„Warum sollen wir uns denn wählen lassen?“

Demokratie(un)verständnis im BdP. Schon mehrfach kam in unserem LV die Debatte auf, ob unser Bund politisch aktiv genug sei, oder ob er sich zu passiv verhielte. Einfach war die Sache mit Demokratie und Partizipation in unserem Bund aber noch nie.

von Backe

 „Demokratie lebt vom Mitmachen. Wir wollen sie als Prinzip stärken, indem wir sie in unserer eigenen Arbeit verwirklichen. Dabei sind wir politisch unabhängig, betreiben aber politische Bildung und fördern das politische Engagement unserer Mitglieder.“

Es ist bereits einige Jahrzehnte her, da gab es in Deutschland einen Pfadfinderbund, der sich in politisch brisanten Zeiten zunehmend politisierte. Anfangs war es ein schleichender Prozess, doch die Entwicklung spitzte sich immer weiter zu. Und schon bald forderte die Bundesleitung dieses Bundes ihre Mitglieder dazu auf, ihre Sippen aufzulösen und in politische Diskussionsgruppen umzuwandeln. Die Bundessatzung sollte einer Parteisatzung weichen und die Bundesleitung rief alle dem Bund Angehörigen zu offenem Ungehorsam gegenüber Staat, Lehrern und Eltern auf. Dieser Bund war der BDP.

Damals traten viele der traditionsbewussten Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus, da für sie so viel Politik in einem Pfadfinderbund nicht mehr tragbar war und gründeten unseren heutigen BdP. Heute liegt all das beinahe 40 Jahre zurück, doch eine Frage hat die Zeit überdauert und ist in unserem Bund bisher mehr oder weniger immer präsent gewesen:

Wie politisch aktiv darf oder sollte unser Bund sein, ohne dabei unsere Identität zu verlieren?

Unsere pädagogische Konzeption sagt dazu folgendes:

Wir setzen das demokratische Prinzip ständig und mittlerweile wie selbstverständlich in unserer Arbeit um. Angefangen bei den Wölflingen in der Meute, über die Pfadfindersippen und R/R-Runden, in Stammesräten bis zu den Delegierten der Landesvollversammlung und Bundesversammlung. Doch die Diskussionen auf der letzten Bundesversammlung ließen ein anderes Bild erkennen. Einige Stämme in unserem Bund bereiten ihren Landesvorständen Sorge. In diesen Stämmen wurden schlicht keine jährlichen Mitgliederversammlungen durchgeführt, keine Protokolle vorgelegt und es konnte auch nicht nachvollzogen werden, ob die entsandten Vertreter zur Landesversammlung rechtmäßig gewählt wurden.

Mitgliedern unseres Bundes wird ihr Recht auf Partizipation vorenthalten

Doch dies ist das Grundprinzip unserer demokratischen Arbeit und in unserer Satzung festgelegt. Solch ein Verhalten von Stammesführern, die dafür verantwortlich sind, untergräbt nicht nur unsere Satzung und den demokratischen Grundgedanken, sondern entzieht uns als Bund die Glaubwürdigkeit und Beschlussfähigkeit auf Landesverbands- und Bundesebene und macht alle Beschlüsse angreifbar. Dass dieses Grundverständnis bei manchen Stammesführungen nicht gegeben ist, gibt Grund zur Sorge. Noch schlimmer aber ist, dass Mitgliedern unseres Bundes ihr Recht auf Partizipation vorenthalten wird.

Als Konsequenz begegnete den Delegierten der letzten BV ein Antrag auf Satzungsänderung, der die Wahlperioden von Delegierten auf zwei Jahre erhöhen sollte.

Das kann und darf jedoch nicht die lethargische Erwiderung auf diesen Mangel an Sensibilität gegenüber den Rechten und Pflichten unseres Bundes sein. Und weil dies viele so sehen, wurde der Antrag umgehend abgelehnt.

Reicht die Möglichkeit zur Mitsprache, oder muss man diese aggressiver einfordern?

Vielleicht muss diese Haltung sogar noch verschärft werden. Reicht es aus, einem Mitglied nur die Möglichkeit zur Mitsprache einzuräumen, oder muss man diese aggressiver einfordern?

Sollten wir per Satzung verfügen, dass jedes Jahr eine gewisse Anzahl an Gästen von jedem Stamm und Landesverband zu den entsprechenden Gremien mitzubringen sind?

Müssen wir sogar die demokratischen Mechanismen innerhalb der Sippen anzweifeln? Müssen wir als Bund protokollierte Gruppenstunden verlangen und diese im Rahmen unserer Qualitätssicherung stichprobenartig prüfen?

All dies ist kaum umzusetzen und auch nicht Sinn und Aufgabe unseres Bundes. Aber es zeigt, dass politisches Bewusstsein und Mitgliederpartizipation nicht selbstverständlich sind und in unserer Gemeinschaft einer Erinnerung bedürfen. Dazu reicht kein Appell, dazu bedarf es regelmäßiger Sensibilisierung, Beispielsweise in Form einer Pflichtveranstaltung für alle Stammesführer auf den jährlichen Stafü-Treffen. Dort könnte man die Stammesführungen an ihre Rolle als Leiter und Vorbilder erinnern, bevor sie diese vergessen. Und was bleibt?

Als Führungskräfte auf allen Ebenen bilden wir unsere Mitglieder zwar in politischen Prozessen und leben Demokratie vor, doch lassen wir die Probleme der verschiedenen politischen Richtungen außen vor. Der BdP hat die richtigen Lehren aus seiner Vergangenheit gezogen. Eine inhaltliche Diskussion über politische Themen wäre oft wünschenswert und ist jedem selbst überlassen. Als Führungskräfte nehmen wir damit jedoch zu großen Einfluss auf unsere Mitglieder und drohen erneut, den Grat zwischen Pfadfinderbund und Partei zu überschreiten.

Advertisements
Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: