Der BdP ist tot…!?

Ein Flugblatt sorgte auf dem Bundeslager für Wirbel. Moritz hat auf der Landesversammlung über Leben und Tod unserer Bundes diskutiert und stellt sich die Frage, ob Rückschritte nicht manchmal auch Fortschritt bedeuten kann.

von Moritz

Der BdP tot? Eigentlich sieht er doch noch ganz lebendig aus, unser geliebter Bund. Wenn man will, kann man fast jedes Wochenende auf ein Seminar, oder Planungstreffen fahren. Es gibt Lager, Fahrten und reichlich Gruppenstunden in den Stämmen. Wie kommt man also darauf, unseren Bund für tot zu erklären? Dieser Frage nahm sich ein Workshop auf der diesjährigen Landesversammlung an, der sich kontroverser als vielleicht erwartet entwickelte.

Zu viel Organisation, zu viele Gremien, zu viel Planerei und zu wenig ursprüngliche Pfadfinderei in der Tradition der bündischen Jugend

Den Anfang hatte alles mit einem Flugblatt genommen, das auf dem Bundeslager die Runde machte: „Zurück zu den Wurzeln“ war die zentrale Forderung und sinkende Mitgliedszahlen wurden als ein Indiz dafür genommen, dass unser Bund an Attraktivität verloren hätte. Zu viel Organisation, zu viele Gremien, zu viel Planerei und zu wenig ursprüngliche Pfadfinderei in der Tradition der bündischen Jugend – das töte unseren Bund.

Das Thema traf offenbar einen Nerv, denn der Workshop war erstaunlich gut besucht, und viele der Teilnehmer schienen die Meinung des Flugblattes grundsätzlich zu Teilen. Kritisiert wurde der Mangel an Unabhängigkeit, das Fehlen des alten Fahrtengefühls und des Einfach-Losziehens. Die unzähligen Aktionen von Bund, Land und Bezirk, wie Ausbildungskurse und Planungstreffen ließen kaum noch Zeit für eigene Aktionen und entferne die Gruppeneiter fast automatisch vom eigenen „bündischen Erlebnis“.

Die Diskussion war bewusst offen und Denkverbote gab es nicht. Wenn man nach einer Identität unseres Bundes fragt, so ist es doch genau diese Vielfalt an Meinungen, die einen ganz wesentlichen Charakterzug ausmachen, auch weil sie ausgesprochen werden und Raum finden. Das ist das Gegenteil von tot; das ist sehr lebendig und man scheint schon fast durch das Zustandekommen einer solchen Diskussionsrunde, beruhigt der Frage nach dem Tod unseres Bundes den Rücken kehren zu wollen. Das aber wäre falsch. Zu überlegen ist wirklich, ob ein „Schritt zurück“ manchmal nicht sinnvoll wäre, ob Gruppenleiter nicht zu sehr eingespannt sind und wir uns nicht bei all unseren Projekten im wahrsten Sinne des Wortes verzetteln. Solche Forderungen regten im Workshop natürlich auch zum Widerspruch an. Denn all unser Planen und unsere Ausbildung, sie erfüllen doch angesichts einer sich zunehmend von der Natur entfernenden Jugend und den Herausforderungen einer modernen Gesellschaft einen Zweck.

Zu überlegen ist wirklich, ob ein „Schritt zurück“ manchmal nicht sinnvoll wäre, ob Gruppenleiter nicht zu sehr eingespannt sind und wir uns nicht bei all unseren Projekten im wahrsten Sinne des Wortes verzetteln.

Wenn wir als Pfadfinder einen Bildungsanspruch erfüllen wollen, der nicht nur die Kinder umfasst, die sich von vornherein schon mit unseren Zielen identifizieren können (und das betrifft meist auch eine soziale Oberschicht), dann müssen wir uns pädagogisches Handwerkzeug aneignen, um Kinder an unsere Wertvorstellungen heranzuführen. Das geht nicht einfach so wie früher.

Nur die Ziele sollten bei all dieser Arbeit nicht aus dem Auge verloren werden: Die Freiheit der Fahrt, die Freiheit der Gedanken und die Entwicklung zum mündigen Menschen.

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