Mit offenen Augen und einem guten Gefühl

Gewalt an und Misshandlung von Kindern und Jugendlichen sind ein unangenehmes Thema. Dennoch haben wir als Pfadfinderinnen und Pfadfinder sowohl die moralische, als auch die juristische Pflicht bei Verdachtsfällen nicht die Augen zu verschließen. Wie man dabei am besten vorgeht, erfahrt ihr hier und beim AK Dranbleiben.

Von Annabelle und Lisa

Die Septembersonne strahlt durch das große Fenster. Draußen rauschen Busse vorbei. Kaffee und Kekse stehen auf den Tischen und ich blicke in nachdenkliche Gesichter. Es ist Samstag, der 8. September und wir befinden uns in der Volkshochschule Oldenburg, um an einem Seminar zum Thema Kindeswohlgefährdung teilzunehmen. Die Referentin vom Kinderschutzzentrum Oldenburg klärt uns zunächst über rechtliche Hintergründe auf und führt uns dabei eindrücklich vor Augen, wie bedeutsam das Thema für uns alle ist.

„Was genau passiert Kindern, die seelisch misshandelt werden? Woran könnte ich das möglicherweise erkennen?“

Eine Kindeswohlgefährdung liegt nach einer Definition des Bundegerichtshofs vor, wenn eine gegenwärtige (oder unmittelbar bevorstehende) Gefahr für die Kindesentwicklung abzusehen ist. Diese Gefahr besteht dann, wenn eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen und seelischen Wohls des Kindes mit ziemlicher Sicherheit vorauszusehen ist. Konkret kann das bedeuten:

  • Körperliche Misshandlung
  • Seelische Gewalt
  • Vernachlässigung
  • Sexueller Missbrauch

So detailliert über Demütigungen und Gewalt an Kindern zu sprechen, war für einige von uns neu und sicher für alle ein harter Brocken. Gerade aus diesem Grund aber ist die stetige Auseinandersetzung mit und Sensibilisierung für das Thema Kindeswohlgefährdung so wichtig. Der intuitive Gedanke „Das darf nicht sein, das kann auch nicht sein“ ist verständlich, da er uns selbst vor der Auseinandersetzung mit schwierigen Situationen schützt. Jedoch tragen wir Verantwortung gegenüber unseren Gruppen- und Stammesmitgliedern.

Wir tragen eine ethische, aber auch eine rechtlich basierte Verantwortung.

Die hier angesprochene Verantwortung hat nicht nur eine ethische, sondern auch eine rechtliche Basis. Das Sozialgesetzbuch (SGB VIII) ist die Grundlage für die Kinder- und Jugendhilfe. Da der BdP als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt ist, gelten seine Bestimmungen für uns.
Im Jahr 2005 wurde in das SGB VIII der § 8a eingeführt, der einen Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung festlegt und Handlungsrichtlinien bestimmt, wenn eine Kindeswohlgefährdung vorliegt.

Doch was bedeutet das für uns? Zunächst einmal, dass von uns verlangt wird eine Kindeswohlgefährdung zu erkennen. Jetzt kann man sich überlegen: „In unserer Landesgeschäftsstelle arbeiten ja zwei BildungsreferentenInnen, die in solchen pädagogischen Fragen ausgebildet und erfahren sind“. Doch wann sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon mal im direkten Kontakt mit unseren Wölflingen und Sipplingen? Das ist eher selten der Fall. Unsere Gruppenleitungen sind es, die unsere Kinder und Jugendlichen jede Woche sehen.

Doch jede und jeder von uns kann etwas tun?

Nicht die Augen verschließen. Bild (c) Willi Schewski, pixelio.de

Doch können wir ihnen eine solche Verantwortung überhaupt zumuten? Der Gesetzgeber tut dies. Wichtig ist es nun, dass sich niemand mit dieser Verantwortung alleine gelassen fühlt. Es ist selbstverständlich, dass man als jugendliche/r, ehrenamtliche/r GruppenleiterIn nicht ExpertIn auf diesem Gebiet sein kann, zumal eine Kindeswohlgefährdung zu erkennen, auch mit einer spezifischen Ausbildung, nicht immer einfach ist. Wir dürfen nicht die Augen verschließen vor den Erfahrungen, die die Kinder und Jugendlichen in ihren Familien und in ihrem sonstigen Umfeld machen, egal ob diese problematisch sind oder auf uns harmonisch wirken. Stattdessen müssen wir aufmerksam sein, um auch wahrzunehmen, wenn es den Menschen um uns nicht gut geht, sie veränderte, auffällige Verhaltensweisen, Angst oder Verletzungen zeigen. Selbstverständlich bedeutet das nicht, hinter dem einmalig unüblichen Verhalten eines Kindes sexualisierte Gewalt als Ursache zu vermuten. Wir sollten aber wachsam sein und dem eigenen Gefühl vertrauen. Im Falle einer Vermutung, und sei sie noch so vage, sollten wir uns mit vertrauten Personen oder Vertrauenspersonen des Verbandes (AK Dranbleiben) austauschen und uns Unterstützung suchen.

