Auf Großfahrt zuhause bei den Schweden

Wie man einen internationalen Austausch mit einer Großfahrt spannend kombinieren kann, verraten die Stämme Altai Maral und Voortrekker.

Von Mola & Nilpferd

Voll auf Schweden eingestellt…

Anreise

Während sich der Braunschweiger Stamm schon abends am 29. Juli im Braunschweiger Heim getroffen hatte, um dort zu übernachten und morgens gemeinsam den Weg zum Bahnhof anzutreten, ging es für die Celler direkt am Bahnhof los.
In Braunschweig klingelten die ersten Wecker schon um drei Uhr nachts wieder, denn ab jetzt stand eine lange Reise bevor, die es durchaus in sich hatte. Verspätungen konnten wir uns aufgrund der z.T. sehr knapp bemessenen Umsteigezeiten nicht erlauben. Gott sei dank waren die Busse und auch die Bahnen um diese Zeit erst sehr überschaubar gefüllt, sodass wir ohne Probleme vorwärts kamen. Mit Zustieg des Gruppenteils aus Celle stieg auch die Stimmung weiter an, die Fahrt wurde mit aufgehender Sonne immer mehr zum freudigen Erlebnis für alle!

Stichwort Home Hospitality:

Bei der Home Hospitality handelt es sich um einen kurzen Austausch, ähnlich dem einer Schule, nur über ein paar Tage. Unsere Kinder verbrachten hierbei zwei Nächte in den vorher zugeordneten Gastfamilien. Die Familien, sowohl auf deutscher, als auch auf schwedischer Seite, wurden vorher umfassend über die Home Hospitality informiert. Die Programmgestaltung der eineinhalb Tage war den schwedischen Familien freigestellt. Im Vorfeld teilten wir ihnen aber mit, welche Sehenswürdigkeiten wir noch für Stockholm eingeplant hatten, sodass es nicht eventuell zu einem „Doppelbesuch“ kam.

Erster Teil – Die Hauswoche in Stockholm

Hockey mit nationaltypischen Pfosten.

Die ersten fünfeinhalb Tage können wir eigentlich nur bedingt als „Hauswoche“ bezeichnen, denn die meiste Zeit waren wir (mal ausgenommen die beiden Küchenkoryphäen) gar nicht im Haus unserer schwedischen Gastgeber. Aber mal eins nach dem anderen…
Nach Ankunft am Stockholmer Hauptbahnhof ging es mit der U-Bahn auf die Zielgerade zum Pfadfinderheim im Ortsteil Danderyd. Am Pfadfinderheim wurden wir schon erwartungsvoll durch eine ganze Gruppe Pfadfinder samt Eltern begrüßt! Dieses erste Treffen war für uns insofern besonders spannend, da es sich bei unserem Empfang um die Pfadfinderfamilien handelte, in welchen wir die kommenden zwei Tage eine „Home Hospitality“ erleben durften.
Nach einer kurzen Anfangsrunde und einem kleinen Spiel, bei dem jeder seine Gastfamilie zugeteilt bekam, hieß es auch schon wieder Abschied nehmen…bis übermorgen.
Zwei Tage später, pünktlich zur Kaffeezeit trafen dann alle Kinder wohlbehalten wieder in Danderyd ein. Ob das wohl am Duft der frisch gebackenen Rosinenbrötchen lag, die uns die Küche gezaubert hatte…? Nachdem den Nachmittag über die Zelte aufgebaut wurden und jeder etwas Zeit fand sich mit der Gegend vertraut zu machen, wurde durch Moritz und Flo spontan noch ein Rasenhockeytunier ausgerufen!
Den ersten richtigen (halben) Tag im Pfadfinderheim beendeten wir mit einer gemütlichen Singerunde in der Jurte. Hierbei konnten die Kinder von ihren vielfältigen Erlebnissen während der Home Hospitality berichten. Schon jetzt war klar, dass sich dieser „neue Schritt“ gelohnt hat und sich in Zukunft wiederholen sollte!
Am Vormittag des folgenden Tages stand ein großes Stadtspiel auf dem Plan. Anhand von vielen Fragen, die z.T. nur durch direktes Nachfragen bei den Einwohnern Stockholms beantwortet werden konnten, wurde die Innenstadt erkundet.  Die Motivation das richtige Lösungswort herauszufinden war dabei besonders groß, nachdem klar wurde, dass es den Treffpunkt für das Mittagessen enthielt… zum Glück konnten alle Gruppen den richtigen Ort ermitteln, sodass alle Hot-Dogs im Park einen Abnehmer fanden!
Damit auch sichergestellt war, dass jeder Teilnehmer die Nacht tief und fest durchschlafen würde, gab es nach dem Abendessen noch ein sportliches Geländespiel im Wald… und der Plan ging auf!

