Niemand will Bierreklame

Ein Interview mit Timo Barfknecht, Schatzmeister des Bundeslagers Weitwinkel 2013

Immenhausen, im September. Es ist etwas später geworden und wir sitzen auf der Schlafebene eines Sippenhauses. Gerade erst sind die Kettensägen des Technikteams verstummt, am Rand der Zeltwiese steht dafür inzwischen ein beachtlicher Unterstand für Stangenholz. Das Bula macht schon jetzt ganz sichtbar große Schritte vorwärts.

Das folgende Interview, das auch im laru zwei zweitausendzwölf erschienen ist, ist hier leicht gekürzt. Ihr könnt Euch aber hier das komplette Interview als Aufnahme anhören oder gleich für den mp3-Player herunterladen.

Laru: Timo, Wie läuft es denn beim Bundeslager?

Timo: Ich glaube wir sind ziemlich weit. Wir machen alle zwei Wochen Telefonkonferenzen mit der Lagerleitung und berichten uns was ansteht. Aktuell melden sich ganz viele Leute bei uns, die mitarbeiten wollen. Das finde ich total schön – dass es einfach überall ein Interesse am Bundeslager gibt und dass wir bisher noch nicht auf großen Widerstand gestoßen sind, sondern eher auf Unterstützung.

Also hast du das Gefühl, ihr seid im Zeitplan?

Es gibt natürlich Bereiche, wo man sich wünscht, dass wir schon weiter wären. Wir würden z.B. jetzt schon gerne mehr mit Stämmen kommunizieren und schon eine richtig gute Webseite online haben, das haben wir noch nicht geschafft. Und wir haben noch ein paar Bereichsleitungen, die noch offen sind, z.B. der Bereich Logistik.

Was sind denn die nächsten Meilensteine?

Wir bereiten gerade ganz intensiv unser Treffen Ende September vor, an dem wir ganz konkret die Landesverbände mit ins Boot holen, mit den Unterlagerleitungen und Programmleitungen sprechen und das Bundeslager richtig mit Leben füllen.

Wie wird man eigentlich Bundeslager-Schatzmeister?

Rein formal wird man das durch eine Berufung des Bundesvorstandes. Ich war auf dem letzten Bundeslager in der Unterlagerleitung und mit ganz vielen Prozessen im Bundeslager unglücklich und wollte es einfach besser machen. Dann haben wir uns ein cooles Team gesucht und gesagt, wir machen das! Und jetzt sind da Leute, mit denen ich das Bundeslager einfach gerne gestalten möchte.

Und wie kommst du speziell an den Schatzmeister-Posten?

Ich habe beruflich unter anderem mit der Verwaltung von Geld zu tun und bin schon sehr lange Schatzmeister im Landesverband Schleswig- Holstein Hamburg. Aber was ich immer finde: Als Schatzmeister ist man nicht Buchhalter, sondern entwickelt Inhalte und Konzepte mit und schaut dann, wie man sie finanzieren kann und versucht, Geld mit Inhalten in Verbindung zu bringen. Das finde ich besonders spannend.

Was gehört zu Deinen Aufgaben?

Die Bundeslagerleitung besteht aus vier Leuten – Philipp als Lagerleiter, Axel und Quizto als Stellvertreter und mir für die Finanzen. Wir sprechen uns in allen Punkten ab, aber jeder hat Aufgabengebiete, in die er sich besonders einarbeitet. Ich habe die Kalkulation aufgestellt, ich überlege, wie wir Abrechnungsprozesse gestalten, wie hoch der Teilnehmerbeitrag sein soll, wie wir „Bundeslager-Stipendien“ einrichten können für Leute, die sich das Lager nicht leisten können und ich gucke natürlich, wie wir das Bundeslager finanziell fördern lassen können.

Wie hoch ist der Teilnehmerbeitrag?

Der Beitrag beträgt 210 €. Das haben wir dieses Mal bewusst nicht auf der Bundesversammlung beschlossen, sondern nur ein Meinungsbild dazu eingeholt. Wir wollten mit der Bundesversammlung lieber über einen Leistungskatalog reden, denn es macht wenig Sinn, einen Beitrag zu beschließen, ohne dass man weiß, was man dafür kriegt. Also haben wir uns überlegt, was wir für Leistungen wollen und dann ausgerechnet, was das kostet. Kein Phantasiebeitrag, das Bundeslager soll sich selbst finanzieren.

