Fluch und Segen

Social Networks und das mobile Internet haben die Medienlandschaft tiefgreifend verändert. Gerade als Gegensatz zu einer immer digitaler werdenden Welt kann die Pfadfinderei ein attraktiver Fluchtpunkt sein. Die Chancen, die Facebook und Co uns bieten, sollten wir dennoch nutzen.

von Chrise

Social Networks wie Facebook oder YouTube sind nicht unumstritten. Google wie Facebook sind Datenkraken, die sich alles einverleiben, was ich ihnen von mir Preis gebe. Der richtige Umgang will daher gelernt sein. Doch wenn man sich der Gefahren und Risiken bewusst ist, kann man sogar mit Social Networks den Spieß umdrehen, und aus Zeitfressern nützliche Helfer machen.
Die Frage, ob Social Networks Teufelszeug sind, oder die innovativste und wichtigste Medienrevolution seit Fernsehen und Internet, ist nicht so ohne Weiteres zu beantworten, wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.
Wenn man sich beispielsweise durch Facebooks komplizierte Privatsphäre-Einstellungen geklickt hat, und alles so konfiguriert hat, das man gut damit lebt, kann man Leute finden, die man seit Jahren nicht gesehen hat. Man kriegt auch durchaus einiges Interessantes mit und Facebook bietet tatsächlich jede Menge praktische Tools. Viele Unternehmen leisten über ihre Facebook-Seiten oder Twitter- Channels mittlerweile sehr guten Support bei Problemen von Kunden. Eine Veranstaltungseinladung kann ebenfalls ruck zuck über Facebook verschickt werden – man sieht außerdem gleich, wer noch so dabei ist oder keine Zeit hat. Auch der BdP nutzt Facebook als Kanal für Veranstaltungswerbung und Außenwerbung mittlerweile ziemlich erfolgreich. Wer viel auf Facebook unterwegs ist, liest dort auch automatisch die neuesten Nachrichten. Tagesschau, Spiegel und Co posten selbstverständlich rund um die Uhr, und sogar die Gesetzeshüter nutzen die Sozialen Medien: Die Polizei Hannover hat inzwischen über 25.000 Fans und kann bereits über diverse Fahndungserfolge via Facebook berichten. Entsprechende Zeugenaufrufe in Tageszeitungen bringen dagegen kaum Resonanz, potentielle Beobachter solcher Taten erreicht man eben nicht mehr mit den „alten Medien“.

Facebook und Google sind die größten Geldmaschinen unserer Zeit. Das Kapital: Nutzerdaten

Bei alledem darf man nicht vergessen, dass Google, Facebook und Co diese Infrastruktur nicht aus purem Altruismus zur Verfügung stellen, sondern milliardenschwere Unternehmen sind, die ihr Geld mit Werbung verdienen.
Ein kostenloses Angebot nutzen und im Gegenzug Werbung sehen ist eigentlich ein Deal, der seit Jahren quer durch alle Medien erfolgreich funktioniert. Ein Spiegel-Online Reporter wird ebenso durch Werbung bezahlt wie die Produktion der Simpsons. Niemand stellt TV-Werbung in Frage, doch hier liegt die Sachlage anders: Social Networks, Webmail-Anbieter und andere kostenfreie Anbieter von Online-Diensten bieten ihren Kunden ein wesentlich „spitzeres Targeting“ an als z.B. ein TV-Sender. Das heißt im Klartext: Wenn ich mit meiner Werbung z.B. viele Pfadfinder erreichen möchte, schaffe ich das auf Facebook leichter und vor allem günstiger als mit einem TV-Spot. Letzterer ist sehr teuer, weil er eine vergleichsweise hohe Reichweite hat. Man hofft dann, dass unter diesen Millionen von Zuschauern eben auch eine möglichst große Anzahl aus der entsprechenden Zielgruppe kommt. Alle Empfänger, für die die Werbung nicht relevant ist, bezeichnet man als „Streuverlust“. So ist es gerade für kleinere Unternehmen, nicht-kommerzielle Organisationen und Anbieter sehr spezieller Produkte eine gute Marketingalternative. Da die User bei Facebook viele persönliche Daten hinterlegen, können die Werbetreibenden dort Streuverluste nahezu vermeiden und auch mit kleinem Budget werben. Bezahlt wird dann pro Klick auf das Werbemittel. Auf Facebook kann man auch gezielt damit werben, dass eine Seite, Veranstaltung etc. bereits anderen Freunden gefällt.

