zum Erwachsensein Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Und tun wir das bei den Pfadfindern nicht schon seit früher Jugend? Seit meinen Anfängen als Meutenführerin bin ich mit den Wölflingen auf Lager gefahren und habe mit den Eltern der Kinder gesprochen. Natürlich stand immer jemand hinter mir, aber das hat sich auch bis heute nicht geändert. Bin ich also gar nicht erwachsener geworden? Oder war ich einfach schon damals erwachsen? Einen Unterschied zu früher, merke ich aber deutlich: Öfter als früher mache ich mir Sorgen um Dinge, die mich mit 14 oder 15 Jahren einfach nicht interessiert haben. Und manchmal geht mir dadurch der unbeschwerte Spaß verloren.

Zu alt fürs Pfadfinden?

Im Jahr 2009, also mit 22 Jahren, dachte ich, es wäre Zeit meine aktive Zeit bei den Pfadfindern hinter mir zu lassen und etwas Neues zu beginnen. Ich dachte damals: Ich möchte nicht so ein alter Knochen werden, der den anderen nur auf der Pelle hängt und nervt. Woher kam nur dieser Gedanke mit 22 zum alten Eisen gehören zu können? Bei den Pfadfindern haben wir teilweise bereits mit 13, 14 Jahren viel Verantwortung zu tragen. Wir tun dies oft für viele Jahre. Daher kann schnell das Gefühl aufkommen mit Anfang 20 alt zu sein, seine Energie und Motivation aufgebraucht zu haben. Man ist durch die vielen Erfahrungen und hinzugewonnenes Wissen gereift, ja in gewisser Weise erwachsen geworden. Auch heute noch denke ich, dass die Pfadfinderei einen entscheidenden und sehr positiven Anteil an meiner Entwicklung und meinem „Erwachsenwerden” hatte. Aber ich bin noch lange nicht fertig „erwachsen”. Die Pfadfinderei soll weiter zu meinem Leben gehören und mich beim Erwachsenwerden begleiten. Zum einen als Bereicherung und Anregung mich für Dinge außerhalb meines Studiums zu interessieren. Aber zum anderen auch, damit ich nicht zu erwachsen werde. Denn wie man immer wieder sieht: Pfadfinder sein hält jung.

Überall warten neue Aufgaben

Doch ab einem bestimmten Zeitpunkt müssen viele ihren Heimatort und damit in gewisser Weise ihren Stamm verlassen. Plötzlich ist man damit konfrontiert einen neuen Platz in der Pfadfinderei finden zu müssen. Der Stamm ist für die wöchentliche Arbeit zu weit, ihn ganz zu wechseln kommt für viele aber nicht in Frage. Auch der Weg in die Landesleitung, Kursteams, Arbeitskreises erscheint manchmal schwer, da dort scheinbar eingeschworene Gemeinschaften zusammenarbeiten. Dem ist jedoch nicht so. Ich habe eine völlig neue Aufgabe begonnen. Ich wäre niemals auf die Idee gekommen der LB Ausbildung werden zu können. Heute kann ich mir es gar nicht mehr anders vorstellen.

Als Erwachsener der Jugend Raum geben

Doch auch jetzt plagen mich die Gedanken, was danach kommen soll bzw. kann. Demnächst wartet das Arbeitsleben auf mich. Wird dieser neue Abschnitt immer noch mit der aktiven Pfadfinderei zu verbinden sein? Was wird passieren, wenn alle meine Freunde aufhören? Wann ist es Zeit den aktiven Bereich Jüngeren zu überlassen? Noch habe ich keine Antwort darauf gefunden. Nur eines ist für mich klar: 25 ist kein Alter, um seine aktive Zeit bei den Pfadfindern zu beenden und einer Altpfadfindergilde beizutreten. Man muss sich nur seiner Rolle bewusst sein. Der BdP soll meiner Meinung nach weiter auf junge Gruppenleiter setzen. Einige meiner schönsten Pfadfindererfahrungen konnte ich nur machen, da meine Gruppenleiter nicht immer alles durchdacht und hinterfragt, sondern einfach in einem „geschützen Raum” ausprobiert haben. Wir sollten also ruhig den jüngeren Gruppenleitern eine Chance geben ihre eigenen Ideen auszuprobieren und sie ernst zu nehmen, unterstützen und gleichzeitig unseren Platz als „Erwachsene“ finden.

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