Zweierlei vom Delegierten

Als Landes- und Bundesdelegierter ist es nicht immer einfach, die Meinungen unserer Mitglieder zu vertreten. Trotzdem sollte die Aufgabe verantwortungsvoll wahrgenommen werden.

Von Thorsten

Eine feine Sache

Die Demokratie ist eine feine Sache und geht glücklicherweise mit einer mehr oder weniger reglementierten Meinungsfreiheit einher, das heißt man darf sagen was man denkt, solange es den jeweiligen Meinungswächtern (Staat, Medien,…) genehm ist. Damit nicht alle durcheinander brüllen und manchmal auch ein wenig Sachverstand dabei ist, wurden Vertreterrunden geschaffen. Dahin entsendet der Teilnehmer einer Demokratie einen Abgeordneten seines Vertrauens. Dieser wird durch eine, je nach Ausprägung der Demokratie, mehr oder minder geheime und freie Wahl bestimmt. Grundsätzlich darf man jemanden wählen und muss niemanden erzählen, warum man sich gerade diese Favoritin oder Favoriten ausgesucht hat. Der Vertreter nimmt dem einfachen Demokratieinsassen die ganze schwierige und manchmal langwierige Aufgabe der Mitgestaltung ab. Einzig die Frage nach dem geeigneten Kandidaten muss beantwortet werden und das ist nicht einfach. In der großen Politik sagen uns die Kandidaten, was sie mit unserer Stimme anfangen wollen. Steuern erhöhen oder senken, Bahnhöfe bauen, Rentenbeiträge stabil halten usw. Die Beziehung zwischen Wähler und Kandidat ist somit relativ einfach, weil beide Seiten genau um den erhaltenen Arbeitsauftrag wissen. Der Gewählte soll also die Meinung, welche bestenfalls auch seine ist, in den entsprechenden Gremien vertreten und gefälligst dafür sorgen, dass sie auch umgesetzt wird. Das ist vielfach mit unterschiedlichem Erfolg erprobt.

Die Landesversammlung als Geschenk

Diesen Vorgang finden wir auch in unserem Verband. Damit sich nicht alle 2.200 niedersächsischen BdP Mitglieder oder alle 12.000 Bundesmitglieder in eine Halle quetschen müssen, haben uns unsere Gründer die Landes- und Bundesversammlung geschenkt. Hier werden nun die gewählten Vertreter der Mitglieder mit der in sich nach unterschiedlichen Schlüsseln aggregierten Meinung zusammengeführt und sollen jetzt mal tagen. Die jüngeren Debütanten sind verständlicherweise aufgeregt und schauen sich das Treiben erst mal an. In manchem erfahreneren Delegierten kann aber vielleicht die Frage reifen, was eigentlich die Meinung und das Wollen seiner zu vertretenden Mitglieder ist. Denn hier beginnt der Bruch mit dem oben beschrieben Vorgehen bei den Profis.

Keine leichte Aufgabe

Unsere Delegierten stellen vor ihrer Wahl im Allgemeinen kein Programm vor oder äußern sich langatmig zu den angestrebten Zielen. Die Gründe sind meist entschuldbare Ahnungslosigkeit bezüglich der Landesthemen, man wählt den, der sich aufstellen lässt. Dadurch ist die Beziehung zwischen Vertreter und Mitglied aber nicht ganz so klar wie bei den „Großen“. Die Auswahl der Delegierten erfolgt nicht nach inhaltlichen Gesichtspunkten sondern höchstwahrscheinlich ganz profan nach folgenden Parametern: hat irgendwie Zeit, riecht gut, ist mal dran, macht das sonst auch immer,… Daraus erwächst dann aber eine größere Verantwortung für die Gewählten. Sie müssen die Stimmung ihrer Mitglieder ergründen. Das ist keine einfache Aufgabe, zumal sie nicht explizit eingefordert wird. Ähnliches Schicksal ist dem Bundesdelegierten beschieden. Zwar ist es gute Sitte, sich in einem Satz der Versammlung vorzustellen, aber es ist äußerst unwahrscheinlich, dass diese gesprochenen Sätze in den meisten Fällen einen messbaren Einfluss auf die am nächsten Tag folgende Wahl haben.

Sich einfach mal ausprobieren

Die Verantwortung der Delegierten, seien sie auf Landes- oder Bundesebene abgeordnet, gliedert sich denn in zwei Teile. Zum einen ist es die aktive Vertretung der Mitglieder, mitsamt der Forderung nach Beteiligung. Dieser erhobene Zeigefinger wird ja immer wieder ausführlich geschwungen. Nicht zu vergessen und viel anspruchsvoller ist die zweite Seite des Auftrags. Es gilt zu ergründen, was die eigenen Mitglieder eigentlich wollen und nicht nur was sie wollen sollen. Grundsätzlich ist es üblich, dass sich im Stammesrat über die Themen der Landesdelegiertenversammlung ausgetauscht wird. Dann wird gemeinsam ein Vorgehen für die eigene Delegation abgestimmt. Es ist zu wünschen, dass sich die Vertreter dann über den Eigenwillen ihrer Mitglieder im Klaren sind. Wie kann das gelingen? Die Meinung der Teilnehmer auf der Stammesversammlung zu Landesthemen zu elaborieren fällt schwer, zumal diese meistens noch nicht feststehen und dann in der Versammlung altersgerecht aufbereitet werden müssten. Doch eine aufmerksame Beobachtung der Stammesmitglieder hilft entscheidend weiter. So betrachtet verlangen wir ziemlich viel von unseren Abgeordneten, obgleich auch eine Menge geboten wird. Ich kann mir keinen anderen in der Fläche Niedersachsens ähnlich breit aufgestellten Verein vorstellen, bei dem die Mitwirkung so direkt möglich ist. Das ist die Chance, sich einfach einmal auszuprobieren. Lasst Euch bewusst aufstellen und horcht einfach in Eure Mitglieder hinein.

Advertisements
Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: