Ich will auf meine Daten achten!

Soziale Netzwerke, digitale Medien, alles geht mit einem Click: Die Welt des Internets vereinfacht unser Leben, schafft völlige neue Möglichkeiten, aber auch neue Risiken. Unserer Privatsphäre ist in Gefahr, und oft sind wir selbst schuld daran.

von Mika

Wir leben in einer vernetzten Welt: Der eine Junge vom Pfingstlager hatte tolle Fotos gemacht, die wollte er mir doch schicken. Schnell bei Facebook seinen Namen eingetippt, eine Freundschaftsanfrage gestartet und schon kann er mir per Email seine Bilder schicken. Schnell, einfach, toll! Vor 10 Jahren war das viel schwieriger, solchen Fotos hinterherzurennen. Vieles ist anders geworden, wir unterhalten uns nicht mehr über Telefon sondern per ICQ, wir verabreden uns nicht mehr auf dem Schulhof sondern per Facebook oder schülerVZ und wir schauen uns Bilder nicht mehr im kleinen Kreis auf Papier an, sondern zeigen sie per Flickr all unseren „Freunden“. Unabhängig davon, ob dieser Fortschritt unser tägliches Leben immer positiv beeinflusst, hat diese Vernetzung auch ihre Schattenseiten. Und die sehen wir oft erst dann, wenn es zu spät ist.

Das Internet ist öffentlicher Raum!

Sobald wir ins Internet gehen, verlassen wir unser geschütztes Zimmer und treten ein in einen öffentlichen Raum. Damit wir unsere Freunde oder auch andere Personen oder auch Firmen darin finden, müssen sie Dinge über sich preisgeben. Und auch wir selbst müssen das tun, sonst findet uns ja keiner. Zum Glück gibt es in Deutschland das so genannte „Recht auf informationelle Selbstbestimmung“: Ich selbst darf entscheiden, was wer von mir wissen, speichern und veröffentlichen darf. Leider macht es das Internet mitunter schwierig, dieses Recht auch durchzusetzen.

Wenn mein Chef Bilder aus meiner Jugend findet…

Da hat doch Tina das Foto von der letzten Lagerhochzeit bei Facebook hochgeladen und gleich mein schmerzverzehrtes Gesicht mit meinen Profil verlinkt. Na ja, ist ja auch egal, dafür habe ich ja ihr Bild hochgeladen, als sie mit bei dem Unwetter auf der schwimmenden Isomatte schläft. Dabei muss mein Name gar nicht mehr beim Bild stehen, denn dank verfeinerter Gesichtserkennung ist es bereits möglich bei unbekannten Gesichtern den Namen herauszufinden. Dazu muss nur an irgendeiner Stelle im Internet mein Foto mit meinem Namen verknüpft sein, z.B. bei meinem Facebook-Profil. Was sich hier so harmlos anhört, kann später doch unangenehme Folgen haben. Spätestens wenn bei einem Bewerbungsgespräch dem Chef erklärt werden muss, was man denn in der Freizeit so treibe. Während man bei Facebook solche Einträge entfernen kann, wird es bei der Internetgalerie des Stammes schwierig, wenn keiner mehr die Zugangsdaten kennt.

Das Internet vergisst nichts.

Zudem gilt der Grundsatz: Das Internet vergisst nichts. Während das Hochladen von Bildern und Angeben von persönlichen Daten recht zügig geht, dauert das restlose Löschen dieser Daten deutlich länger. Da hilft auch unser „Recht auf informationelle Selbstbestimmung“ nur bedingt, wenn der Betreiber der Seite sich stur stellt, nicht erreichbar oder einfach nur zu faul ist. Besser ist es also, genau zu kontrollieren, was für Details im Internet hochgeladen werden. Es ist trotz einer Netiquette häufig sinnvoll, sich im Internet anonym zu bewegen. Wozu sollte ich mit vollem Namen oder sogar Anschrift in einem Forum auftreten, wo auch der Vorname oder ein Aliasname („Nick“) ausreicht? Für solche Zwecke habe ich eine spezielle Emailadresse, die eben nicht meinen vollen Namen enthält. Meine Freunde erkennen mich, aber mein späterer Arbeitgeber nicht. Zum Glück kann man bei sozialen Netzwerken meist den Zugriff auf das Profil einschränken, so dass nur Freunde Details sehen können. Blöd nur, wenn man wildfremde Personen als Freunde akzeptiert, denn die sehen dann auch auf einmal alles. Übrigens, bist du jünger als 18, so haben Deine Eltern bei der Angabe von privaten Daten Mitspracherecht, und bei Jugendlichen bzw. Kindern unter 14 Jahren müssen die Eltern in jedem Fall ihre Zustimmung geben.

„Mein Passwort? Einfach ‚Passwort‘!“

Übel wird es, wenn man die Kontrolle über seine Daten verliert. Ist das Passwort bei Facebook geknackt, kennt der Hacker Anschrift, Telefonnummer, private Fotos, die Kontaktliste. Ihm steht alles offen zur Verfügung. Zum einen muss nicht jeder solche teils sensible Informationen über mich einsehen, zum anderen sind solche Daten bares Geld wert, denn Unternehmen handeln damit. Nun kannst du kaum noch kontrollieren, was mit deinen privaten Daten geschieht. Also, nutze keine Passwörter wie „Passwort“, „Knuddel“ oder leicht zu erratene Wörter, sondern nimm Kunstwörter mit Sonderzeichen wie „wu$chelb!rne37“ oder die Anfangsbuchstaben von gut zu merkenden Sprüchen: „IwksuVü07“ (eine Pfadfinderregel).

Auf den ersten Blick harmloser wirkt das so genannte „Fraping“, von Facebook und to rape = „schänden, plündern“. Du bist bei deinem Konto angemeldet und jemand anderes verändert dein Profil oder verschickt in deinem Namen unangenehme Botschaften, die du mühsam wieder ausräumen musst. Da kann aus einer Spaßbotschaft, „Heute will ich es allen sagen: ich bin schwul“, ein unangenehmes Gesprächsthema auf dem Schulhof oder auf der Arbeitsstelle werden. Merke: lass deine Anmeldedaten nicht auf fremden Rechnern speichern und lass deinen Rechner nicht unbeobachtet, auch nicht bei „harmlosen“ Freunden.

„Meine Webcam: das unerwünschte Tor zur Welt…“

Hacker dringen aber auch über andere Wege in unsere Privatsphäre ein. Bekannt geworden sind die Geschichten über Bilder aus den Zimmern von Jugendlichen, die ohne ihr Wissen über ihre Webcam aufgenommen wurden. Niemand von uns sollte so naiv sein und denken, „So was passiert mir nicht.“ oder „Was soll ein Hacker schon auf meinem Rechner finden?“ Spätestens die Fälle von Stalkern, die über „harmlose“ Chats mit Mädchen neue Opfer gefunden haben, sollten uns wachrütteln. Jeder kann seinen Computer schützen, indem er eine Antivirensoftware verwendet, regelmäßig Sicherheitsupdates installiert und dafür sorgt, dass keine Viren und Trojaner per USB-Stick oder Email verbreitet werden. Beachte, dass an Schulen viele USB-Sticks und auch manche Schulrechner (!) verseucht sind.

Auch andere haben Rechte an ihren Daten

„Was du nicht willst das man dir tu‘, das füg auch keinem anderen zu.“ Dieses Sprichwort gilt natürlich auch für das Internet. Auch andere haben ihr Recht auf informationelle Selbstbestimmung, das heißt du solltest nicht unüberlegt ohne ihre Zustimmung Fotos, private Daten oder auch unbewiesene Behauptungen veröffentlichen. Beleidigungen können darüber hinaus auch rechtliche Konsequenzen bedeuten. Das „Recht am eigenen Bild“ besagt, dass wir erst gefragt werden müssen, wenn unsere Bilder auf Facebook oder in einer Galerie veröffentlicht werden. Das gilt auch dann, wenn die Bilder nur einem beschränkten Kreis wie z.B. den Freunden bei einem sozialen Netzwerk oder einer passwortgeschützen Bildergalerie hochgeladen werden, denn der Abgebildete verliert die Kontrolle darüber, was mit seinem Bild geschieht. Dieses Recht am eigenen Bild gilt übrigens nicht, wenn die Person nur „Beiwerk“ oder Teilnehmer einer Versammlung ist. Stehe ich vor einem Rathaus oder auf einem Gruppenfoto, so kann ich mich nur schwer gegen eine Veröffentlichung wehren. Stehe ich aber im Mittelpunkt des Fotos, dann kann ich gegen eine Veröffentlichung vorgehen.

Zu meinem Recht, über seine Daten selbst zu bestimmen, kommt auch das Recht hinzu, über seine Werke und ihre Nutzung zu bestimmen. Das Stichwort lautet Urheberrecht. Handelt es sich nicht um eine besondere Lizenz z.B. von creative commons, welche die Verbreitung erlaubt, darf der Film, das Buch oder das Computerprogramm nicht ohne Zustimmung verbreitet werden. Illegal ist es also, wenn du bei einer Tauschbörse die legal (oder illegal) erworbenen Musikstücke zum Hochladen anbietest oder in der Schule all deinen Freunden verteilst. Allein erlaubt sind private Kopien zur Nutzung und zur Sicherung, solange du keinen Kopierschutz umgehst. Stelle dir vor, jemand anderes würde ohne deine Zustimmung deine mühevolle Arbeit kostenlos unter die Leute bringen, während du auf den Kosten sitzen bleibst. Willst du die Werke anderer nutzen, z.B. ein tolles Foto von einem, so gib immer die Quelle an und frage den Urheber, falls du dir nicht sicher bist. Damit bist du immer auf der sicheren Seite und vor Schadensersatzansprüchen geschützt.

Wie sieht das aber in der Praxis aus?

Kaum eine normale Person fügt zu seinen Werken wie Bildern ein Copyright wie © Mika Nashan, Oldenburg (2011) hinzu, obwohl dieser Zusatz deutlich macht: Das ist mein Werk, wenn jemand anderes es anderweitig verwenden will, muss er um meine Zustimmung bitten.

Kaum jemand gibt sich bei seinen Passwörtern wirklich große Mühe, sie besonders sicher zu machen. Wer wechselt denn schon alle halbe Jahre seine ganzen Passwörter von Facebook, Ebay oder ICQ?

Kaum einer von uns beschwert sich darüber, wenn wir uns auf hochgeladenen Bildern wiederfinden. Wozu der Aufwand? Wird doch eh keiner gegen mich nutzen…

Kaum jemand macht sich Gedanken darüber, was der Betreiber eines Forums oder eines kleinen Unternehmens mit meiner Adresse, Geburtsdatum anstellt. Interessiert doch keinen…

Es häufen sich leider die Fälle von Datenmissbrauch: Auf einmal werden teure Fernseher auf meinen Namen bei Ebay eingekauft oder es kursieren intime Videos von mir im Netz. Oder ich komme einfach nicht mehr an meine persönlichen Emails ran, weil jemand mein Postfach geknackt hat. „Ich will kritisch sein und Verantwortung übernehmen“. Das fängt bei meinen eigenen Daten an und hört bei den Daten anderer nicht auf!

 Statistiken über Mitgliederzahlen

(Zeitpunkt der Angabe in Klammern)

  • Facebook: Weltweit etwa 800 Mio. (September 2011), in Deutschland etwa 22 Mio., 22,8 % der Bevölkerung (Mai 2011)
  • Twitter: Weltweit etwa 200 Mio. (März 2011)
  • StudiVz, SchülerVz, MeinVz: im deutschsprachigen Raum etwa 15 Mio. (April 2010)

Weitere Informationen über Datenschutz und Urheberrecht im Internet:

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