Ein Pfadfinder auf hoher See

Wer kennt nicht den Wunsch nach Abenteuerlust, fremde Länder zu erkunden, einfach mal etwas Verrücktes machen? Von zu Hause ausbrechen und den Alltag hinter sich lassen?

Von Michi

Genau diesen Traum kann ich ab und zu leben – denn in meinem Job kommt es vor, dass ich für ein paar Wochen oder auch mal 3 bis 4 Monate im Jahr auf einem Schiff über die Weltmeere fahre und eben genau dieses Abenteuer erleben darf!
Doch auch bei dieser aufregenden Seefahrt gibt es Vor- und Nachteile. Es ist teilweise ein sehr entbehrliches und raues Leben – aber dafür sieht man Ecken von der Welt, die man sonst vielleicht nie erlebt hätte und das macht mein Leben gerade so spannend.

Eine Schifffahrt ist nicht gleich eine Kreuzfahrt.

Ein Schiff bietet nicht immer den Luxus, den man von zu Hause gewohnt ist, außer man fährt auf einem Kreuzfahrtschiff mit. Bei mir hingegen ist das anders, ich tausche meine Wohnung gegen eine Kammer, die ich mir mit mehreren Leuten teile. Und entweder gibt es nur die Kombüse oder eben auch mal gar kein Essen an Bord. Die Enge, der stressige und arbeitsreiche Alltag sind weitere Faktoren die es nicht leichter machen, diesen Alltag zu bewältigen. Am meisten jedoch fehlt einem der Kontakt zu Freunden und Familie, denn der kann nur über E-Mail und gelegentliche Anrufe aufrecht erhalten werden. Auch der Seegang ist nicht immer angenehm, wenn sich das Schiff hin und her wirft und man herum läuft, als wäre man betrunken. Das klingt vielleicht unheimlich lustig, doch am Besten versucht man sich irgendwo hin zu legen, so dass man nicht weg rollt und sich weh tut und das Ganze lieber gleich verschläft. Für mich als Mechaniker bedeutet es immer wieder eine Herausforderung, bei Seegang auf das weg rollende Werkzeug zu achten, während ich mich nebenbei noch festhalten und dabei arbeiten muss.

Was ist Seefahrerromantik?

Dennoch hat die raue See auch ihre schönen Seiten, wenn einem der Wind um die Nase weht, die Wellen sich gegen das Schiff werfen, der salzige Geruch des Meeres einem in der Nase liegt und man die heiße Sonne auf der Haut spürt, dann fühlt man sich wohl und unglaublich frei, dann ist man mitten in seinem Traum. Das leichte Schaukeln lässt einen nach einem langen Tag schnell einschlafen, denn es fühlt sich am wie in einem Wiegebett. Eine wolkenlose Nacht ist mein schönstes Erlebnis auf See, einen solchen Sternenhimmel wird man wohl nie an Land sehen. Diese Schönheit der Millionen Sterne und vielen Sternschnuppen vor dem blauen Himmelszelt fässelt mich immer wieder und macht einen großen Teil der so genannten Seefahrerromantik aus.

Der Landaufenthalt wird intensiv genutzt.

Durch die Seefahrt habe ich Städte wie Kopenhagen, Neapel, Toulon und Mombasa gesehen und konnte unterschiedliche Kulturen und Lebensweisen kennen lernen. Auch sehr schöne Inseln wie Malta, Kreta oder die Seyschellen durfte ich besuchen. Der Reiz eines jeden neuen Hafenaufenthalt ist es durch die Stadt zu schlendern, sich die Häuser und Menschen anzuschauen und ab und zu etwas Landestypisches zu essen. Die freie Zeit im Hafen versuche ich immer möglichst intensiv zu nutzen und am Besten viel zu sehen oder zu unternehmen und nebenbei sich noch etwas zu entspannen, bevor die See wieder ruft. Der schönste Ort, an dem ich auf meinen Reisen war, ist eine kleine verlassene Bucht auf der Insel Mahe, die zu den Seyschellen gehört – der weiße Sandstrand und die sich im Wind wiegenden Palmen luden zum Verweilen ein. Dort konnte ich die Seele baumeln lassen und alles um mich herum vergessen, einfach träumen. Ich habe zwar noch nicht alle sieben Weltmeere gesehen, aber das kommt bestimmt noch.
Ein Pfadfinder auf hoher See baut zwar keine Zelte auf oder geht nicht wandern, doch entdeckt er die Welt auf eine andere Art und Weise. Nicht umsonst wurden Entdecker wie Christoph Kolumbus, Magellan oder James Cook als Pfadfinder der Meere bezeichnet. Deswegen Gut Pfad und immer eine Hand breit Wasser unter dem Kiel.

Advertisements
Nächster Beitrag
Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: