Der Gilwell-Mythos

Wer kennt sie nicht, die Gilwellklötzchen. Viele wissen aber gar nicht, was es damit auf sich hat und was auf dem Kurs eigentlich passiert.

Von Chrise

Es ist schon merkwürdig. Da haben wir wahnsinnig viele Kurse im BdP und die meisten von uns haben doch zumindest ein bis zwei Kurse besucht. KfS oder KfM, Basiskurs oder KfG, klar, vielleicht auch noch den Grundkurs, aber spätestens danach ist bei vielen Schluss mit Ausbildung – Entweder, man glaubt selbst nichts mehr lernen zu können, oder aber man teamt andauernd selber Kurse und hat einfach keine Zeit, sich noch weiter mit der eigenen Ausbildung zu beschäftigen. Das ist ziemlich ärgerlich. Ärgerlich, weil wir da einen ganz feinen Kurs haben, den eigentlich jeder unbedingt besuchen sollte, der seinen Stamm ernsthaft weiterbringen will, oder sich auf Landesebene engagiert, sei es als Kursteamer oder im Vorstand. Was aber passiert eigentlich auf diesem Kurs?

Was passiert eigentlich auf diesem Kurs?

Die Gilwellausbildung besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil findet im spätsommerlichen September in unserem Bundeszentrum in Immenhausen statt. Was ihn von anderen Kursen unterscheidet? Am wichtigsten ist wohl der Unterschied, dass der Kurs sehr individuell auf die TeilnehmerInnen eingeht. Bevor das Kursteam irgendwelche Inhalte festlegt, schaut es sich genau an, wer sich für den Kurs angemeldet hat, und was diese Leute eigentlich brauchen und wollen. Bewährt hat sich allgemein die Unterscheidung zwischen Gilwellkurs für Stammesführungen, Stufenführung und TrainerInnen, allerdings gab es auch schon andere Konstellationen. Während der Kurswoche finden vormittags zumeist längere Einheiten im gesamten Kurs statt, bei denen in ein Thema erst einmal umfassend eingeführt wird. Nachmittags geht es dann ans Eingemachte, um sich diesem Thema spezieller zu nähern. Unsere Thementage im letzten Jahr waren z.B. „Analyse“ (Ich und mein Team), „Unser Programm“, „BdP und Gesellschaft“ „Qualität“ und „To Do“. Der Kurs ist bewusst nicht zu vollgestopft mit Inhalten. Weniger ist manchmal mehr, so ist Zeit, tiefer in ein Thema einzutauchen und es gibt genügend Raum, um angestoßene Diskussionen weiterzuführen. Nach der Mittagspause geht es erst einmal nach draußen, weil man nicht den ganzen Tag nur mit dem Kopf arbeiten kann. Bis zum Kaffee schließt man sich in Arbeitsgruppen zusammen, um gemeinsam etwas für unser Bundeszentrum zu tun. Im letzten Jahr haben wir elektrisches Licht in die Holzkohte gebracht, eine neue Kräuterspirale gebaut, Bäume gepflanzt und Weidenhütten gebaut. An den Abenden geht es in gemütlicher Runde am Feuer um Themen, die sonst oft zu kurz kommen. Hierzu werden oft Experten eingeladen. Was passiert eigentlich auf einer internationalen Konferenz? Warum sind die Hemden aus der Kämmerei so schlecht geschnitten? Wie lange kann sich der Bund noch finanziell über Wasser halten?

Das Team und die eigene Rolle im BdP

Der Kurs hat sehr viel damit zu tun, sich mit der eigenen Rolle im BdP auseinanderzusetzen. Ganz wichtig ist dabei, dass man aktuell eine Aufgabe hat, denn während der Woche geht es immer mehr und mehr darum, das eigene Gilwellprojekt zu entwickeln: Jeder Teilnehmer oder jede Teilnehmerin verabredet ein Projekt, dass er oder sie nach dem Kurs plant, durchführt und reflektiert. Davon wird eine Dokumentation, die sogenannte Gillwellarbeit erstellt. Das hat nichts mit Seminararbeit gemein, pseudowissenschaftliche Abhandlungen über den BdP gibt es heute nicht mehr. Die Projektdokumentation soll dazu dienen, sich mit einem Projekt intensiv auseinanderzusetzen und sich dabei gewissermaßen selbst über die Schulter zu schauen. Sie ist persönlich, und in erster Linie für einen selbst. Das Bundesausbildungsteam (BAT) liest die Gilwellarbeit und entscheidet über die Anerkennung.

Aber… Wenn es nur um die Reflexion für einen selbst geht, warum müssen die Gilwellarbeiten dann vom BAT gelesen und anerkannt werden?

Auf dem Kurs geht sehr viel darum, wie man Ziele richtig steckt und wie man Maßnahmen plant, um sie zu erreichen. Im BAT wird geschaut, ob sich die Arbeit an diesen Schritten orientiert. Wenn das der Fall ist, wird sie in der Regel anerkannt. Manchmal kommt es vor, dass vom BAT noch mal eine Rückfrage kommt, z.B., ob dies oder jenes noch einmal genauer erklärt werden kann. So soll gewährleistet werden, dass jeder, der die Ausbildung im BdP abgeschlossen hat, sein Projekt für sich bestmöglich reflektiert hat und daraus so viel wie möglich für die zukünftige Arbeit bei den Pfadfindern mitnehmen kann.

Was sollen die Klötzchen?

Die Klötzchen, auch Woodbadge genannt, sind eine alte Tradition. B.P. lud 1919 zum ersten Scoutmaster-Training in den Gilwellpark. Alle Teilnehmer erhielten am Ende ein Element der Häuptlingskette von Dinizulu, die B.P. aus Afrika mitgebracht hatte. Als die Kette nach Klötzchen aus den Bäumen des Gilwell-Parks geschnitzt. Heute gehören zum Woodbadge das sandrote Gilwellhalstuch, der geflochtene Knoten und die Klötzchen am Lederband. Heute ist es ein internationales Zeichen, das symbolisiert: Ich habe meine Ausbildund bei den Pfadfindern abgeschlossen und möchte mich auch weiterhin für das Pfadfinden einsetzen.

Der Besuch eines Gilwellkurses ist auf keinen Fall etwas für irgendeine komische Art „Pfadfinderelite“. Es ist ein Kurs, zu dem alle eingeladen sind, die schon einige Zeit mit ihrem Team zusammenarbeiten und gerne noch mehr aus dieser Arbeit machen wollen. Hinzu kommt die eigene Rolle bei den Pfadfindern. Eine spannende Woche, bei der der Austausch mit Leuten besonders wichtig ist, die mit teils ähnlichen, teils völlig anderen Aufgaben aus dem gesamten BdP kommen.

Die nächsten Gilwellkurse finden vom 8. bis 15. September 2012 in Immenhausen statt. Die Anmeldung gibt es wie immer im Bundesrundbrief, Interessierte können sich außerdem ab sofort im Bundesamt melden.

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