Du hast auch von Förderern gesprochen. Fragt ihr einfach potentielle Sponsoren „Wollt ihr uns Geld für unser Bundeslager geben“, oder wie läuft das?

Im Prinzip schon. Man muss da drei Sachen unterscheiden: Spenden, Förderungen und Fundraising. Spenden kann der BdP in einem größeren Maßstab relativ schwierig einnehmen. Wir versuchen da über Internetplattformen wie „betterplace“, in Kooperation mit der Stiftung Pfadfinden über den Stifterbrief und natürlich vor Ort Spenden zu sammeln, aber das wird nicht die große Menge sein. Wir versuchen aber, über gezielte Förderungen, d.h. über Stiftungen und Projektmittel, Gelder einzuwerben, und als Drittes wäre da noch Fundraising. Viele sagen „Geht doch zu den großen Firmen“, andererseits möchte niemand, dass Bierreklame hinter der Bühne hängt. Und da einen Kompromiss zu finden, einerseits Geld einzuwerben und anderseits zu überlegen, was man den Firmen dafür bieten kann, ist eines der Themen, das wir beim Bund-Land-Treffen mit den Landesverbänden besprechen wollen. Das kann ja auch viel mit Sachspenden zu tun haben, z.B. Schotter vom Baumarkt.

Immenhausen per Satellit (c) Google

Was ist mit dem Thema Vorfahrt, d.h. ich nehme nur einen Sonderzug in Anspruch. Ist das ein Thema bei Euch?

Wir prüfen gerade unterschiedliche Anreisekonzepte. Im Beitrag ist ein durchschnittlicher Anreisebeitrag enthalten, den wir bereits so mit der Bahn vorverhandelt haben. Dabei überlegen wir auch, wie man komplexeste Anreisekonstellationen mit einbeziehen kann, z.B. Stämme, die aus unterschiedlichen Orten anreisen möchten, manche Gruppen wollen von Immenhausen noch woandershin usw. Logistisch ist das eine große Herausforderung, aber wir gucken, wie wir Vor- und Nachtouren abdecken können, besonders, weil wir das Thema „Entdecker“ einbeziehen wollen und echtes Entdecken durch Vorfahrten ermöglichen möchten.

Was habt ihr aus den letzten Bundeslagern gelernt?

Was ich beim letzten Mal zum Teil vermisst habe, und was wir hier versuchen, ist, möglichst viele Gruppen bei der Ausgestaltung des Bundeslagers mit einzubeziehen. Wir sind mit ganz bewussten Anträgen in die Bundesversammlung gegangen und holen die Landesverbände früh ins Boot und kommunizieren immer offen und ehrlich. Damit wollen wir im Bund viel Motivation fürs Bundeslager schaffen.

Was würdest du Stammes-Schatzmeistern für Ihre Kalkulation raten?

Einnahmen und Ausgaben müssen einfach passen. Bei den Ausgaben habe ich pro Person 210€ Teilnehmerbeitrag, da würde ich noch einen kleinen Puffer drauflegen, einfach um bei der Verpflegung auf Nummer sicher zu gehen, aber auch, um z.B. im Reisebüro des Bundeslagers mal einen Ausflug buchen zu können. Dann gibt es die Einnahmen: da sollte man prüfen, welche Zuschüsse von Stadt, Kommune, Förderverein, Kapital vom Stamm und so weiter angezapft werden können, und was es für neue Einnahmen z.B. durch Spendenaktionen geben könnte. Das wird alles zusammengerechnet und fertig ist der Teilnehmerbeitrag den ich einziehen muss.

Wenn du drei Wünsche fürs Bula frei hättest, welche wären das?

Ich wünsche mir, dass man sich bei Sorgen und Problemen direkt bei der Bundeslagerleitung meldet, dass sich alle einbringen und das Bundeslager zu einem bunten, facettenreichen Lager machen, und dass alle am Bula Beteiligten, ob als Lagerleitung, Unterlagerleitung, Stafüs oder Gruppenleiter, die Chance haben, auch mal das Bundeslager zu genießen und nicht in Arbeit zu versinken.

Das Interview führte Chrise am 8.9.2012. Timo Barfknecht kommt aus dem Stamm Kolibri aus dem Landesverband Schleswig- Holstein-Hamburg. Er lebt in Lüneburg und arbeitet für die Leuphana Universität.
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