Zweiter Teil – Die Woche auf der Insel

…nachdem nun endlich auch Mola eingetroffen war, ging es am nächsten Tag auf zum zweiten großen Abendteuer dieser Fahrt – ab auf die Insel! Früh morgens standen wir alle mehr oder weniger fit in der Morgenrunde. Es gab ein knappes Frühstück, letzte Sachen wurden gepackt, denn bereits um kurz nach sieben sollte uns der Stadtbus mitnehmen und nach Vaxholm bringen. Von dort aus fuhr uns die Fähre nach Örsö.
Das Material war bereits am Vortag durch Flo, Moritz, Etienne, und einigen Schweden auf LKW’s verladen und zur Insel gebracht wurden, sodass jeder nur seinen eigenen Rucksack schleppen musste.
Auf der Fähre packten wir erstmal unsere Gitarren aus und sangen bei heiterem Sonnenschein und leichtem Wind und Wellengang einige Pfadilieder, so dass die Fährfahrt leider viel zu schnell verging und wir bald Örsö erreichten. Dort angekommen hieß es zunächst zum Lagerplatz zu wandern. Hier stellten wir schnell fest (wie auch schon beim Singen), dass Pfadfinden in Schweden offenbar anders ist, als Pfadfinden bei uns. Denn im Gegensatz zu uns schleppten sich die Schweden mehr zum Lagerplatz, der etwa 2-3 km entfernt war, als dass sie wanderten.
Gut gelaunt kamen wir am Platz an, der mitten im Wald lag, umgeben von Felsen. Das Material, welches mit einer kleineren Fähre bereits angekommen war, holten wir unten am Ufer ab, so dass es nach einigen Kennlernspielen bald mit dem Aufbau losging. Abends folgte ein schwedischer Singeabend. Dieser verlief ähnlich wie bei uns, außer, dass es keine Jurte gab, sondern man im Freien in einer Art Amphitheater saß. Dank der schwedischen Liedzettel, konnten wir schnell zumindest in Teilen mitsingen.

In den folgenden Tagen stellte sich heraus, dass das Lager eine klare Struktur besaß: Die Teilnehmer waren eingeteilt in zwei Gruppen: Die „Discovery- Scouts“ (vergleichbar mit Jungpfadfindern) bildeten zusammen vier Sippen, deutsche und schwedische Kinder gemischt, in denen gemeinsam zwei Mal täglich über Öfen gekocht wurde. Auch das Programm führten die „Discoverys“ größtenteils unter sich durch. Daneben gab es noch die „Adventure- Scouts“ (also Abenteuer-Pfadfinder), welche man bei uns als normale Sipplinge kategorisieren würde. Auch sie wohnten in – 3 – gemischten Sippen, kochten gemeinsam (allerdings über selbstgebauten Lehmöfen und weitestgehend eigenständig) und nahmen gemeinsam am Programm teil.
Wir waren etwas überrascht, als wir nach einiger Zeit feststellen durften, dass es neben den schwedischen Gruppenleitern auch noch richtige RR’s gab, die allerdings nichts mit Verantwortung für die Teilnehmer oder das Lager zu tun hatten. Sie wohnten abseits in ihrem eigenen Camp und hatten im Prinzip keine Verpflichtungen. Da es bei uns üblich ist, dass alle über 16-jährigen in der Gruppenleiterjurte „wohnen“ und schlafen, wohnten wir alle im Teamercamp und es dauerte ca. zwei Tage, bis sich herausstellte, dass die schwedischen Rover enttäuscht sind, dass wir gar keine RR’s mitgebracht haben. Es war dann schon ein etwas größeres „Pfadfinderkulturschock“ für beide Parteien. Die Schweden trennen strikt zwischen Rover und Teamer, während man bei uns beides gleichzeitig ist. Um die schwedischen Rover nicht zu enttäuschen, lebten einige ältere von uns, die man eher als Rover denn als Teamer einstufen würde, im Rovercamp, doch so richtig konnte das Problem leider nicht aus dem Weg geräumt werden.

Von diesen Quereelen bekamen die Teilnehmer allerdings wenig mit. Sie waren genug beschäftigt beim Kochen, Segelnlernen, Kanufahren, Baden oder einfach nur beim Ordnunghalten auf dem Lagerplatz oder in der Kohte, was meistens die geringste Priorität einnahm.

