Pfadfinden am Limit

80 km, 22 Stunden und zwölf Berge. Der Ironscout im Fichtelgebirge führt Pfadfinder aus ganz Deutschland an ihre absoluten körperlichen Grenzen – 8 BdPler aus Niedersachsen waren in diesem Jahr dabei.

Von Timo

Vor ein paar Jahren war ich schon einmal auf den Ironscout gestoßen. Damals hatte ich nur in meinem Stamm gefragt, ob jemand Lust habe. Als ich mit den Einzelheiten kam, war es für die meisten auch schon gegessen. Es kamen dann Sprüche wie: “Da mach ich mich doch kaputt“, oder „Freiwillig? Ich bin doch nicht irre“. Für mich war und ist aber genau das der Reiz. Den inneren Schweinehund zu überwinden, diese Sache tatsächlich durchzuziehen und an die eigenen Grenzen zu stoßen. Der Keim war gesetzt, damals immer mit der Bewunderung für die Pfadfinder, die diese Strapazen auf sich nahmen und natürlich durch den Anreiz, es selber auch zu schaffen. Leider verwarf ich den Gedanken wieder, weil mir die Leute für eine Gruppe fehlten. Das sollte sich aber schließlich 2012 ändern.
Das Thema kam mir in diesem Jahr irgendwie wieder in den Kopf. Ich war durch Zufall auf der Internetseite vom Ironscout gelandet. Unter dem Titel „Zwölf Höhepunkte in einer Nacht“ ging der DPSG Stamm Marktredwitz nun also auf die Jagd nach neuen Teilnehmern. 12 Höhepunkte, da um Marktredwitz zwölf Berge des Fichtelgebirges stehen. Mit weiteren 5 „toten“ Anlaufpunkten gab es insgesamt 17 Stationen. Aber mit wem wollte ich eigentlich laufen? Wer hätte überhaupt Lust, sich so einer Herausforderung zu stellen? Wer war überhaupt so irre? Ich stand fast wieder vor dem gleichen Problem wie damals, nur, dass sich doch das Internet und die Technik um einiges weiterentwickelt hatten. Somit beschloss ich, einfach alle Pfadfinder zu fragen, die ich bei Facebook zu meinen Freunden zähle. Schnell mal gepostet und ich war wirklich erstaunt, wie schnell sich Gleichgesinnte auf meinen Eintrag meldeten. Innerhalb von zwei Wochen war das Team voll und die Planung konnte beginnen. Zwar sprangen manche ab und andere kamen dazu, aber am Ende konnten wir punktgenau mit acht Personen starten. Meine Mitstreiter sollten folgende Personen sein: Hendrik, Henne, Jones, Michl, Niklas, Olli und Olli.

Trainingslauf zum Fischmarkt

Als nächstes erstellten wir eine Facebook-Gruppe und hatten eine Plattform, über die wir Tipps und Tricks austauschen und alle Absprachen treffen konnten. Hier stimmten wir auch über unseren Namen ab: Wir wollten mit dem Namen „Asynchroner Oktaeder“ an den Start gehen. Selbst Termine für gemeinsame Trainings wurden festgelegt, doch jeder von uns weiß, wie viele Termine Pfadfinder haben. Es kam also leider kein gemeinsames Training zustande. Dennoch musste ich mir vorher irgendwie Gedanken dazu machen, auf was ich mich da eingelassen hatte. Also doch eine Testwanderung nach Hamburg. Das Ganze sollte natürlich nachts stattfinden, damit es auch ähnlich den Umständen des Ironscouts ist. Gesagt getan, Samstagnacht ging es dann los. Von Buchholz nach Harburg, über die Harburger Berge. Bei aufgehender Sonne habe ich dann wirklich jeden Knochen und jeden Muskel gespürt. Mein Ziel war aber noch der Fischmarkt. Also ran an Speck und weitergelaufen, bis ich von meiner Familie völlig erschöpft nach 40 km am Hamburger Fischmarkt aufgegabelt wurde.

Nach dieser Wanderung hatte ich schon die schlimmsten Befürchtungen. Jeder Muskel und jedes Gelenk schmerzte und meine Müdigkeit war immens. Zum Glück hatte ich mir vorher meine Füße getapet. Nach 40 km hatte ich keine einzige Blase und das war an diesem Tag auch die einzige Vorfreude zum Ironscout. Nach ein paar Tagen zog ich ein Résumé aus dieser Erfahrung:

  • Nur mit getapeten Füßen auf Wanderung
  • Nur mit Trinkflaschenhalterung wandern
  • Nicht zu schnell starten
  • Doppelte Socken anziehen
  • Anliegende Unterwäsche tragen

Durch das Tapen und die doppelten Socken gab es keine Blasen, ein gebastelter Trinkflaschenhalter macht die Hände frei, ein geringeres Tempo beim Start erhöht die Ausdauer und man läuft sich bei enganliegender Unterwäsche keinen Wolf. Mit diesen Dingen konnten wir uns vorbereiten. Andere Informationen holten wir uns vom Orgateam des Ironscouts. Somit war klar, dass wir eine Karte bekommen, keinen Kompass benötigen, kein GPS benutzen dürfen und für alles andere gesorgt ist.

Der Tag rückte immer näher und zum Glück hatten sich alle für den Freitag freigenommen. So konnten wir dann Donnerstag anreisen und am Freitagmorgen unsere Jurte aufbauen. Das war auch das einzige, was wir noch so früh gemacht haben. Nach dem verregneten Aufbau waren wir alle froh in die Schlafsäcke zu kommen.

Zucker und Kohlenhydrate

Am nächsten Morgen, man glaubt es kaum, war der Himmel strahlend blau. Nach der Nacht kaum vorstellbar, aber Petrus war dann doch gnädig mit uns. Um eine nicht zu späte Startzeit zu bekommen, stand ich um kurz nach neun total verpennt in der Schlange, um den „Asynchronen Oktaeder“, die nördlichste Gruppe, anzumelden. Wir bekamen die Startzeit 15:20 Uhr, T-Shirts, Aufnäher und Armbänder und waren nun offizielle Ironscouts. Erstaunlicherweise waren wir die einzige BdP-Gruppe. Außer einer Gruppe vom VCP kamen alle anderen 105 Gruppen von der DPSG.

Nach einem Frühstück mit frischem Kaffee und Leberkässemmeln versorgten wir uns Proviant und nahmen mit Nudeln und Hackfleischsoße noch ein energiereiches Mittagessen zu uns. Den Vorrat an Müsliriegeln, Wasser und Süßigkeiten mussten wir aber leider in Rucksäcken tragen, damit wir uns auch unterwegs mit genug Zucker und Kohlenhydraten versorgen konnten. Am Start wurde die Spannung dann noch einmal mehr in die Länge gezogen. Wir mussten warten, da es vor uns einen kleinen Stau gegeben hatte. Organisationsprobleme, hieß es, aber bei ca. 800 Teilnehmern ist das auch nicht unbedingt verwunderlich. Bei der Anmeldung bekamen wir dann zwei Karten á DIN A3 und einen Stift. Na, was braucht man auch mehr?

Unser Start verzögerte sich dann bis 15:35 Uhr und Spannung lag fühlbar in der Luft. Wir wollten nur noch auf die Straße, damit wir endlich Aufgaben lösen konnten. Einfach nur los!

Nach kurzer Einzeichnung des ersten Punktes in Rodenzenreuth machten wir uns dann auf den Weg. Noch ganz locker und unbeschwert liefen die jungen Kerle voraus und das Alter machte das Schlusslicht. Michl war der Navigator und gab den Kurs an. Alle waren gut drauf und noch wusste keiner so richtig, auf was er sich hier eingelassen hatte.

Wie gut sind wir?

Sorgenlos und mit freiem Kopf kamen wir dann bei der ersten Station an. Die Aufgabe waren Socken aufhängen, Gedächtnistraining, ein Dialekträtsel und Nägel kloppen. Kurz beraten und aufgeteilt machten wir die Station mit dem Kommentar der Stationsbetreuer in Bestzeit. Gut, dass nach uns noch 100 andere Gruppen hier herkommen würden.

Wir dachten also nicht wirklich an einen guten Start, sondern gingen die ganze Sache eher locker an. Wir bekamen wieder die nächste Station eingezeichnet und damit nicht so viel Zeit verschenkt wurde, ging es gleich weiter.

Der nächste Punkt war ein Toter Posten. Hier gab es niemanden, der uns Aufgaben stellte, sondern nur eine Art Locher, mit dem wir ein Symbol in unser Heft stanzen konnten. Also hieß es hier nur Strecke machen und ein Loch ins Heft drücken. An der nächsten Station wurden wir auf Geruchs-, Geschmacks- und Tastsinn geprüft. Wer mochte es ahnen, auch hier alles richtig und somit lagen wir immer noch auf dem Bestkurs.

Nach dieser Aufgabe standen bereits zwei Gruppen hinter uns. Waren wir wirklich so langsam, oder könnten wir es doch unter die ersten 50 Gruppen schaffen? Uns kamen erste Zweifel, doch ließen wir uns davon nicht beeindrucken und setzten unseren Weg fort.

Wir konnten nun von der vorliegenden Stationskarte alle weiteren Stationen übernehmen. Das half uns, die Strecke zu planen und zu koordinieren. Was wäre also als nächstes für eine Station dran? Zur Auswahl standen nur zwei Richtungen. Wir entschlossen uns, direkt nördlich auf einen Berg zu steigen, auf dem sich eine Station befand. Lieber zu Anfang der Wanderung einen steilen Berg rauf, als nach 15 Stunden Wanderung. Auf dem Weg zum Bergmassiv Kösseine trafen wir schon einige Gruppen, die sich für den Weg gegen den Urzeigersinn entschieden hatten. Na, ob das so eine gute Idee war?

Nachts auf den Berg

Langsam wurde es dunkel und alle holten ihre Taschenlampen raus. Taschenlampen waren eine Voraussetzung des Veranstalters, genauso wie zwei Warnwesten pro Gruppe, um die Sicherheit während der Nacht zu gewährleisten. Der erste Anstieg des Tages also unter Taschenlampenbeleuchtung. Teilweise konnten wir das Licht auf Waldwegen ausmachen, da wir Vollmond hatten. Ab und zu gab es dann mal wieder einen Blick mit der Lampe auf die Karte und schon wussten wir wieder, wo wir waren und wo wir hinwollten.

Eine der besten Entscheidungen war es, den ersten Berg direkt am Anfang der Wanderung zu bezwingen. Der Berg hatte es nämlich in sich. Das Kösseine Bergmassiv ist in der Region der höchste Punkt und führte uns in kürzester Strecke auf 939 Meter Höhe.

Oben angekommen, trauten wir unseren Augen kaum. Hier wurde mit Elektronik, Speisen und Getränken um die Gunst der Läufergruppen gebuhlt. Denn auch die Stationsbetreiber trugen einen Wettkampf aus. Jede Station konnte mit Punkten bewertet werden. Freundlichkeit, Spielidee, Ambiente und mehr. An dieser Station wurde ein Atomunfall simuliert. Unter Schwarzlicht mussten wir Werkzeuge in einem benebelten Raum finden. Das sollte der Reaktor sein. Olli und Olli bewältigten auch diese Station in Bestzeit, während wir anderen das Spektakel über Kameras mitverfolgen konnten. So viele Elektronikutensilien sind wir im BdP gar nicht gewohnt, wenn es um vergleichbare Situationen geht. Hier wird nicht auf Enthaltsamkeit gesetzt, sondern eher auf Unterhaltsamkeit für die Läufergruppen. Ich war da so gar nicht drauf vorbereitet und konnte mir nicht wirklich vorstellen, wie die anderen Stationen werden sollten. Nach Brühe, Reis, Kaffee, Tee, Wasser und Süßigkeiten und einem wärmenden Feuer ging es weiter bergab in Richtung Luisenburg. Nach dieser Portion Energie fragte ich mich, warum ich die ganze Tasche voller Müsliriegel hatte. Der Weg zog sich ein wenig, aber wir waren ja noch recht frisch. Schlimmer sollte es erst später werden.

