„Wo früher noch die Meutenstunde war…“

Persönliche Erfahrungen mit den Auswirkungen von Ganztagsschule und G8 auf die Pfadfinderei.

von Julia und Michi

Julia:

„Meine erste Sippe habe ich mit 14 Jahren zusammen mit einer Freundin übernommen. Da ich selbst nicht zur Ganztagsschule gegangen bin, hatte ich damals keine Probleme, Schule und Sippenstunde unter einen Hut zu bekommen. Sicher, Gruppenleiter bei den Pfadfindern sein, heißt oft an Wochenenden oder Nachmittagen weg zu sein und das wiederum bringt einem natürlich den ein oder anderen Konflikt mit Eltern und Freunden ein. Seit einigen Jahren bekomme ich außerdem die Auswirkungen der Ganztagsschule zu spüren. Erstens haben unsere Sipplinge oft erst spät Zeit und dann fehlen sie häufig, wenn Arbeiten oder wichtige Hausaufgaben anstehen. Bei unseren angehenden Sippen- und Meutenführern sehe ich, dass diese die Pfadfinderei einfach nicht mehr so intensiv leben können, da sie viele Aktionen und Fahrten sausen lassen müssen. Wenn ich daran denke, wie viel ich schon in frühen Jahren von der Pfadfinderei und dem Gruppenleiter-Sein profitiert habe, dann finde ich es wirklich schade, dass andere, die das auch wollen, es nicht können. Genau wie meine Sipplinge merke auch ich ganz stark, dass von der Gesellschaft, Freunden und Eltern hauptsächlich gute Noten gefordert werden und weniger soziales Engagement im Hobby. Auch nach dem Nachmittagsunterricht steht Schule noch im Vordergrund. Ausdrücke wie «zur Gruppenstunde darf ich nicht kommen, weil in der letzten Mathearbeit war es nur eine Drei» muss man sich mittlerweile nicht nur von Sipplingen, sondern sogar von Wölflingen anhören.“

Es werden hauptsächlich gute Noten gefordert und weniger das soziales Engagement.

Michi:

„Die Ganztagsschule begann, als ich in die Oberstufe kam. An meiner Schule war auch zuvor Nachmittagsunterricht üblich und damals kam zu allem Übel nur eine unumgängliche Mittagspause dazu, die einem eine Stunde mehr am Tag in der Schule einbrachte. Da ich schon früh begann, neben der Schule zu arbeiten, hieß lange Schule für mich automatisch wenig Freizeit. Für viele meiner Freunde war es damals und das ist es auch für meinen kleiner gewordenen Freundkreis heute noch vollkommen unverständlich, dass ich meine wenige Freizeit auch noch für so etwas wie „auf kleine Kinder aufpassen“ opfere. Dass das für mich viel mehr als nur ein Hobby war und ist, konnten und können viele nicht verstehen. Zurück zur Ganztagsschule und dem Abitur mit 12 Jahren. Als ich noch zur Schule ging, habe ich selbst schon gemerkt, wie schwer es ist, Nachmittagsunterricht und Gruppenstunde unter einen Hut zu bekommen. Wo früher die Meutenstunde noch am Montag war, musste ich sie irgendwann gezwungen durch den eigenen Nachmittagsunterricht auf den Freitag verlegen. Zuerst noch von 14 bis 16 Uhr, heute sind wir bei 16 bis 18 Uhr angekommen. Das ist leider notwendig, denn weder die Kleinen noch die Großen können auf Grund der Schule und den Hausaufgaben eher.“

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