Der BdP auf dem Prüfstand

Die „Programmevaluation“ war eines der größten Projekte des BdP in den letzten Jahren. Zur Bundesversammlung 2011 wurde der Abschlussbericht veröffentlicht, der viele Fragen aufwirft. An die Aufarbeitung machen sich nun Bundesleitung und Landesverbände.

von Chrise

In den letzten 4 Jahren hat sich eine Projektgruppe damit beschäftigt, das Programm im BdP zu analysieren. Dafür gab es verschiedene Gründe, so etwa Mitgliederverluste, vor allem nach den Stufenübergängen oder die Frage, ob das stattfindende Programm auch dem pädagogischen Konzept des BdP entspricht. Unter fachlicher Beratung arbeitete die Projektgruppe Fragen und Erhebungsmethoden für die Befragung aus, die 2010 schließlich durchgeführt wurde. Externe Helfer, zumeist Studierende, führten Gruppeninterviews mit 48 Meuten durch, in 70 Sippen und 44 R/R-Runden wurden Fragebögen ausgefüllt, sodass insgesamt 1814 Personen an der Evaluation teilnahmen.

Vieles, was spannend wäre, bleibt offen.

Natürlich kann die Evaluation nicht umfassend sein, und vieles, was gerade spannend wäre, bleibt leider offen. Dennoch bringt sie einige interessante Ergebnisse. Neben Fragen zur Gruppenstruktur wurden Themen wie Pfadfindertechnik, Fahrt und Lager, Musisches oder Partizipation behandelt.
Interessant ist zum Beispiel, dass ein Mitglied der Pfadfinderstufe im Jahr durchschnittlich an 3,97 Lagern teilnimmt und an 1,7 Fahrten. Die Verteilung ist hier weit gestreut, und der Anteil derer, die an gar keiner Fahrt teilgenommen haben, liegt bei unglaublichen 26,4%. Dass diese wichtige Methode oft zu kurz kommt, war bekannt, diese Zahlen sind allerdings mehr als bedenklich. Wer denkt, dass die Ranger und Rover hier aktiver werden, irrt sich leider, die Zahlen sind nahezu gleich.
Die Selbsteinschätzung im Bereich Pfadfindertechnik fällt dagegen äußerst positiv aus, fast alle Befragten Ranger, Rover und PfadfinderInnen beherrschen die meisten Techniken gut oder sehr gut, am besten klappt es mit dem Aufbau der Kohten und Jurten.

Zur Stammesvollversammlung gehört auch eine altersgerechte Vorbereitung und Durchführung für alle Mitglieder.

Im Bereich Demokratie und Partizipation im Stamm ergab sich unter anderem, dass 31% der Wölflinge schon mal an einem Ratsfelsen teilgenommen haben, 32% der Pfadfinder ihren Sippenführer wählen und 93% der Ranger/Rover schon mal einen Stammesführer mitgewählt haben. Bei den Wölflingen war dies leider nur bei jedem zweiten Wölfling der Fall. Spätestens hier werden Handlungsempfehlungen fällig, denn jedes Stammesmitglied sollte doch den Stammesführer mitwählen. Wer nichts von sogenannter „Gummibärchen-Demokratie“ hält oder meint, die Wölflinge seien sowieso nicht wahlentscheidend und würden sich nur langweilen, hat pädagogische Grundprinzipien des BdP nicht verstanden. Zur Stammesvollversammlung gehört auch eine altersgerechte Vorbereitung und Art der Durchführung, die für alle Mitglieder verständlich und nachvollziehbar ist. Wenn die Vollversammlung während des Stammeslagers durchgeführt wird, sind automatisch die meisten dabei.

Bundesordnung und Realität sind besonders in der Pfadfinderstufe weit voneinander entfernt.

Etwas schwieriger ist die Frage mit der Sippenführerwahl. Diese ist zwar fest in der Bundesordnung verankert, aber eher selten übliche Praxis, hier überwiegen oft pragmatische Gründe für eine ältere oder bestimmte Führungsperson (Befähigung, Einverständnis der Eltern vor allem bei Großfahrten, etc.). Das Prinzip eines gleichaltrigen Sippenführers ist tatsächlich auf ein funktionierendes Gildensystem mit älteren, unterstützenden Gildenführungen und Gildenassistenten angewiesen. Es sind aber laut Evaluation nur rund 46% der Sippen in Gilden organisiert. Es ist zu überlegen, ob aktiv etwas dafür getan werden muss, uns besser den Strukturen der Bundesordnung zu nähern, oder ob diese der Realität angepasst werden muss, und stattdessen andere Formen der Partizipation gefunden und gestärkt werden müssen. Da auch unsere Ausbildungskonzeption maßgeblich auf dem Gildensystem aufbaut, ein besonders wichtiger Punkt.
Im Bereich „Soziales Engagement“ gaben nur sehr wenige Mitglieder an, bereits an entsprechenden Aktionen teilgenommen zu haben, das Sammeln von Spenden macht hier noch den höchsten Anteil aus. Etwas besser stellt sich die internationale Arbeit dar, etwa 44% der Ranger und Rover gaben an, im Vorjahr an einer Internationalen Begegnung teilgenommen zu haben, was aber zu einem großen Teil auch dem Bundeslager geschuldet sein dürfte.

Die gute Nachricht: Unser Programm ist ganzheitlich!

Und so brachte die Evaluation noch eine Reihe weiterer interessanter Ergebnisse, z.B., dass es fast genauso viele gleichgeschlechtliche wie gemischte Sippen in unserem Bund gibt, ein Punkt, der an keiner Stelle in der pädagogischen Konzeption oder Ausbildungskonzeption Thema ist. Erfreulich sind die Ergebnisse zum ganzheitlichen Programm, das so im BdP anscheinend tatsächlich in ausgewogener Form stattfindet.

Jeder, der sich für die Ergebnisse interessiert, kann den 24-seitigen übers Bundesamt bekommen. Am intensivsten werden sich nun die Gremien unseres Bundes hoffentlich auf allen Ebenen damit auseinandersetzen und die aufgeworfenen Fragen zu beantworten versuchen. Das Projekt Evaluation tritt jetzt mit der Interpretation der Daten in seine spannendste Phase ein. Wenn sie helfen kann, das Programm im BdP besser zu machen, hat sie sich gelohnt.
Genau dafür fängt jetzt die Arbeit an.

Einige Fakten

  • 40 % der über 13-jährigen war noch nie auf Auslandsfahrt
  • 45 % der Gruppen singen beim Heimabend seltener als einmal im Monat
  • 6 % der Mitglieder im BdP haben einen Migrationshintergrund
  • 40 % der Stafüs haben einen Grundkurs oder Gilwellkurs für Stammesführungen besucht
  • Die Befragten der Pfadfinderstufe haben im Vorjahr durchschnittlich an 1,7 Fahrten teilgenommen.

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