Im Gespräch vertieft liefen wir erst einmal an der nächsten Station vorbei, hörten dann aber die Stimmen. Die Stationsgruppe überzeugte aber nicht nur mit einer Jurte, sondern auch mit viel Kreativität. Hier ging es um einen Schlüssel, den wir erobern sollten. Erst in einem Bad voller Bälle mit verbundenen Augen ein Quitscheentchen finden, dann Schnick, Schnack, Schnuck gegen einen Ritter gewinnen, um schließlich ein Lanzenduell gegen Luftballons und Wunderkerzen bestehen. Nach kurzer Absprache mit dem ganzen Team beschlossen wir, dass diese Station 100 Punkte verdient hatte. Vielleicht lag es auch ein wenig daran, dass diese Station nur von Frauen besetzt war.

Weiter ging es zur 6. Station. Bis jetzt lief alles wie am Schnürchen. In Wunsiedl war dann die nächste Herausforderung. Mittelalterliches Spektakulum. Erst Steine schleppen, dann Schaum küsse aus einem Katapult fangen, um danach Michl am Pranger damit zu dekorieren und auch an dieser Station gab es wieder reichhaltig zu essen und zu trinken. Verhungern oder Verdursten konnten wir unterwegs auf jeden Fall nicht. Wir schätzten unsere abgelaufenen Kilometer auf ca. 25 und machten uns nach einer weiteren Pause wieder auf.

40 km, Top Stimmung

Glücklicherweise fiel jemandem auf, dass wir eine Station vergessen hatten. Spätestens jetzt dachte ich nicht mehr wirklich an einen guten Platz und tatsächlich mussten wir einen Umweg von 3 Kilometern laufen.
Ein Stromgenerator ließ erahnen, wo wir hingehen mussten. Laut knatternd und etwas nervend untermalte der Generator die Erklärung zum Spiel. Ein LKW-Gummireifen mit einer Person darin, wird durch einen Parcours gerollt. Währenddessen muss das Team Fragen zu Pfadfindern beantworten. Leider waren auch einige DPSG-Fragen dabei, die wir natürlich nicht wirklich beantworten konnten. Egal, auch hier wieder Bestzeit. Auf den 10 km zur nächsten Station hatten wir wenigstens die Möglichkeit, eine gute Tat zu tun und haben einen Betrunkenen nach Hause gebracht. Alleine wäre der wahrscheinlich nie mehr angekommen.

Mittlerweile hatten wir bestimmt auch die 40 km Marke geknackt und ich verspürte nicht die gleiche Erschöpfung wie damals auf der Testwanderung. Ich glaube, dass so eine Gruppendynamik ganz viel beeinflussen kann. Die Stimmung war jedenfalls hervorragend.

Die 8. Station war leider etwas einfallslos und ernüchternd. Es gab zwar auch hier wieder etwas zu essen, doch war das Spiel eine reine Abschreiberei von Plakaten. Es ging um die Geschichte und Projekte von Amnesty International. Auf eine stumpfe Beantwortung der Fragen waren wir gar nicht vorbereitet und dementsprechend auch nicht wirklich motiviert. Wahrscheinlich haben wir deswegen auch nur 70 Punkte bekommen. Ein wenig gefrustet waren wir schon, aber sind dann doch weitergetrottet, um andere Stationen zu erleben.

