Höhergesetzte Wölflinge

Die Rolle von Gruppenleitern: wie Wölflinge und Sipplinge uns sehen. Eine etwas andere Gruppenstunde

von Pia

„Ich finde, ihr seid höher gesetzte Wölflinge“, rief ein Wölfling direkt nachdem wir unsere Frage ausgesprochen hatten. Eine Meutenstunde zum Thema „Was bedeutet es, Wölfling zu sein?“ und anschließend „Was bedeutet es, Gruppenleiter zu sein?“ ergab interessante Antworten. „Ihr macht ja das gleiche wie wir, nur ab und zu sorgt ihr dafür, dass es leise ist“, erklärte der Wölfling weiter.

Nun, was ist denn „das Gleiche“? Sicherlich, wir fahren auch auf Fahrten und Lager, kommen zu den Meutenstunden, meistens nehmen wir auch am Programm teil. Genau da liegt wohl der kleine Unterschied. Zwar nehmen wir ab und zu nur am Programm teil, meistens aber planen wir es. Das sei die Hauptaufgabe als Gruppenleiter, sagten die Wölflinge.

Was  macht mein Gruppenleiter eigentlich noch so?

Naja, und weil wir das und noch ein bisschen mehr machen als alle anderen Wölflinge, seien wir höher gesetzt. Aber was würden wir denn noch mehr machen? „Zelte lagern, einkaufen, das Programm planen, ab und zu auf Fortbildungen gehen und halt alles vorbereiten.“ Also gehöre zum Gruppenleiterdasein vorrangig das Planen und das regelmäßige Vorbereiten. „Das macht ihr immer und das Einkaufen nur ab und zu, die Zelte lagern sowieso von alleine. Auf Fortbildung geht ihr, glaube ich, einmal im Jahr.“

Wir als Gruppenleiter zogen daraus das Fazit, dass wir den Titel „höhergesetzte Wölflinge“ bekommen hatten, weil wir ein wenig mehr Zeit für die Meutenstunden und Lager aufwenden, indem wir vorher einkaufen gehen oder die Zelte einpacken. Außerdem dürften wir dafür, dass wir auf Lagern tagsüber Posten machen oder uns als Spielfiguren verkleiden (bei denen man ja sowieso gleich wüsste, dass wir das sind) abends länger in der Jurte sitzen und singen. Das sei zum Einschlafen aber auch immer ganz nett…
Was wir so neben den Pfadfindern machen, da gingen die Meinungen aber auseinander. Ein heiteres Drauflosraten begann, was der Gruppenleiter denn wohl noch so für Hobbies hat.
Schwimmen? Reiten? Fußball? Doch auch da wussten einige Wölflinge ziemlich gut Bescheid. Durch die Umstellung des Schulsystems trifft man nun immer häufiger Wölflinge an der eigenen Schule und wenn man dann als Dorfkind noch mit dem Bus in die anliegende Stadt fahren muss, sieht man sich fast täglich. Im Bus kann man sich „Bis gleich“ sagen, da man sich ja schon eine halbe Stunde später wiedersieht. Jüngere Wölflinge haben da doch entsprechend weniger konkrete bzw. realitätsnahe Vorstellungen, was die Meutenführung nachmittags macht. Wie soll ein Wölfling das auch wissen, der Nachmittags nicht an Schule und Abschluss, sondern spielen und rumtoben denkt?

Programmplanung, Verantwortung, Konflikt-schlichtung – und Privilegien

Tiefergehend überlegten Sipplinge. Sie nannten nicht nur bloße Tätigkeiten, die zu erledigen sind, sondern verwendeten im Gegensatz zu den Wölflingen den Begriff „Verantwortung“. Von Gruppenleiter lernen sie, wie man Zelte aufbaut, sie gehen mit ihnen wandern, und machen mit ihnen die Sippenstunden, auch wenn sie als Sipplinge manchmal sehr anstrengend sein würden. Außerdem brachte ein Sippling den Konflikt zwischen Spaß und Zeit ein.  Es sei schwer die ganzen Fahrten zu planen, aber es mache wegen der Kreativität auch Spaß. Die Sipplinge sahen aber nicht nur die Pflichten, also Programmplanung, Verantwortung, Konfliktschlichtung, sondern – wie die Wölflinge auch – einige Privilegien am Gruppenleiterdasein: Wieder wurde das längere Aufbleiben genannt, aber auch, sich während des Programms mal ausruhen zu können. Natürlich würden sie das verstehen, aber auf Lagern fänden sie das meistens etwas unfair.

Gruppenleiter sollen nett sein, auch wenn es anstrengend wird

Sowohl Wölflinge als auch Sipplinge sagten, dass Gruppenleiter zu sein sicherlich anstrengend ist, da sie in den Gruppenstunden oft zu laut seien oder ab und zu keine Lust auf das geplante Programm hätten. Die Sipplinge grinsten sich dabei ein wenig schuldbewusst an, während die Wölflinge sagten, dass sie aber trotzdem wollen, dass die Gruppenleiter immer nett sind.
Insgesamt haben die Wölflinge und Sipplinge eine überraschend umfassende Vorstellung vom Gruppenleiter Sein und haben entsprechend eingehend darüber reflektiert. Es gäbe sicher positive und negative Seiten, aber bei allen Wölflingen und Sipplingen stand voll und ganz fest: Sie werden später auch mal Gruppenleiter!

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