Der zweite Abend stand dann ganz im Sinne der deutschen Pfadfindertradition: Es sollte einen deutschen Jurtenabend geben. Leider hatten wir für ca. 120 Personen nur eine Superjurte dabei und so wurde es sagen wir mal…sehr familiär. Man saß hinter-, neben-, vor-, über- und untereinander, doch das tat der Stimmung keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: Dadurch dass die Jurte so voll war, wie es sicherlich noch keiner von uns erlebt hat und auch alle bei jeglichen Spielen und Liedern mitmachten, wurde der Abend zum vollen Erfolg. Wir sangen einige den Schweden bereits bekannte Lieder und dank unserer 25-Leihgäule aus der LGS waren auch alle wirklich Textsicher. In der Mitte brannte ein Feuer, was für die Schweden ein absolutes Highlight war („wow- Fire in tent“). Hinzu kamen einige – 4 – Mitmachspiele auf Englisch moderiert von Marvin; ja man kann schon sagen, dass „Once an Austrian“ und unsere zur „Elch- Jagd“ umfunktionierte Quitschie-Jagd gut ankam.

Familiäre Atmosphäre in der Großjurte

Am nächsten Abend folgte dann ein weiteres Highlight, allerdings eher für unsere noch „nackten“ Pfadis und Jungpfadfinder, denn es war eine spektakuläre Halstuchverleihung geplant: Auf einer Nachbarinsel brannte hoch oben auf einem Felsen ein Feuer, zu dem, vom Ufer her den Berg hinauf eine Lichterspur führte. Diese mussten alle, für die es ein großer Abend werden würde ablaufen, nachdem sie immer zu dritt im Kanu im Dunkeln zu Insel übergesetzt hatten. Als alle oben auf dem Berg angekommen waren, verliehen Julius und Mola die Halstücher und man muss schon festhalten, dass es eine feierliche Aufnahme war, wie sie wohl nur selten stattgefunden hat – wenn überhaupt.
So nahm das Lager seinen Lauf, der morgen- und abendliche Fahnenappell war zwar sehr militärisch geprägt, aber darüber sahen wir hinweg. Weitere Highlights waren Workshops, sowie das Segelquiz, bei dem wir feststellen dürften, dass die Google-Übersetzung nicht das Mittel der Wahl sein sollte. Es gab ein großes Festessen mit 50 gegrillten Lachsen, sowie gegrillte Hamburger im Rahmen der großen Segelregatta am letzten Tag. Trotz anfänglich schwachen Windes kam es zu unerwarteter Spannung in diversen Rennen mit teilweise überraschendem Ergebnis (Levin gewann als Anfänger überlegen sein Optimistenrennen und auch Arne schnitt gut ab). Doch in den meisten Rennen setzte sich die Erfahrung der Schweden durch, so dass zum Ende des Teamerrennens alle deutschen Teilnehmer im wahrsten Sinne des Wortes baden gingen.
Am nächsten Tag hieß es dann leider schon wieder Abschied nehmen von dieser traumhaften Insel.

Der letzte Teil – Zurück in Danderyd und Abschied nehmen

Nach einer Woche bald vollständiger Abgeschiedenheit von der Außenwelt war der ein oder andere durchaus froh, eine warme Dusche zu bekommen. Der ein oder andere war in diesem Fall die gesamte Fahrtengruppe und eine warme Dusche trifft es auch auf den Punkt, denn das Pfadfinderheim besaß eben nur diese eine besagte Dusche. Damit es nicht zur totalen Meuterei vor der Dusche kam, wurde kurzerhand eine „Duschliste“ erstellt, in die sich jeder eintragen musste. Dennoch konnte der letzte Gruppenleiter erst um halb vier (Nachts!) als letzter für diesen Tag die, mittlerweile zum Dampfbad gewordene, Dusche verlassen.

Am nächsten, dem letzten Tag in Schweden, stand noch einmal ein Trip in die Stadt auf dem Plan. Durch unsere schwedischen Gastgeber- und Reiseführer bestens beraten, entschieden wir uns für den Besuch des WASAMuseums. Zwar ist das alte Wrack, was sie aus dem Meer gehoben und komplett restauriert haben beeindruckend, allerdings war das Museum wenig interaktiv aufgebaut, sodass wir uns nach knapp zwei Stunden Aufenthalt entschieden, es wieder zu verlassen und ein paar hundert Meter weiter dem Skansen-Tierpark noch einen Besuch abzustatten. Dort konnten wir uns einen Eindruck vom Leben vor den Kriegen in Stockholm machen. Aus der Bäckerei dufteten die frisch gebackenen Zimtschnecken und aus der Glasbläserei stieg ebenfalls Rauch aus dem Ofen, denn gerade wurde ein neues Glasgebilde geformt. Über einen Rundgang ging es an verschiedenen Freigehegen vorbei, wo wir uns die verschiedensten heimischen Tiere des Nordens ansehen konnten – auch Elche waren dabei!