Niemand weiß, ob Social Networks nur ein aktueller Trend sind, oder sich das ganze Internet irgendwann komplett einverleiben werden.

Die Unternehmen und spezialisierten Social Media-Agenturen beschäftigen sich viel mit der Frage, wie Werbung in sozialen Netzwerken wirkt, welche Kennzahlen wichtig sind und was z.B. eine Interaktion mit einer Marke oder ein Facebook-Fan wert sind. Hierzu werden hochkomplexe Modelle entwickelt und millionenschwere Kampagnen gestartet, denn dass Social Media ein relevanter Kanal ist, streitet inzwischen kaum noch jemand ab.
Wenn man nichts gegen personalisierte Werbung hat und die Vorzüge der sozialen Netz-werke nutzen will, wird viel geboten. Nicht anders ist es ja mit vielen kostenfreien Pro-grammen, z.B. von Google oder den Webmail Anbietern wie GMX oder Web.de. auch hier  gebe ich Daten in Fragebögen ein, wenn ich mich anmelde. Die Fragebögen dienen ausschließlich werblichen Zwecken und damit der Finanzierung dieser Angebote.
Ob den Social Networks die Zukunft gehört, ist schwerlich zu beantworten. Niemand weiß, ob wir im Jahr 2020 noch Facebook oder Google+ nutzen. Vor 10 Jahren jedenfalls war die Internetnutzung noch eine völlig andere. Facebook hat in Deutschland momentan 20 Millionen Nutzer und jeden Tag werden es mehr. Erleben wir gerade eine Social Media-Blütezeit, die bald vorbei sein wird, oder setzt sich ein Netzwerk durch, das irgendwann alle anderen Online-Angebote hinfällig machen wird? Google hätte mit seiner neuen Community das Zeug dazu, da es das Netz jetzt schon beherrscht, wie kein anderer. Facebook macht jetzt schon vor, was alles möglich ist: Online-Shops, Videostreaming, Wikipediaeinträge, Fanseiten und Supportservices sind jetzt schon Teil des Netzwerkes. Je besser die Markenprofile werden, desto hinfälliger werden Blogs oder ganze Homepages.

Die Zukunft gehört dem mobilen Internet

Die Zukunft, das sagen jedenfalls alle Studien und Experten, gehört der mobilen Internetnutzung. Bis 2015 wird der mobile Datenverkehr um das 30fache steigen und schon im Jahr 2010 war jedes dritte verkaufte Handy in Deutschland ein Smartphone. Wo ist die nächste Sparkasse, hat der Supermarkt noch auf, ist mein Anschlusszug pünktlich?
Google ist natürlich auch hier der Vorreiter und hat im letzten Jahr für alle neuen Entwicklungen die Devise „Mobile First“ ausgerufen. Google Goggles sagt dir, wie ein Bild heißt, das du mit dem Smartphone scannst oder löst ein abfotografiertes Sudoku für Dich, es erkennt auch Text und übersetzt ihn in eine beliebige Sprache. Der Google-Übersetzer ist mittlerweile auch schon richtig gut, und die Spracherkennung richtig komfortabel. Aktuell arbeitet man daran, die App so weiterzuentwickeln, dass man mit zwei verschiedenen Sprachen miteinander telefonieren kann und den Gesprächspartner in der eigenen Sprache hört. Beängstigend? Ein bisschen. Zur Verblödung beitragend? Nicht unbedingt, Taschenrechner bedeuten ja auch nicht, dass die Bevölkerung schlechter in Mathe wird, sondern erlauben komplexere Aufgaben zu lösen.
Wir leben in spannenden Zeiten, die Pfadfinder sind da oftmals eine willkommene Auszeit. Den Luxus, zwei Wochen auf Fahrt nicht erreichbar zu sein und auf jedes Internetangebot zu verzichten, nehmen nicht viele in Anspruch. Social Networks bieten uns als Bund und jedem einzelnen Stamm tolle Möglichkeiten, sich selbst bekannter zu machen und auch nicht ganz so aktive Mitglieder intensiver an sich zu binden und an den Aktionen teilhaben zu lassen. Wenn Smartphones gezielt und sinnvoll eingesetzt werden und das idyllische einfache Gruppenleben nicht stören, können sie eine Fahrt ausnahmsweise auch hier und da bereichern. Es ist wie mit dem Taschenrechner: Hauptsache, wir können es auch noch ohne.

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