Motivation auf dem Grad von Antreiben und Sticheln

Trotten war schon richtig gesagt, weil viele in diesem Augenblick einen absoluten Tiefpunkt hatten. Wir waren nach über 50 km nun etwa zwei Drittel des Weges gelaufen und da gibt man nicht auf, sondern motiviert sich gegenseitig in der Gruppe. Bei uns acht verlief diese Motivation auf dem Grad zwischen Antreiben und Sticheleien. Vielleicht nicht besonders nett, aber es half.
Aus der klaren Nacht wurde auf einmal extremer Nebel. Alle Klamotten wurden nass und bestes Wetter war was anderes. Kälte kam auch noch dazu und somit gelangten wir durchnässt und frierend zur nächsten Station. Unsere Füße waren schon mehr als rund und nun gab es auch noch eine Aktion mit Laufen. Eine Person sollte einen Holzklotz mit der Schubkarre eine Strecke transportieren, um danach den gleichen Holzklotz, in vier Scheiten gehackt, an einem Endpunkt abzulegen. Leider auch hier keine Bestzeit. Was war denn auf einmal los? Alle hingen in den Seilen und keiner wollte irgendwie von diesem schönen warmen Feuer weg. Wer spätestens hier den Tiefpunkt noch nicht bemerkt hatte, wurde nun am Feuer eiskalt erwischt. So ein netter Stuhl am Feuer ist natürlich schon bequemer, als sich wieder zur nächsten Station aufzumachen. Dem einen oder anderen fielen sogar schon die Augen zu. Ich musste auch wirklich mit mir kämpfen, um nicht total einzubrechen. Also Zähne zusammenbeißen und auf den Weg! Es ist ja gar nicht mehr weit und das Ziel ist nah. War natürlich Quatsch, denn es warteten noch bestimmt 25 km auf uns.

Hüfte, Knie, Füße, Rücken. Schmerzen.

Der eine beschwerte sich über seine Hüfte, der nächste über seine Knie und wiederum ein anderer über seine Füße oder den Rücken. Da 80 km kein Pappenstiel sind war es klar, dass wir mit Ausfallproblemen rechnen mussten. Spätestens nach der nächsten Station sollten wir es dann doch tatsächlich mitbekommen.

An besagter Station war eigentlich nicht wirklich etwas Spektakuläres. Wir durften einen kleinen Parcours mit einem Ei in einem Löffel zurücklegen. Niklas absolvierte das Spiel, während ein anderes Gruppenmitglied auf einer Matratze eingeschlafen war. Beim Bergabgehen waren dann starke Knieschmerzen beim nächsten das Problem. Das war natürlich sehr ärgerlich, da wir nun vor der Besteigung des Kohlbergs standen. Eine taktische Entscheidung musste her und wir entschlossen uns, den Kohlberg nicht zu besteigen. Damit haben wir einen ziemlich großen Umweg gespart und liefen direkt zur nächsten Station in Brand. Bevor wir aber dort ankamen, wollten wir noch über einen Fluss, der es uns nicht einfach machte. Die Brücke, die eingezeichnet war, stand nicht mehr und nun konnten wir uns eine Alternative suchen. Wir fanden dann eine alte, zerfallene Holzbrücke, die nicht auf der Karte eingezeichnet war. Diese Suche forderte bei manchen dann nasse Füße, weil wir über Wiesen gelaufen sind, die vom Tau bedenkt waren. Nach dem einen Tiefpunkt kam spätestens nun der zweite hinzu. Wir quälten uns regelrecht nach Brand.

Dort wurde dann aber richtig aufgefahren. Nach der Vorlage von Jurassic Park wurde hier eine Nachbildung der Anlage gebaut. In einer Jurtenkonstruktion sprudelte Wasser von einem kleinen Berg, man ging durch einen „Urwald“ und Flugsaurier flogen ins Zelt. Das ganze wurde durch Sound- und Lichteffekte abgerundet. Aufgabe war es dann, eine Raptorfalle nachzubauen Natürlich kein Problem für den Asynchronen Oktaeder! Seit langem gab es hier auch wieder etwas echt Leckeres zu essen. Ich habe selten so gute Bratkartoffeln gegessen, die frisch für uns gebrutzelt wurden. Ein echter Höhepunkt!

Eine wichtige Entscheidung

Spätestens nach dieser Station musste eine Entscheidung her. Mit den Knieproblemen konnte ein Gruppenmitglied einfach nicht weiter. Die Person schlug selbst vor, sich alleine auf den Rückweg zu machen. Für eine Abholung hätten wir den Notfallumschlag aufmachen und damit einen Punkteverlust hinnehmen müssen. Weiter ging es mit dem Ansporn noch weitere Punkte zu erkämpfen und vor allem für unser ausgestiegenes Gruppenmitglied zu laufen.
Mit den ersten Sonnenstrahlen, die der Tag gesehen hatte, tauchten wir langsam aus dem Nebel auf. Ich wusste gar nicht, was auf einmal mit der Gruppe los war. Wie durch Sonnenenergie beflügelt rannten wir fast durch das Fichtelgebirge, jeder mit einem anderen schmerzverzerrten Gesicht.

Jetzt war eigentlich nur Durchhaltevermögen angesagt. Wir hatten noch drei Totpunkte und eine belebte Station vor uns. Die ganze Gruppe merkte, dass es langsam Richtung Ziel ging. Nach 18 Stunden Wanderung legten wir wie von der Tarantel gestochen einen unglaublichen Marsch hin. Ich hätte mir nie erträumt, dass wir das in dem Tempo durchhalten. Die Motivation bald ins Ziel zu kommen, war dann doch so groß, dass sich jeder noch einmal selber ordentlich in den Hintern getreten hat. Die drei Totpunkte absolvierten wir in Rekordgeschwindigkeit und machten uns von Kalvarienberg nach Pechbrunn, wo die letzte Station auf uns wartete. Die Zeit würde auf jeden Fall knapp werden und so hatten wir nicht nur die Motivation, überhaupt ins Ziel zu kommen, sondern auch, es in den vorgegebenen 22 Stunden zu schaffen. Uns blieben jetzt nur noch 3 Stunden übrig. Die restlichen anderen Punkte anzulaufen, wären utopisch gewesen und deshalb blieb uns noch diese letzte Station, um Punkte zu ergattern. Die Aufgabe war eine Berechnung der Geschwindigkeit auf Hoher See und eine Seenotrettung auf dem Wasser. Top-Leistung von unserer Gruppe und kein Ausruhen, denn wir mussten weiter.

Endspurt

Es verblieben nun nur noch 2 Stunden, um zurück nach Marktredwitz zu kommen. Für eine Gruppe, die wir an der letzten Station getroffen haben, unschaffbar. Das meinten sie auf jeden Fall, als es auch für sie auf den Heimweg ging. Na, das wollten wir doch mal sehen.
Zur Motivation, endlich das Ziel zu erreichen und dem Zeitdruck kam nun noch Ehrgeiz. Wir nahmen wirklich die Beine in die Hand. Alle wollten nur wieder ins Ziel kommen und mancher war an seiner physischen sowie an seiner psychischen Belastungsgrenze angekommen. Ab diesem Zeitpunkt kämpften wir wirklich. Nicht gegen jemanden, sondern gegen unseren eigenen Schweinehund. Warum nicht einfach stehenbleiben und ausruhen? Sich die Zeit nehmen, um der Erschöpfung nachzugeben? Keiner von uns wollte aufgeben, keiner wollte schlappmachen. Wir wollten den Erfolg, ins Ziel zu kommen. Völlig erschlagen von der Verausgabung, die wir die letzten 22 Stunden über uns ergehen lassen hatten, einfach nur den Ironscout bezwingen!

Wir schafften es! Genau in 21 Stunden und 55 Minuten kamen wir zu acht in Marktredwitz am Ziel an, denn unser Kniekranker hatte es doch tatsächlich auch bis zu dieser Zeit geschafft, wieder zum Ziel zu kommen.

Wir lagen einfach nur noch platt vor dem Ziel und waren fertig. Für den Tag auf jeden Fall. Nach einem kleinen Nickerchen in unserem Zelt ging es nach einer Dusche dann zum Essen. Es gab leckere Nudeln mit verschiedenen Saucen, Salat und Obst. In Anbetracht dessen, dass dort eine Gruppe für 800 Menschen gekocht hatte, schmeckte das Essen super. Ich hätte natürlich lieber ein halbes Schwein verschlungen, aber man kann nicht alles haben. Was wir aber alle durchweg hatten, waren Schmerzen im ganzen Körper. Nun wussten wir, warum wir diese Strapazen auf uns genommen hatten.

Die Siegerehrung

Es zog sich noch sehr lange hin, bis dann endlich die Siegerehrung losging. Erst wurden die Stationsgruppen und dann endlich die Läufergruppen aufgerufen. Da wir alle gar keine Idee hatten, in welcher Ecke wir uns platztechnisch aufhielten, feierten wir jeden Platz, der nicht unseren Namen trug. Als wir uns den 20er Plätzen nährten zweifelten wir schon daran, ob wir überhaupt in der Wertung waren, oder vielleicht disqualifiziert wurden. Das Schauspiel ging weiter runter auf den 10. Platz. Vom Asynchronen Oktaeder keine Spur. Es wurde vorher schon gemunkelt, dass wir Anwärter der Top 5 wären. Es ging tatsächlich unter die Top 5 und als beim 4. Platz unser Name genannt wurde, freuten wir uns wie kleine Kinder. Mit dieser Platzierung konnten wir uns sehen lassen und humpelten eher mit einem Lachen und Grinsen auf dem Gesicht in Richtung Jurte.

Am nächsten Morgen dann noch eine Überraschung: Beim ersten Platz wurde ein Rechenfehler zu spät bemerkt und fiel erst nach der Preisverleihung auf. Somit sind wir von Platz 4 auf das Treppchen gerutscht. Darf ich vorstellen: Der „Asynchrone Oktaeder“ hat erfolgreich den 3. Platz beim Ironscout für den BdP LV Niedersachsen gewonnen.

Für mich persönlich war es das Richtige, beim Ironscout mitzumachen. Diese Erfahrung möchte ich nicht missen, denn sie hat mir meine Grenzen noch eindeutiger gezeigt. Ich rate jedem, der Interesse hat, sich einfach anzumelden, mitzuwandern um Spaß zu haben. Nicht jede Gruppe war auf einen Sieg aus, sondern hatte einfach nur Spaß an der Sache. Der „Asynchrone Oktaeder“ hat sich schon auf der Fahrt in den Norden für nächstes Jahr zurechtgesponnen und wartet auf Herausforderungen aus den eigenen Reihen für den Ironscout 2013. Dieses Jahr konnten wir leider nur mit 75 km in 21 Stunden und 55 Minuten abschließen, aber nun wissen wir, was uns im nächsten Jahr erwartet.

Sind sie zu stark, bist Du zu schwach!

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Ein Kommentar

  1. Habicht

     /  23. November 2012

    Klasse Leistung, da möchte man nächstes Mal gleich mitmachen.
    Aber eine dumme Frage soll erlaubt sein: Kann es sein, dass auf dem Foto der Abstand Wimpel-Boden etwas knapp gewählt worden ist…? 😉

    Antwort

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