Den Abend beendeten wir zusammen mit unseren schwedischen Gastgebern in der großen Jurte. Zusammen ließen wir die gesammelten Eindrücke der letzten zwei Wochen noch einmal Revue passieren. Dabei kam das „klassisch deutsche Jurtenabendfeeling“ mit Pfadfinderliedern, Spielen, Keksen und Chai natürlich nicht zu kurz! Wer bis dahin noch keine Gänsehaut bekommen hatte, der bekam sie spätestens dann, als wir alle zusammen nach draußen gingen, um die besagten Erinnerungen noch einmal in Bildern zu sehen! Nach der Diashow war dann einer der traurigsten aber auch bewegensten Momente des Lagers gekommen. Wie wir das gemeinsame Lager mit dem „Regenbogenlied“ und einem Kreis begonnen hatten, so beendeten wir es auch „standesgemäß“ in einem Kreis und sagten uns allen: „Nehmt Abschied Brüder“. Es soll auch kein Geheimnis sein, dass dabei die ein oder andere Träne floss…
..und auf einmal schien alles wieder so weit weg… aber auch so nah zu sein!

Fazit

Nachdem die Großfahrt zwischen den Stämmen aus Celle und Braunschweig im vergangenen Jahr nach Österreich ein großer Erfolg war, begannen schon kurz darauf erste Überlegungen, in diesem Jahr wieder eine gemeinsame Großfahrt zu organisieren. Diese Einstellung hat sich auch in diesem Sommer bezahlt gemacht! Im Laufe der Planungen wurde das Vorhaben „Schweden“ immer konkreter, bis schließlich Julius vom Jamboree zurückkehrte und uns den Vorschlag einer Internationalen Begegnung zur Diskussion stellte.
Da weder der Braunschweiger Stamm, noch der Celler Stamm (personell) in der Lage gewesen wären so eine Aktion zu bewältigen, wurden wir in unserem Vorhaben, eine besondere Sommer-Großfahrt gemeinsam zu planen, bestätigt.
In vielen Stunden Organisation, Planung, einem Vorbereitungstreffen und einer Vorbereitungsfahrt, konnte so am Ende nicht nur eine, abschließend betrachtet, rundum gelungene Großfahrt, sondern eine rundum gelungene Internationale Begegnung auf die Beine gestellt werden.
Wie in jeder Planungs- und Durchführungsphase eines derartigen Großprojektes stößt man immer wieder auf Probleme, die sich in einigen Punkten (man denke an die unterschiedliche Alters- und Aufgabenstruktur der Schweden, verglichen mit unserer) zwar nicht lösen ließen, wir uns aber zu jedem Zeitpunkt miteinander arrangieren konnten.
Die Tränen, die am letzten Abend bei einigen Teilnehmern flossen, haben uns in unserem Glauben, ein ganz besonderes Erlebnis geschaffen zu haben, mehr als bestätigt.
Abschließend sind wir uns einer Meinung, dass wir uns wieder dafür entscheiden würden, eine internationale Begegnung in einem fremden Land durchzuführen!
Sowohl aus pädagogischer und auch aus pfadfinderischer Sicht, als auch für die persönliche Entwicklung des Einzelnen war diese Begegnung in allen Facetten ein voller Erfolg!

Ein letztes Wort

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal einen besonderen Dank an die Stiftung Pfadfinden und den Deutschen Kinder- und Jugendplan des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend richten, die uns mit ihren Zuschüssen diese Großfahrt mit internationaler Begegnung erst ermöglicht haben. Die Stiftung Pfadfinden konnte uns buchstäblich in letzter Minute durch einen Zuschuss, von großen Sorgen über die Finanzierung befreien!
Ohne die Zuschüsse des Kinder- und Jugendplanes hätte es darüber hinaus keine Vorfahrt geben können, die sich schon vor Antritt der Großfahrt als sehr sinnvoll erwiesen hat. Auch wären die Teilnahmebeiträge dann nicht mehr so zu halten gewesen, wie wir es die letzten Jahre gelebt hatten. Dem Bundesamt und insbesondere Diana Schlundt möchten wir an dieser Stelle für die vielseitige und kompetente Unterstützung bei allen unseren Fragen zu den Finanzen, der Versicherung und der rechtlichen Seite danken!
Danke!

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