Pfadfinder auf Abwegen?

Was kann Pfadfinderarbeit zur Integration beitragen? Ein Bericht von einem Projekt des AK Drushba.

von Schumi

Von Januar bis September 2010 gab es im Grenzdurchgangslager – Zentrum für Integration (GDL) in Friedland ein wöchentliches Angebot für Kinder zwischen 10–13 Jahren, bei dem sie Pfadfinderarbeit kennen lernen konnten.

Das Grenzdurchgangslager Friedland südlich von Göttingen ist die erste Anlaufstelle für alle Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion in Deutschland. Hier wird der Ausreiseantrag bearbeitet und die Verteilung in die Bundesländer organisiert. Für viele Bundesländer dauert der Aufenthalt nur ein paar Tage, Niedersachsen und Bayern hingegen organisieren hier einen sechsmonatigen Integrationskurs mit Sprachkurs und Landeskunde. Die Kinder besuchen in dieser Zeit die Schule im Ort.

Vom Spieleabend zum Projekt

Aus dem bestehenden Austausch zwischen BdP und dem kasachischen Pfadfinderverband heraus gab es den Kontakt zum Grenzdurchgangslager in Friedland. Vor längerem gab es dort einen Spieleabend im Rahmen eines Arbeitstreffens des AK Drushba. Der Abend war gut von Eltern und Kindern besucht und hat allen viel Spaß gemacht. Dort setzte die Idee zu dem Projekt an, zuerst ein Angebot im GDL zu schaffen und im zweiten Schritt, die Kinder dadurch zu motivieren, sich an ihrem neuen Wohnort auch einem Stamm anzuschließen.
Leider gab es in der direkten Nähe von Friedland keinen Stamm, der dieses Angebot neben seinen Sippenstunden und Fahrten übernehmen konnte. Glücklicherweise bewilligte die Stiftung „Aktion Mensch“ Geld aus ihrem Programm „die Gesellschafter.de“. Geld, von dem eine Gruppenleiterin aus einem umliegenden BdP-Stamm auf Honorarbasis sowie Programmmaterial und Aktivitäten der Gruppe bezahlt werden konnten.

Bulldog war sehr beliebt

In der Gruppenstunde, die so auch an anderen Orten stattfinden könnte, wurden verschiedene Inhalte der Pfadfinderarbeit angeboten. Dazu zählten Spiele drinnen und draußen (Bulldog war sehr beliebt), Musikinstrumente basteln, Singen und vieles mehr. Probleme mit der Sprache gab es nicht, wenn es mal zu schwierig war, halfen sich die Kinder gegenseitig. Manche Spiele, die bestimmte Begriffe benötigen, wurden mit Arbeitshilfen zweisprachig vorbereitet. Ungewohnt war es für die Gruppenleiterin nur, dass sich die Kinder auch auf Russisch unterhalten haben.
Der große Höhepunkt war der Besuch der Naturerlebnistage in Gifhorn im September. 10 Kinder aus dem GDL haben an diesem Abenteuer teilgenommen. Dort haben die Kinder richtige Pfadfinder getroffen und ein interessantes Wochenende mit vielen Aktivitäten erlebt. Es gab viele Gelegenheiten, die „neue“ Sprache selbstständig zu probieren. Vielen Dank dafür an dieser Stelle an den Pfadfinderarbeitskreis.

Nicht immer ist ein eigenes Projekt notwendig

In der zweiten Phase des Projekts haben wir die Kinder unterstützt, auch an ihrem neuen Wohnort eine Pfadfindergruppe zu besuchen. Dazu haben wir Kontakt zu den Gruppenleitern aufgenommen und haben versucht, eine geeignete Gruppe in der Nähe zu finden. Das war nicht immer einfach, da leider nicht in jedem Winkel Pfadfinder zu finden waren. In Niedersachsen zogen keine Kinder in eine Gegend mit einem Pfadfinderstamm, so dass nur in Bayern Pfadfinderstämme davon profitieren konnten.
Trotz mancher Schwierigkeiten in der Projektdurchführung sind wir mit dem Projekt grundsätzlich zufrieden. Abschließend bleibt aber auch festzuhalten, dass nicht immer ein eigenes Projekt notwendig ist, um Pfadfinderarbeit für alle Kinder anzubieten bzw. interessant zu machen.

Wir danken der Stiftung Aktion Mensch und dem GDL für die Unterstützung für dieses Projekt.
 
 

Der AK Drushba (russisch für „Freundschaft“) ist der Arbeitskreis des BdP
für das seit 1995 bestehende Partnerschaftsprogramm mit der
Organisation of the Scout Movement of Kazakhstan (OSDK).

Weitere Informationen findest Du hier:
http://www.pfadfinden.de/aktivitaeten/drushba/

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