Wir arbeiten im BdP schon seit einigen Jahren zu dem Thema Prävention von sexualisierter Gewalt. Hilfe und Unterstützung, egal ob ganz allgemein zum Thema oder im konkreten Fall, bekommt ihr in unserer Landesgeschäftsstelle und beim Arbeitskreis Dranbleiben des Landesverbands Niedersachsen.

Am Nachmittag, als die Sonne tiefer steht und die letzten Kekse herumgereicht werden, sehe ich in den Gesichtern vor allem dies: das Gefühl, dass hier im Landesverband schon viel wichtige Arbeit geleistet wird und zugleich den Drang, diese immer weiter zu verbessern und zu verbreiten.

Die Landesgeschäftsstelle für Jugendschutz Niedersachsen hat dazu folgende „zehn goldene Regeln“ formuliert:

  1. Ruhe bewahren! Bitte keine überstürzten Aktionen! Das ist nicht einfach, aber absolut nötig.
  2. Hole Dir Rat von Fachleuten in den Beratungsstellen! Beratungsstellen vor Ort können bei dem zuständigen Jugendamt (oder auch in der LGS) erfragt werden.
  3. Glaube dem Kind, wenn es Dir von Gewalt erzählt. Versichere ihm, dass es keine Schuld an dem Geschehen hat. Signalisiere, dass es über das Erlebte sprechen darf, aber dränge nicht und frage es nicht aus. Versuche einfach nur zuzuhören und Anteilnahme zu zeigen.
  4. Sage nicht „Ist ja nicht so schlimm“ oder „Vielleicht hat er es ja nicht so gemeint“, sondern nimm es ernst und höre zu, auch wenn Dich persönlich eine solche Bemerkung nicht verletzt hätte. Kinder und Jugendliche, die sich jemandem anvertrauen, erzählen häufig zunächst nur einen kleinen Teil dessen, was ihnen geschehen ist.
  5. Mache nur Angebote, die erfüllbar sind. Mache keine Zusagen, die Du nicht einhalten kannst (z.B. niemandem von dem Vorfall zu erzählen).
  6. Unternimm nichts über den Kopf der Betroffenen hinweg, sondern beziehe sie altersangemessen in die Entscheidungen mit ein.
  7. Stelle sicher, dass das betroffene Kind bzw. der oder die Jugendliche sich durch die Folgemaßnahmen nicht ausgegrenzt oder bestraft fühlt.
  8. Keine voreilige Information bzw. Konfrontation des Täters/der Täterin. Bitte wende Dich an eine Fachstelle! Es besteht die Gefahr, dass der/die Betroffene vom Täter zusätzlich unter Druck gesetzt wird.
  9. Behandle das, was Dir erzählt wurde, vertraulich. Aber teile dem/der Betroffenen mit, dass Du Dir selbst Hilfe und Unterstützung holen wirst.
  10. Protokolliere nach dem Gespräch Aussagen und Situation.

Quelle: www.praetect.de

Arbeitskreis Dranbleiben – Prävention von sexualisierte Gewalt im Landesverband Niedersachsen

Wir wollen:

  • Euch das Thema näher bringen.
  • Zu einem offenen Klima beitragen.
  • AnsprechpartnerIn sein.
  • Workshops und Einheiten bei Stämmen und auf Kursen anbieten.
  • Bei Bedarf an Beratungsstellen weitervermitteln.

Wir sind:

Annabelle (Ikarus), Amke (Germanen), Fred (Weiße Rose), Jan (Hasko), Lena (Birkhahn), Nina (Wikinger), Sina (Ordensritter)

Das ist uns wichtig:

  • Vertraulichkeit
  • Wir sind ansprechbar
  • Wir vermitteln weiter

Dranbleiben@nds.pfadfinden.de
annabelle.schroeter@nds.pfadfinden.de
amke.heyen@pfadfinden.de
frederik.boog@nds.pfadfinden.de
lena.wienbeuker@nds.pfadfinden.de
nina.krueger@nds.pfadfinden.de
sina.schuetze@nds.pfadfinden.de

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